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Deutsch ist für Flüchtlinge mit ein Schlüssel zu Ausbildung und Beruf, hier ein Kurs mit Anja Bothe, AK Asyl Maintal.

Hanau

„Betriebe sind grundsätzlich bereit“

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Die IHK sieht eine Herausforderung bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Es gibt in den Betrieben grundsätzlich eine Bereitschaft, Flüchtlinge zu beschäftigen oder auszubilden.

Integration junger und erwachsener Flüchtlinge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt stellt die hiesigen Unternehmen vor Herausforderungen, heißt es von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern auf Anfrage. Sprachprobleme und Unterschiede in den Bildungssystemen machten einen kurzfristigen Einstieg fast immer unmöglich, heißt es.

„Es gibt in den Betrieben grundsätzlich eine Bereitschaft, Flüchtlinge zu beschäftigen oder auszubilden“, sagt IHK-Sprecher Achim Knips. Nachwuchs in den Ausbildungsberufen werde dringend benötigt. Denn der Trend, dass Jugendliche bevorzugt das Abitur machen, um später zu studieren, halte an. Im Vorjahr hatten Arbeitsagentur Hanau und IHK beklagt, dass zunehmend Abitur und Hochschulabschlüsse angestrebt würden, gleichwohl nicht wenige junge Leute dem dortigen Leistungsanspruch kaum gewachsen, diese aber gute Kandidaten für einen Lehrberuf seien.

Laut IHK müssten die beruflichen Qualifikationen von Schutzsuchenden bereits bei der Registrierung stärker erkundet werden. Es sei ungünstig, wenn etwa ein Ingenieur mit einem einfachen Arbeiter in einem Sprach- und Integrationskurs sitzt, bemerkt Knips. Die zu späte Differenzierung trage zu Verzögerungen beim Berufseinstieg bei, wenn die Aufenthaltserlaubnis vorliegt.

Über die Einstellung von Flüchtlingen hat die IHK Firmen- und Personalchefs in drei Veranstaltungen im November und Dezember informiert, voraussichtlich wird es im Februar einen weiteren Termin geben, heißt es. Ein Konzept zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt besitzt die IHK noch nicht, sagt Knips. „Es gibt weder einen Plan A oder B, auch deshalb nicht, weil sich die Gesetzeslage ständig ändert und wir pausenlos nachjustieren müssten“, so Knips.

Ganz mit leeren Händen steht die Kammer nicht da. Praktikumsplätze, „für die werben wir“, heißt es. Praktika könnten den Flüchtlingen eine berufliche Orientierung geben sowie helfen, die Deutschkenntnisse und Integration durch direkte Teilhabe zu verbessern.

Praktikum als Einstieg

Praktika gelten auch bei der Agentur für Arbeit in Hanau als ein wirksames Instrument zur Eingliederung. Hierzu soll etwa das Programm „Perspektiven für Flüchtlinge“ beitragen. Es bietet ein sechs wöchiges Praktikum und einen ebenso langen Kurs, in dem es rund um Ausbildung und Arbeit geht, etwa über die Rechte und Pflichten eines Arbeitnehmers.

Am Ende erfolge eine Kompetenzbewertung, um den passenden Beruf zu finden, so Marie-Christine Junker, Bereichsleiterin bei der Agentur. „Idealerweise haben die Teilnehmer zuvor einen Sprach- und Integrationskurs absolviert“, den finanziert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nach einem erfolgreichen Asylbegehren. So ein Kurs dauert jedoch 660 Stunden.

Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien und unbegleitete Minderjährige können seit diesem Schuljahr die Intensivklassen „Integration und Abschluss“ (InteA) an beruflichen Schulen besuchen. An der Ludwig-Geißler-Schule gibt es sechs Klassen, heißt es. Allerdings ist InteA auch für junge Leute im Alter von 18 bis 21 Jahren aus Zuwanderer- oder Spätaussiedlerfamilien zugänglich.

Die von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) geforderte Residenzpflicht für Asylbewerber, findet bei der IHK keine Zustimmung. „Ich kann mir auf Dauer keine schlechtere Idee vorstellen“, bemerkt Knips. Auch Flüchtlinge müssten sich dort niederlassen können, wo es Arbeitsplätze gibt. „Es ist schwierig diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wenn sie im ländlichen Raum wohnen mit schlechter ÖPNV-Anbindung“, heißt es hierzu von der Arbeitsagentur. Dieses Problem haben aber nicht nur Flüchtlinge, sagt Junker.

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