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20 Jahre südmainische S-Bahngeschichte werden auf den Tafeln nachgezeichnet.

Hanau

Brücken-Panne zu Beginn

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Vor 20 Jahren ist der S-Bahn-Anschluss eröffnet worden. Bei einer Ausstellung im Stadtladen besteht die Möglichkeit, einen Blick zurück zu werfen.

Am Hanauer Hauptbahnhof einsteigen und ohne umzusteigen 26 Minuten später an der Frankfurter Zeil ankommen: Was heute selbstverständlich erscheint, war es bis vor 20 Jahren nicht. Erst seit 1995 sorgen die S-Bahn-Linien 8 und 9 für eine direkte Verbindung von Hanau in die Region.

Die Stadt Hanau hat zum 20-jährigen Bestehen der S-Bahn eine kleine Ausstellung zur Geschichte im Foyer des Stadtladens organisiert. Pressesprecher Joachim Haas-Feldmann hat die Texte dazu erarbeitet, Frank Winter vom städtischen Reprocenter hat die neun Ausstellungstafeln gestaltet.

Rund zwei Monate hat Haas-Feldmann im Stadtarchiv recherchiert. „Vor allem Zeitungsausschnitte waren noch vorhanden, aber auch ein Info-Prospekt der Bahn zu der Brückenkonstruktion fand sich in der Sammlung“, sagt er. Nach einem Aufruf der Stadt meldete sich zudem der Steinheimer Kurt Daube und steuerte seine Fotos von den Bauarbeiten bei. Herausgekommen ist ein Überblick von den ersten Debatten über einen S-Bahn-Anschluss 1989 bis zur Einführung der neuen Züge der Baureihe ET430 im vergangenen Jahr.

Hürden zu nehmen

Pünktlich zum Fahrplanwechsel 1995, dem 28. Mai, gingen die südmainischen S-Bahn-Linien in Betrieb. Bis es so weit war, mussten einige Hürden genommen werden, etwa der Bau einer Bahnbrücke bei Steinheim über den Main. Da das Wasser- und Schifffahrtsamt keine Stützpfeiler im Fluss genehmigte, entschieden sich die Planer für eine 1400 Tonnen schwere Stabbogen-Brücke. Diese wurde auf der Steinheimer Uferseite gebaut und sollte am 7. November 1992 durch eine niederländische Spezialfirma auf Pontons „einschwimmen“ und um 90 Grad in ihre endgültige Position gedreht werden. Eine damals neue Methode, die für überregionales Interesse sorgte. Doch Planungsfehler verhinderten das Vorhaben zunächst. „Lange Gesichter beim ‚Einschwimmen‘ der S-Bahn-Brücke“ titelte die Frankfurter Rundschau damals.

Auch der Steinheimer Ortsvorsteher Klaus Romeis (CDU) erinnert sich: „Zum Einschwimmen waren mehrere tausend Zuschauer auf beiden Seiten des Mains – und auf einmal ging es nicht weiter mit dem Eindrehen.“ Zuerst blieb ein Ponton an der Spundwand hängen, später lief er auf Grund.

Erst am folgenden Tag, dann mit weit weniger Schaulustigen, konnte das umgerechnet 3,5 Millionen Euro teure Bauwerk an seinen Platz gebracht werden.

Promi-Zug

Drei Jahre später, am 23. Mai, fuhr ein „Promi-Zug“ mit der damaligen Oberbürgermeisterin Margret Härtel (CDU), ihrem Offenbacher Amtskollegen Gerhard Grandtke (SPD) und Innenminister Manfred Kanther (CDU) die Strecke, am 27. Mai durften die Bürger bei einem Festtag die Strecke erstmals testen.

„Durch den S-Bahn-Bau wurde Hanaus Hauptbahnhof barrierefrei“, sagt Haas-Feldmann, ein Fahrstuhl wurde zum Bahnsteig gebaut. Die Linien S8 und 9 seien die am stärksten frequentierten Linien im Rhein-Main-Verkehrsverbund, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und damit auch der beste Beleg für den Bau einer nordmainischen Strecke. „Ich hoffe, dass es nicht weitere 20 Jahre braucht, bis wir die nordmainische S-Bahn eröffnen“, sagt er.

Von Steinheim direkt nach Frankfurt zu kommen, sei eine tolle Sache, sagt Romeis, Steinheim sei dadurch attraktiver geworden. „Allerdings sollte sich nach 20 Jahren an der Tarifstruktur etwas ändern“, sagt der Ortsvorsteher: Von Steinheim nach Frankfurt koste eine Karte zu den Hauptzeiten 8,10 Euro, eine Station weiter, von Dietesheim aus, nur noch 4,55 Euro. „Da nutzen viele lieber das Auto, um nach Dietesheim zu fahren“, sagt er.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Juni im Stadtladen, Am Markt 14, zu sehen.

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