Nidderau

Erster Stadtrat gesucht

  • Jochen Dietz
    vonJochen Dietz
    schließen

Monika Sperzel hört auf.

Offiziell ist die Stelle ausgeschrieben, inoffiziell steht fest, dass der künftige Erste Stadtrat Nidderaus ein grünes Parteibuch haben könnte. Denn die Grünen haben das Vorschlagsrecht für den zweiten hauptamtlichen Magistratsposten im Rathaus. Das ist in der Koalitionsvereinbarung festgeschrieben. Genossen und Grüne wollen ihre bisherige Stadtparlaments-Koalition fortsetzen.

Die Amtszeit der bisherigen Ersten Stadträtin, Finanz-, Sozial-, Nahverkehrs- und Umweltdezernentin Monika Sperzel (SPD) endet mit dem 31. Mai nach sechseinhalb Jahren. Die 58-Jährige war auf Bitten des Magistrats in die Verlängerung gegangen. Eigentlich endete ihre Amtszeit bereits Ende November 2015. Es galt aber noch Wichtiges abzuarbeiten, wie den genehmigungsfähigen Haushalt oder die Bewältigung der Flüchtlingsunterbringung und -betreuung.

Wen die Grünen für einen künftigen ersten Stadtrat im Auge haben, wollen sie nicht verraten. „Wir haben da gewisse Vorstellungen“, so der Nidderauer Grünen-Vorsitzende Walter Heidrich, der sich aber sonst sehr bedeckt hält.

„Die Koalitionäre haben vereinbart, keine Namen zu nennen“, sagt der neue SPD-Fraktionschef Andreas Bär. Morgen werden die SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag abstimmen, doch er sehe dabei keinerlei Probleme. „Jetzt sind die Grünen am Zuge.“ Am kommenden Samstag solle der neue Koalitionsvertrag gemeinsam vorgestellt werden. Auch Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) will sich nicht äußern und überlässt die Personalie ganz dem Koalitionspartner. „Im Mai erwarten wir die Bewerbungen auf die Ausschreibung“ lässt er sich entlocken.

Bestelltes Feld und solide Finanzen

Sie hinterlasse ein bestelltes Feld und solide Finanzen, sagt die scheidende Erste Stadträtin überzeugt. „Der Haushaltsplan wurde genehmigt, es gab keinerlei bedeutenden Einschnitte“, zieht sie Bilanz. Bereits fürs laufende Jahr schreibe man in Nidderau eine schwarze Null, sogar mit leichtem Überschuss. Auch die Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr aus den Anliegergemeinden der Niddertalbahn, der sie vorsaß, komme jetzt mit Blick auf die Verbesserung der Bahnstrecke ins Rollen. Auch der Bürgerbus startet Anfang Juni in den Testbetrieb. Im Abfallbereich sei Nidderau inzwischen so gut aufgestellt, dass man über eine Müllgebührensenkung nachdenken solle. Das werde sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben.

Sperzel, die ursprünglich aus Butzbach kam und für den Bundesrechnungshof arbeitete, will der hauptamtlichen Politik den Rücken kehren, sich aber weiter ehrenamtlich engagieren. Seit zwei Jahren ist sie Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen Gemeinschaft der Kommunalpolitiker, seit vergangenem Freitag Beisitzerin in deren Bundesvorstand. Hier kümmert sich die ausgewiesene Finanzexpertin besonders um kommunale Finanzen, etwa mit Blick auf Asylpolitik. Auch werde sie weiter der Bürgerstiftung sowie der Seifried-Stiftung verbunden bleiben.

Sie gehe mit „zwei weinenden Augen“. „Ich habe sehr viel für und mit den Senioren gemacht. Das wird mir fehlen.“

Mehr zum Thema

Kommentare