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Auch in Bad Orb steigt die Zahl der Bewohner.

Main-Kinzig

Auch ländliche Gemeinden auf Wachstumskurs

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Eine Studie bescheinigt vielen Kommunen im Main-Kinzig-Kreis eine überdurchschnittlich positive Entwicklung.

Jossgrund – ein schöner, aber recht abgelegener 3500-Einwohner-Ort im Spessart – kämpfte lange damit, dass er stark schrumpfte. Doch in den vergangenen beiden Jahren stieg die Zahl der Bürger leicht, um immerhin ein Prozent. „Wir haben die Trendwende geschafft“, sagt Bürgermeister Rainer Schreiber (parteilos). Zu den Erfolgsfaktoren zählt er Fortschritte beim Nahverkehr, etwa ein Anrufsammeltaxi und die Initiative „Bürger fahren Bürger“, sowie die Versorgung vor Ort mit Supermärkten, Bäckern, Breitband-Internet, Haus- und Zahnarzt. Und nicht zuletzt profitiert Jossgrund von den hohen Immobilienpreisen im Rhein-Main-Gebiet. In der Gemeinde kostet der Quadratmeter Grundstück um die 50 Euro – was auch Leute aus dem Raum Frankfurt und Hanau anlockt.

In der jüngsten Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zur Entwicklung von Kommunen spiegelt sich diese Tendenz noch nicht wider, weil die Untersuchung sich auf den Zeitraum von 2011 bis 2016 bezieht.

Doch der aktuelle Aufwärtstrend in Jossgrund bestätigt den Aufschwung, den der Main-Kinzig-Kreis in den vergangenen Jahren insgesamt erlebt hat. Die Untersuchung, die von der IHK ausgewertet wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass 22 der 29 Main-Kinzig-Kommunen „wachsen“ oder – im bundesweiten Vergleich – „überdurchschnittlich wachsen“. Gegenüber dem Untersuchungszeitraum 2003 bis 2008 hat sich die Zahl der „schrumpfenden“ Kommunen von zehn auf vier reduziert: Birstein, Flörsbachtal, Rodenbach - und auch Jossgrund, dessen derzeitige Entwicklung noch nicht berücksichtigt ist. Auch in ländlichen Gemeinden wie Ronneburg, Biebergemünd, Bad Orb oder Brachttal entwickeln sich die Bevölkerungszahlen positiv.

Primus im Main-Kinzig-Kreis ist Erlensee

Das Institut betrachtet in den Kommunen auch andere Faktoren und vergleicht sie, etwa die Arbeitslosigkeit, die Zahl der Erwerbsfähigen, der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und das Gewerbesteueraufkommen pro Kopf. Bei den sozialversicherungspflichtigen Stellen werden 17 Kommunen in eine der beiden Wachstumskategorien eingeordnet, beim Abbau der Arbeitslosigkeit und beim Gewerbesteueraufkommen sind es 15. Problematisch sieht es bei der Zahl der Erwerbsfähigen aus: 15 Kommunen verzeichnen einen Rückgang, ein Hinweis auf Fachkräftemangel.

Der Primus im Kreis ist die 14 000-Einwohner-Kommune Erlensee. Der Pfeil zeigt bei der Stadt in fast allen Kategorien steil nach oben. Bürgermeister Stefan Erb (SPD) führt dies auf harte Arbeit, einen gemeinsamen politischen Willen und das Nutzen von Chancen zurück: Mehrere neue Bau- und Gewerbegebiete wurden ausgewiesen, das Stadtbild aufgewertet. Der Trend dürfte sich fortsetzen, auch dank der Projekte auf dem ehemaligen Fliegerhorst-Areal, wo die Großmetzgerei Brandenburg ihre neue Zentrale errichtet.

Gunther Quidde, Hauptgeschäftsführer der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, sieht mehrere Gründe für das Wachstum im Kreis, darunter den Zuzug aus dem teuren Zentrum des Rhein-Main-Gebietes, den vom Kreis betriebenen Breitband-Ausbau und die allgemein gute wirtschaftliche Situation. Er geht davon aus, dass weitere Kommunen im Ostkreis zulegen werden. Zum Beispiel Schlüchtern, das er für die neuen Baugebiete und die Stadtentwicklung lobt. Gleichzeitig fordert Quidde besonders für die ländlichen Regionen weitere Fortschritte bei der Infrastruktur, damit der Aufschwung anhält beziehungsweise der Rückstand aufgeholt wird: eine bessere Verkehrsanbindung, schnelleres Internet sowie ein lückenloses, leistungsstarkes Mobilfunknetz.

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