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Als erste deutsche Stadt ist Hanau als „Kinderfreundliche Kommune“ ausgezeichnet worden.

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Kritik nach Vergabe des Siegels

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Hanau trägt das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“. Doch die Linke warnt davor, dass der Sparkurs der Stadt die Zukunft vieler junger Hanauer aufs Spiel setzen könnte.

Grundsätzlich sehe er es positiv, dass Hanau von Unicef und Kinderhilfswerk das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten hat, sagt Linken-Fraktionschef Jochen Dohn. In den vergangenen Jahren habe es in Hanau an einigen Stellen Fortschritte in der Kinder- und Jugendarbeit gegeben. Doch der Sparkurs der Stadt setzte die Zukunft vieler junger Hanauer aufs Spiel, so Dohn.

Ob die Stadt den vorgeschriebenen, vierjährigen Aktionsplan nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich umsetzen kann und das Siegel behalten darf, sei fraglich. Vor allem die Einschnitte im Etat für Jugend kritisiert Dohn scharf: „Die Probleme nehmen zu. Viele Kinder und Jugendliche könnten abgehängt werden.“ Nach Angaben von Dohn waren Ende 2013 rund 10 000 Hanauer unter 65 Jahren auf SGB II-Leistungen angewiesen – 400 mehr als im Vorjahr. 3550 Empfänger waren demnach jünger als 18 Jahre, was 36 Prozent entspricht.

Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) hatte kürzlich bekanntgegeben, dass die Stadt den Etat für Jugendarbeit in diesem Jahr um 140 000 Euro reduziert und ab 2015 um 350 000 Euro. Die Jugendtreffs in Klein-Auheim und Mittelbuchen werden geschlossen. Die Intensiv-Betreuung von Jugendlichen wird nicht mehr an freie Träger vergeben, sondern von städtischen Mitarbeitern übernommen. Im Gegenzug sollen diese von Verwaltungsaufgaben entlastet werden.

„Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass der Kommunale Soziale Dienst dringend mehr Mitarbeiter braucht“, sagt Dohn. Sie hätten sehr viel zu tun – allein schon mit den akuten Fällen, in denen etwa das Kindeswohl gefährdet ist. „Können die Sozialarbeiter der Stadt nun zusätzlich die Aufgaben stemmen, die bisher spezialisierte freie Träger geleistet haben?“, fragt Dohn und fügt hinzu: „Die Intensiv-Betreuung ist ja auch mit Papierarbeit verbunden. Alles muss dokumentiert werden.“

"Jugendparlament tagt zu selten"

Darüber hinaus bemängelt Dohn mangelnde Partizipationsmöglichkeiten für junge Menschen in Hanau. Das Jugendplenum finde zu selten statt und werde von zu wenigen Heranwachsenden aufgesucht. „In anderen Städten gibt es Jugendparlamente, die regelmäßig tagen“, sagt Dohn. Die Stadt solle prüfen, wie dies in Hanau funktionieren und wie man die Jugendlichen für ein solches Gremium begeistern könnte. Dohn schlägt dazu eine engere Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas vor.

Am Dienstag hatte Hanau als erste deutsche Stadt das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten. Damit sollen Städte und Gemeinden für den Einsatz für Kinderrechte ausgezeichnet werden. Nach zwei Jahren Vorbereitung ist Hanau jetzt verpflichtet, einen vierjährigen Aktionsplan umzusetzen. Dadurch sollen unter anderem Schüler mehr Mitspracherecht bekommen und Kinder und Jugendliche stärker bei der Gestaltung ihrer Stadtteile mitbestimmen.

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