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Dieses baufällige Haus im Stadtteil Lamboy soll der radikalen Gruppe als Treffpunkt gedient haben.

Salafisten in Hanau

Hanauer ziehen in den Dschihad

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  • Detlef Sundermann
    Detlef Sundermann
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Die Baraat Moschee in Hanau wird als „Anlaufstelle der salafistischen Szene“ genutzt. Männer ziehen von hier in den Dschihad. Die Stadt Hanau bereitet die Schließung der Moschee vor, wegen „baurechtlicher Bedenken“.

Mindestens drei junge Männer aus Hanau und Umgebung kämpfen im Dschihad. Sie gehören einer etwa 20-köpfigen, radikalen Salafistengruppe an, deren mutmaßlicher Anführer einen Imbiss in Hanau betreibt. In einem Propaganda-Video fordert einer der Dschihadisten: „Zieht auf zum Kampf!“ Der „beste Tod“ sei, in den Feind zu rennen, „ohne rechts und links oder nach hinten zu gucken“.

Die muslimischen Gemeinden und die Stadt wussten offenbar von der Gruppe. Ihr Treffpunkt war eine Moschee im Stadtteil Lamboy. Hier wurden die Männer radikalisiert. Auf FR-Anfrage teilt der hessische Verfassungsschutz mit, die Baraat Moschee werde als „Anlaufstelle der salafistischen Szene“ genutzt. Die Stadt Hanau gab am Freitag bekannt, sie bereite die Schließung der Moschee vor, wegen „baurechtlicher Bedenken“.

Der Sender hr-Info hatte bereits am Freitag über die Salafisten-Gruppe berichtet. Das Polizeipräsidium Südosthessen und die Staatsanwaltschaft Hanau bestätigten, dass in diesem Zusammenhang mehrere Ermittlungsverfahren wegen „Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat“ laufen. Die Salafisten sollen auch bei einem Mitternachtskick in Maintal und an Hanauer Schulen versucht haben, Anhänger zu werben. Maintals Bürgermeister Erhard Rohrbach (CDU) sagt trotz der deutlichen Hinweise, das seien lediglich Gerüchte.

Ein Rückkehrer

Einer der in dem hr-Bericht genannten Männer befindet sich jedoch nicht mehr im sogenannten Heiligen Krieg: Er ist nach Deutschland zurückgekehrt und geht wieder zur Schule. Dem Vernehmen nach ist seine Integration gelungen, und er feiert Erfolge in der Schule, auch weil er dort intensiv betreut wird und die Schulleitung viel Wert auf Prävention legt. Die Frankfurter Rundschau hatte bereits im Oktober 2014 über den Schüler berichtet. Er war auf dem Weg in den Dschihad, seine Eltern konnten ihn aber aus der Türkei zurückholen.

Nach FR-Informationen werben Islamisten in mindestens einer weiteren Moschee und einem Gebetsraum in Hanau um Anhänger. Zudem besteht der Verdacht, dass eine in der Stadt aktive Hilfsorganisation Verbindungen zur salafistischen Szene hat. Darüber hinaus sorgen sich Hanauer Lehrer derzeit um zwei Schülerinnen, die in den vergangenen Monaten radikale Tendenzen gezeigt hätten. Eine davon sei seit drei Wochen nicht mehr in der Schule aufgetaucht.

Laut Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) wusste die Stadt von der salafistischen Gruppierung. Die Moschee hat 2004 eine Baugenehmigung erhalten. Was sich in dem Gebäude abspiele, könne die Stadt nicht kontrollieren. „Wir verlassen uns auf die staatlichen Schutzorgane“, so Weiss-Thiel. Allerdings unterschätze die Stadt Hanau das Thema nicht. Der Dezernent verweist zum Beispiel auf eine Fachtagung im April, die Lehrer und Sozialarbeiter für salafistische Strömungen sensibilisieren sollte.

Mangel an Prävention

Kenner der Hanauer Szene sehen jedoch einen großen Mangel an Prävention. Vor allem fehle es an Angeboten, bei denen direkter Kontakt zu Jugendlichen aufgenommen werde. Die Probleme seien schon lange bekannt, doch Stadt und muslimische Gemeinden seien zu passiv gewesen.

Belhül Yilmaz vom Muslimischen Arbeitskreis sagt zu der Salafisten-Gruppe: „Das sind einzelne, radikale Personen, die nicht zu uns gehören.“ Einige der Männer seien aus Moscheen herausgeworfen worden. Was außerhalb der Gotteshäuser passiere, könnten die Gemeinden nicht kontrollieren. Auch Yilmaz fordert mehr Einsatz gegen Salafismus in Hanau. Die muslimischen Vereine seien bereit, sich einzubringen, und hätten bereits das Angebot gemacht, an die Schulen zu gehen. Dieses sei aber abgelehnt worden.

Nach Angaben des Verfassungsschutzes liegt die Zahl der Salafisten im Raum Hanau im „mittleren bis hohen zweistelligen Bereich“. In der Innenstadt hat die Vereinigung „Die wahre Religion“ schon mehrfach den Koran verteilt. Bereits vor zwei Jahren hatte eine Hilfsorganisation zu einer „Syrien-Gala“ nach Hanau geladen. Hochrangige salafistische Prediger traten auf, darunter Sabri Ben Abda.

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