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Aicha Schöll (r.) und ihre Freundin helfen in der Freizeit.

Hanau/Main-Kinzig

Ein Fest für die Helfer

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Stadt und Kreis bedanken sich bei den Haupt- und Ehrenamtlichen für ihre Arbeit in der Notunterkunft. Die Sporthalle war nach einem Einsatzbefehl des Landes am 13. September 2015 innerhalb kürzester Zeit in eine Notunterkunft für 1000 Flüchtlinge umgewandelt worden.

Am Ende gab es stehende Ovationen, der ein oder andere griff nach einem Taschentuch, um die Tränen der Rührung, des Mitgefühls, des Dankes wegzuwischen. Rund 850 Helferinnen und Helfer waren am vergangenen Samstag auf Einladung von der Stadt Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis in die Hanauer August-Schärttner-Halle gekommen, um den Dank der Verwaltung für ihre Arbeit in der Notunterkunft entgegen zu nehmen.

Die Sporthalle war nach einem Einsatzbefehl des Landes am 13. September 2015 innerhalb kürzester Zeit in eine Notunterkunft für 1000 Flüchtlinge umgewandelt worden, knapp 2200 ehren- und hauptamtliche Helfer machten dies gemeinsam mit Soldaten der Bundeswehrmöglich.

Nach der Einstimmung durch ein Video mit Bildern aus der Zeit der Notunterkunft und Dankesworten von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und dem Landrat des Main-Kinzig-Kreises; Erich Pipa (SPD), sprachen zwei Flüchtlinge stellvertretend für all jene, die in Hanau aufgenommen wurden. Rozen und Moutaz Nakkashieh sind mit ihrer Mutter aus Syrien geflohen und mit dem ersten Zug nach dem Einsatzbefehl nach Hanau gekommen.

Geschichte aus der Feder ihres Vaters

Die Geschwister, 28 und 27 Jahre alt, haben ihrem Vater, der momentan in Ägypten lebt, von ihren Erfahrungen in Deutschland erzählt. Ihr Vater, ein Hobbyautor, hat aus diesen Erzählungen eine Geschichte in Ich-Form geschrieben, die die beiden auf Englisch vorlesen. „Nun stehe ich hier und senke meinen Kopf mit Respekt vor dem Brüder-Grimm-Denkmal in Hanau und sage zu den Brüdern Grimm: Würdet ihr mir erlauben, für meine Enkel Geschichten über großartige Menschen zu schreiben, die Menschen lieben und die es lieben, ihnen Hilfe anzubieten?“, heißt es an einer Stelle der Geschichte.

Den beiden, beim Vortragen sichtlich bewegten, jungen Syrern gilt der Beifall und ihnen gelten die Tränen der Rührung und sie kommen von den Helfern, denen mit diesen Worten genauso gedankt wurde, wie mit der Verleihung der Bürgerplakette durch Stadt und Landkreis.

„Warum sollte man nicht helfen?“

Eine von ihnen ist Corinna Stichel. Die 30-Jährige arbeitet für das Deutsche Rote Kreuz als Dozentin für Gesundheitsberufe. Sie findet es schön, dass ihr von offizieller Seite gedankt wurde, aber: „Viel schwerer wiegt noch die Dankbarkeit der Menschen, denen man hilft und zu denen man Freundschaften aufgebaut hat.“ Auf die Frage, warum sie helfen wollte, antwortet sie mit einer Gegenfrage: „Warum nicht?“ Es gebe in ihren Augen keinen Grund, nicht zu helfen, so Stichel.

Das sieht auch Aisha Schöll so. Die 40-jährige gebürtige Marokkanerin lebt schon lange in Hanau und arbeitete als Freiwillige erst in der August-Schärttner-Halle und nun in der kommunalen Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen US-Kaserne Sportsfield Housing. An 14 Tagen im Monat übersetzt sie vom Arabischen ins Deutsche und umgekehrt. Sie begleitet die Flüchtlinge zum Arzt und zum Amt und hat schon oft die Dankbarkeit der Menschen gespürt: „Ich bin ja quasi ihr Sprachrohr“, sagt sie. „Sie brauchen mich und der beste Dank sind strahlende Gesichter, wenn ich den Menschen helfen konnte“, so Schöll weiter. Da sei auch die Anstrengung der ehrenamtlichen Arbeit neben ihrem Job im Krankenhaus und in der Familie mit den zwei kleinen Kindern wie weggeblasen.

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