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In die Underwood-Kaserne in Hanau könnten städtische Betriebe ziehen.

Hanau/Langen

Buhlen um Paul-Ehrlich-Institut

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Hanau wirbt um das renommierte Paul-Ehrlich-Institut, das bislang noch in Langen (Kreis Offenbach) angesiedelt ist. Es könnte auf eine US-Brache am Hauptbahnhof ziehen.

Hanau ist Hessens größter Konversionsstandort: Hier sind seit dem Abzug der US-Armee im Jahre 2008 etwa 340 Hektar Fläche frei geworden. Fast alle Areale wurden bereits oder werden gerade umgewandelt. Bald möchte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die alle früheren US-Militärflächen vermarktet und dabei mit der Stadt Hanau zusammenarbeitet, die beiden letzten größeren Gelände verkaufen: die 38,5 Hektar große Großauheim-Kaserne sowie die benachbarte 6,1 Hektar große Underwood-Kaserne.

Die Verkäufe könnten weitreichende Folgen haben: Bei der Underwood-Kaserne prüfe die Stadt Hanau, ihr Vorkaufsrecht zu nutzen und die städtischen Betriebe sowie den Bauhof, die derzeit am Hauptbahnhof angesiedelt sind, dorthin zu verlagern, sagt OB Claus Kaminsky (SPD). Die städtische Bauprojekt-GmbH könnte die Kaserne entwickeln und dort auch einen neuen Wertstoffhof errichten. Gleichzeitig wirbt die Stadt nach gesicherten Informationen der FR darum, das renommierte Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – das nach einem neuen Standort für einen modernen Neubau sucht – von Langen nach Hanau zu holen. Wird der Underwood-Plan verwirklicht, gibt es einen freien Platz auf dem Areal in Bahnhofsnähe, in der Daimlerstraße. Auf Anfrage bestätigt Kaminsky die Pläne und Bemühungen nicht, dementiert sie aber auch nicht.

Die 98 000-Einwohner-Stadt dürfte gute Chancen haben, auch weil die infrage kommenden Flächen zentral liegen und sehr gut ans Verkehrsnetz angebunden sind. Das gesamte Hauptbahnhofumfeld soll in den nächsten Jahren aufgewertet werden, unter anderem sollen hier neue Parkhäuser, Läden und ein Hotel entstehen. Außerdem hat sich die Stadt in den vergangenen Jahren als Forschungsstandort profiliert. Zu Konzernen wie Heraeus, der auch in der Medizintechnik aktiv ist, kamen Einrichtungen wie die Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie hinzu.

Eine Sprecherin des PEI bestätigt die Suche nach einem neuen Standort und dass dieser im Rhein-Main-Gebiet liegen soll. Das Institut dürfe solche Präferenzen äußern, die Entscheidung liege aber bei der BImA sowie beim Bundesgesundheitsministerium. Weitere Angaben könne sie nicht machen. 

Über die Pläne des PEI hatte Michael Frieser, Leiter der Abteilung Verwaltung, 2017 im Jahresbericht des Instituts geschrieben, dass technische Gebäude eine begrenzte Lebenszeit hätten. Jene des PEI laufe in etwa acht Jahren ab, weil Technik, Energieeffizienz und räumliche Aufteilung nicht mehr auf dem modernsten Stand seien. Derzeit sind hier etwa 800 Mitarbeiter tätig.

Von der BImA, laut Gesundheitsministerium die „Herrin des Verfahrens“, war am Donnerstag keine Stellungnahme zu bekommen. Wie der Langener Wirtschaftsförderer Joachim Kolbe erklärte, sucht die Bundesanstalt im Umkreis von etwa 30 Kilometern um Langen – und hat eine ganze Reihe von Bewerbungen.

Langen will den großen Arbeitgeber natürlich nicht verlieren und hat sich im Rahmen des offiziellen Standorterkundungsverfahrens der BImA ebenfalls beworben. „Wir haben im Frühjahr Standortvorschläge gemacht, von denen wir glauben, dass sie gut sind“, sagt Kolbe. „Wir warten aber noch auf das Ergebnis, wer in die Endauswahl kommt.“ Seiner Meinung nach stehen die Chancen, das Institut in der Stadt zu halten, nicht schlecht. Schließlich gebe es zwischen Unternehmen und Kommune ein mit den Jahren gewachsenes Vertrauen – „von der Bauverwaltung bis hin zur Feuerwehr“.

Als Bundesbehörde zahlt das Institut zwar keine Gewerbesteuer, doch die hochqualifizierten Mitarbeiter sind gut bezahlt und bringen der Stadt Einnahmen aus der Einkommenssteuer. „Das Institut ist für uns aber auch Reputation und trägt den Namen Langen in die ganze Welt.“

Diese Hoffnung hegt offenbar auch Hanau – und treibt parallel die Konversion voran: Für die Großauheim-Kaserne, die in der Nähe von Wohngebieten liegt, soll es aktuell mehrere Interessenten geben. Vor zwei Jahren hatte sich eine große Logistikfirma beworben. Stadt und BImA einigten sich aber darauf, das Angebot auch wegen der Verkehrsbelastung abzulehnen. Der Stadt schwebe eine Gewerbeansiedlung mit „angemessener Arbeitsplatzdichte“ und „wenig Emissionen“ vor, heißt es.

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