Hanau

Eine wachsende Stadt

Um attraktiv zu bleiben, müssen Städte ein Gesamtkonzept haben. Dies betonte Architekt und Stadtentwickler Albert Speer beim Jahresempfang der Stadt Hanau.

Von Sebastian Meineck

Einige Zeit habe man geglaubt, mit dem Internet werde es keine Innenstädte mehr geben. Die Leute würden ihr Leben vom Computer aus bestreiten. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagte Architekt und Stadtentwickler Albert Speer beim Jahresempfang der Stadt Hanau vor etwa 700 Gästen. Die Menschen würden noch immer die Nähe und persönliche Begegnung in der Stadt suchen, sagte Speer. Um attraktiv zu bleiben, müssten Städte aber ein Gesamtkonzept haben. „Das hat Hanau in den letzten Jahren hervorragend gemacht“, fasste Speer zusammen.

Dabei blickte der 80-jährige Star-Architekt auf die umfangreichen Neu- und Umbauarbeiten, die Hanau in den letzten Jahren erlebt hat. „Was denkt ihr euch eigentlich dabei?“, zitierte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) einen Hanauer Bürger, der sich jüngst auf der Straße bei ihm über die Baustellen beschwert habe. In seiner Rede lobte Speer die Bauvorhaben als „hervorragendes Beispiel“ für nachhaltige Stadtentwicklung. Die sei deshalb gelungen, weil sie Stimmen vieler Bürger, Investoren und Institutionen in die Entwicklung einbezogen habe und einem einheitlichen Konzept folge.

Weiterbauen nach 2015

„Die Richtung stimmt“ – so fasste Claus Kaminsky die große Zahl der städtischen Umbauarbeiten zusammen. Auch wenn nicht jeder Bürger jedes einzelne Projekt gutheiße.

Im nächsten Jahr soll das Mammutprojekt „Forum Hanau“ auf dem Freiheitsplatz abgeschlossen sein. Beim Richtfest vergangene Woche hatte der Hanauer Stadtentwickler Martin Bieberle betont, die Stadt müsse sich auch danach weiter dem Wettbewerb im Rhein-Main-Gebiet stellen. Diesen Plan bekräftigte Kaminsky und sprach von gezielten Investitionen in die Infrastruktur. Das betreffe auch Schulen und Kindertagesstätten. In diesem Zusammenhang nannte Kaminsky auch die seit dreißig Jahren geplante Nordmainische S-Bahn.

„Wenn die Nordmainische S-Bahn da wäre“, sagte Speer seinen Hanauer Zuhörern, „wären die Konversionsflächen der Stadt noch weit schneller vermarktet, als Sie sich vorstellen können.“ Hanau sei schon jetzt ein attraktiver Ort für das Rhein-Main-Gebiet und werde weiter wachsen.

Großstadt-Träume

Aktuell habe die Stadt nach Angaben Kaminskys etwa 92 500 Einwohner, das seien rund 4600 mehr als vor vier Jahren. „Ich rechne mit der Überschreiten der 100 000-Einwohner-Marke Mitte des nächsten Jahrzehnts“, sagte Kaminsky. Das ist die Marke, die eine Stadt braucht, um zur Großstadt zu werden – ein Jahresempfang mit Großstadt-Träumen.

Und doch wachsen die Städte in Europa langsam, wie Speer erklärte. Das liege an ihrer Geschichte. Manche Städte würden sich immer noch an Jahrhunderte alte Grundrisse halten. Auf diese Weise würden sich die Städte aber auch so manches Verkehrschaos ersparen, das zum Beispiel in explosionsartig gewachsenen Megacitys herrscht.

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