+
Am Anfang der Louise-Schröder-Straße saniert und modernisiert die BGH einen kompletten Wohnblock.

Hanau Sozialer Wohnungsbau

Günstig ist Mangelware

In Hanau fehlt es an günstigen Wohnungen. Mieteraktivisten kritisieren, dass das die Stadt zu wenig dafür investiere.

Von Gregor Haschnik und Detlef Sundermann

Die Nachfrage ist groß, das Angebot zu klein: In Hanau mangelt es an Sozialwohnungen. Auf der Warteliste der Baugesellschaft Hanau (BGH) stehen derzeit etwa 500 Anfragen, auf jener der Nassauischen Heimstätte 700. Die Zahl der sozial geförderten Wohnungen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. 2003 gab es noch 3223 Sozialwohnungen, 2009 waren es 2748 und aktuell sind es 2280.

Dies geht aus einer Anfrage der Frankfurter Rundschau an die Stadt und die BGH hervor. Die öffentlich geförderten Wohnungen im Bestand der Baugesellschaft wurden demnach von 1600 vor 15 Jahren auf derzeit 1137 reduziert, davon sind 1125 vermietet. Hinzu kommen 74 Wohnungen, die die BGH für Flüchtlinge, Wohnungslose und Obdachlose zur Verfügung stellt, sowie 750 Wohnungen für Empfänger von SGB-II-Leistungen.

Die Stadt Hanau führt den Mangel ausschließlich darauf zurück, dass die öffentliche Förderung für die Sozialwohnungen – die sogenannte Bindungsfrist – abgelaufen ist. Der Ankauf von Belegungsrechten sei nicht in Frage gekommen, weil in Hanau in der dafür vorgesehenen Zeit keine Förderung ausgelaufen sei.

Keine attraktiven Förderprogramme

Zurzeit werden in der Brüder-Grimm-Stadt keine neuen, geförderten Wohnungen gebaut, da es in Hessen „keine attraktiven Förderprogramme“ gebe, sondern nur zinsverbilligte Darlehen, teilt die Stadt mit. Zudem fehlten der Kommune das Geld, auch weil sie durch die sogenannte Fehlbelegungsabgabe kaum Einnahmen erzielt habe. Die Abgabe, die in Hessen 2011 abgeschafft wurde, mussten Mieter zahlen, die auf eine geförderte Wohnung keinen Anspruch mehr hatten, weil sich ihre finanzielle Situation deutlich verbessert hatte.

Die Stadt hat beim Land jetzt beantragt, dass die Mietpreisbremse auch in Hanau eingeführt wird. Die Landesregierung hatte kürzlich eine Liste mit 23 Kommunen veröffentlicht, in denen die Bremse greifen soll. Aus dem Main-Kinzig-Kreis war nur Erlensee dabei. „Hanau gehört zwar zu den günstigeren Städten im Rhein-Main-Gebiet, aber wir nehmen trotzdem einen steigenden Druck war“, sagte Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) am Dienstag im Stadtparlament. Als Hauptgrund nannte Weiss-Thiel einen starken Zuzug.

Weil günstiger Wohnraum in Hanau knapper wird, gibt es auch Kritik an der Baugesellschaft (siehe Interview). Die BGH gebe zu viel Geld für Sponsoring und zu wenig für Wohnungsbau aus, lautet ein Vorwurf. Dabei geht es auch um die Förderung der White-Wings-Basketballer, deren Manager Jens Gottwald ist, der Geschäftsführer der BGH.

Nach eigenen Angaben hat die Baugesellschaft in den vergangenen Jahren Gewinn gemacht: Ende 2011 stand ein Plus von rund 337 000 Euro, 2012 eines von 639 000 Euro. Das Ergebnis basiere auf einem geringeren Leerstand als in der Vergangenheit sowie Einsparungen, etwa beim Zinsaufwand, so die BGH. Die größten Einnahmen seien die Mieten, die größten Ausgaben fielen für Sanierungen an. Die Basketballer habe die BGH in 2012 und 2013 mit jeweils 20 000 Euro gefördert. Insgesamt habe die BGH in diesen Jahren für Sportsponsoring etwa 25 000 Euro ausgegeben, für Kultur 27.000 Euro (2013) sowie 25.000 Euro (2012).

Baugesellschaftschef weist Kritik zurück

Die Kritik am Sponsoring sei „oberflächlich“, sagt Gottwald. Die BGH habe durch die Förderung viele Kontakte zu Mietern und Käufern von Häusern und Wohnungen der BGH geknüpft. Derzeit, so Gottwald, wohnten zwei Basketballer in BGH-Wohnungen „im oberen Preissegment“, während der Saison seien es fünf. „Selbstverständlich“ würden sie dafür Miete zahlen. Von den 20.000 Euro fließe ein großer Teil somit zurück in die BGH-Kasse. Außerdem unterstütze die BGH mit dem Sponsoring ehrenamtliches Engagement, so Gottwald. Er verweist darauf, dass die BGH vor ein paar Jahren „das größte Sanierungsprogramm seit dem Wiederaufbau“ gestartet habe. Gleichzeitig seien die Mieten mit im Schnitt 5,75 Euro (frei finanzierter Wohnraum) und 4,59 Euro (geförderter Wohnraum) günstig geblieben. Diese Preise trügen dazu bei, dass die Hanauer Mieten mit durchschnittlich 7,10 Euro relativ niedriger seien.

Die Quadratmeterpreise reichten von 1,71 Euro in der Heinrich-Zille-Straße bis zu 8,33 Euro in der Johanneskirchgasse. „Es ist richtig, dass eine Sanierung die Kaltmiete etwas erhöht, aber dies lässt sich durch deutlich geringere Nebenkosten ausgleichen“, sagt Gottwald. „Die Anforderungen heute sind viel höher, etwa in Bezug auf Energie. Deshalb müssen wir investieren.“ Das Westkarree hätte nicht mehr saniert werden können, dies hätten auch Gerichtsurteile bestätigt. Der Verkaufspreis habe dem Marktniveau entsprochen. Zudem, so Gottwald „wohnten 90 Prozent der früheren Westkarree-Mieter weiterhin in BGH-Wohnungen.“

In ein paar BGH-Anlagen, darunter die Lothringerstraße und das Hafentor, habe es kleinere Sanierungen, aber noch keine umfassende gegeben, sagt Gottwald. Das habe an der komplexen Problemlage dort gelegen, die sich zum Beispiel aus der Nähe zum Hafen und zu den Gleisen ergibt. Doch in Kürze nehme die BGH die Erneuerung dieser Häuser in Angriff.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare