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Hier will der eine als neuer Chef rein, der andere als amtierender aber nicht raus: das Rodenbacher Rathaus.

Rodenbach Bürgermeisterwahl

Kampf um den Chefsessel

Neben der Europawahl sind die Rodenbacher am Sonntag zur Wahl ihres Bürgermeisters aufgerufen. Der 28-jährige Christdemokrat Christian Mankel will den 46 Jahre alten Amtsinhaber und Sozialdemokraten Klaus Schejna den Chefsessel im Rathaus streitig machen.

Von Peter Dietz

Der eine will auf den Rathaus Chefsessel, um den Amtsinhaber abzulösen. Der Amtsinhaber will den Sessel aber nicht hergeben, weil er auf eine „solide Arbeit“ zurückblicken könne und „alles andere als amtsmüde“ sei. Die Rodenbacher sind am Sonntag neben der Wahl des Europaparlaments auch zur Wahl ihres Bürgermeisters aufgerufen. In Personen-Direktwahl für eine Amtszeit von sechs Jahren.

Im September endet die Amtszeit von Klaus Schejna (SPD). Der 46-Jährige Diplomverwaltungswirt steht bereits seit 2002 an der Stadtspitze und strebt nunmehr seine dritte Amtszeit an. „Es stand außer Frage, dass ich wieder kandidiere“, so der Genosse selbstbewusst.

Sein Herausforderer ist der Christdemokrat und Diplom-Betriebswirt Christian Mankel, der übrigens heute seinen 28. Geburtstag feiert und auf seine Jugend sowie frischen Wind in der Verwaltung setzt, „um alte Verkrustungen“ in dem seit 44 Jahren SPD-geführten Rathaus aufzubrechen, falls er als neuer Chef ins Rathaus einziehen sollte.

Rodenbach sei „eine liebenswerte Gemeinde, in der man sich wohlfühlen kann und ungenutztes Potenzial zur Entfaltung gebracht werden will“, schreibt Mankel auf seinem Wahlkampf-Flyer.

Für eine Stadt sei es nie gut, wenn sie seit 1970 von derselben Partei geführt werde, erklärt der junge Betriebswirtschaftler und gebürtige Frankfurter mit Wurzeln in Maintal, der noch in Bad Vilbel wohnt, aber nach Rodenbach ziehen will, „egal ob ich am Sonntag gewinne oder nicht“. Nein, er mache Schejna keinerlei Vorwürfe, in den vergangenen Jahren etwas „verbockt“ zu haben, aber es sei zu wenig passiert. So sei etwa bei Stadt- und Standortmarketing, bei der Wirtschaftsförderung sei noch viel Luft nach oben, befindet der Herausforderer. Ebenso bei Bürgerservice und -nähe. So wolle er als Bürgermeister die Öffnungszeiten des Bürgerbüros auch auf Samstage für Berufstätige erweitern.

Auch die Bevölkerungsentwicklung wolle er als Bürgermeister im Auge behalten und Rodenbach für junge Familien attraktiver machen. „Ich möchte aber nun auch nicht von außen kommen und plötzlich alles besser wissen“, gibt sich Mankel bescheiden, „aber es ist nun mal an der Zeit, andere Schwerpunkte zu setzen. Und der Blick von außen kann auch ein Vorteil sein.“

Amtsinhaber Schejna sieht dem Wahlsonntag gelassen entgegen. Es stehe schließlich eine Personen-, weniger eine Parteienwahl an. Und dazu könne er auf eine „gute, solide Politik für und mit den Bürgern, nicht von oben herab“ der vergangenen Jahre verweisen. Im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden in Hessen stehe Rodenbach vergleichsweise gut da, insbesondere mit seinem geringen Schuldenstand. „Und solide aufgestellte Finanzen sind die Grundlage allen Handelns.“ Das schreibt Schejna seinem und dem Wirken seines Gemeindevorstands sowie der Gemeindevertretung zu, wo stets mehr als 90 Prozent der Beschlüsse einstimmig fallen würden. Es zeige zudem, wie sachorientiert in Rodenbach Politik gemacht werde, auch über die Parteigrenzen hinweg.

„Unsere Bürger werden von Belastungsgrausamkeiten wohl weitgehend verschont bleiben. Der 2015er-Haushalt ist schon geplant“, sagt Schejna. Besonders für die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung werde er sich in einer dritten Amtszeit einsetzen, „für noch mehr Zusammenhalt und Daseinsvorsorge“.

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