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Das Kraftwerk Staudinger beschert Großkrotzenburg keine hohen Gewerbesteuereinnahmen mehr. (Archivbild)

Main-Kinzig

Großkrotzenburg soll zu Hanau gehören

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Eine neue Initiative fordert eine offene Debatte um die Eingemeindung von Großkrotzenburg. Am Ende könnte ein Bürgerbegehren stehen.

Nachdem der frühere Landtagsabgeordnete Aloys Lenz (CDU) zunächst in einem Leserbrief angeregt hatte, eine Eingemeindung Großkrotzenburgs nach Hanau zu diskutieren, folgt jetzt der nächste Schritt: Mit dem ehemaligen Gemeindevertreter Hans Kunkel (SPD) hat Lenz die Initiative „Für ein zukunftssicheres Großkrotzenburg“ gegründet, die möglicherweise ein Bürgerbegehren anstreben wird.

Zunächst bittet sie den Vorsitzenden der Gemeindevertretung, in der kommenden Sitzung eine Grundsatzdebatte darüber führen zu lassen, ob angesichts der „desaströsen Haushaltslage“ ein Zusammenschluss mit Hanau bessere Perspektiven bringen könnte. Zudem solle die Gemeinde „verlässliche und belastbare Zahlen“ für die Steuern und Dienstleistungen beider Kommunen vorlegen, damit jeder entscheiden könne, wo er für sich und die nachfolgenden Generationen „die Zukunft gesichert sieht“.

Großkrotzenburg darbt: Früher bescherte das Kraftwerk Staudinger der 7500-Einwohner-Gemeinde riesige Gewerbesteuereinnahmen. Doch diese Zeiten sind vorbei, auch weil nur noch Block fünf im Regelbetrieb läuft. Aktuell kämpft die Kommune mit einem Fehlbetrag von etwa zwei Millionen Euro. Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) will deshalb die Grundsteuer B erneut – auf nun 790 Punkte – anheben und die Gewinnrücklagen der Gemeindewerke anzapfen. Es gebe keinen anderen Ausweg. Zuvor waren schon andere Steuern und Gebühren erhöht worden.

Derweil wächst Hanau und verzeichnet hohe Überschüsse. Die Stadt überschreitet bald die 100 000-Einwohner-Marke, will mehr Aufgaben selbst übernehmen und sich daher zum 1. April 2021 vom Main-Kinzig-Kreis lösen. Der Landtag muss darüber entscheiden. Wird Hanau kreisfrei, wäre Großkrotzenburg – durch die Lage am Main südlich von Hanau – eine Art Enklave, ohne direkte Anbindung an den Kreis.

Kaminsky gesprächsbereit

Der in Großkrotzenburg lebende Lenz, der rund 30 Jahre im Landtag saß, sagt, er sei sicher, das Land würde eine Fusion mit Hanau begrüßen und finanziell unterstützen, wenn die Bürger es wünschten. Er und Kunkel hätten in vielen Gesprächen erfahren, dass die Krotzenburger für das stetige Erhöhen der Steuern und Abgaben kein Verständnis hätten. Das Vertrauen in die örtliche Politik, der Lenz Konzeptlosigkeit vorwirft, sei verloren gegangen. Von einer Fusion verspricht er sich unter anderem viele Synergieeffekte, finanzielle Entlastung und eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Staudinger-Betreiber Uniper. Hanau wiederum hätte mehr Einwohner und damit höhere Zuweisungen.

Die Gemeindevertretung indes sprach sich schon vor Monaten einhellig für eine Eigenständigkeit Großkrotzenburgs aus. Eine Eingemeindung wäre „die schlechteste aller möglichen Zukunftsperspektiven“, sagte SPD-Fraktionschef Uwe Bretthauer und nannte als Beispiel für negative Folgen einer Eingemeindung den heutigen Hanauer Stadtteil Großauheim.

Hanau zeigt sich unterdessen gesprächsbereit. Am Montag schrieb Bürgermeister Bauroth an Hanaus OB Claus Kaminsky (SPD): Wenn es in Großkrotzenburg – ungeachtet der vielen offenen Fragen – ein Quorum für einen Zusammenschluss gäbe, gehörten immer mindestens zwei zu einem solchen Vorhaben. Deswegen wollte er wissen, ob es in Hanau Befürworter gibt. Kaminsky betonte in seiner Antwort die kommunale Selbstverwaltung, nach der es der Gemeinde zustehe, „selbstbestimmt die Frage ihrer kommunalen Zukunft zu entscheiden“. Doch: „Sollte sich das bisherige Meinungsbild in Großkrotzenburg ändern, wären wir selbstverständlich als gute Nachbarn gesprächsbereit.“

Es ist nicht das erste Signal. Kürzlich kritisierte Oliver Rehbein, Fraktionschef der Bürger für Hanau, die Teil der Koalition sind, das kategorische Nein des Großkrotzenburger Parlaments und forderte eine offene, sachliche Debatte.

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