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Abgründe hinter gutbürgerlicher Fassade

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Das Buch für eine ganze Stadt: Der Roman „angerichtet“ des niederländischen Schriftstellers Herman Koch ist die Schwerpunkt-Lektüre bei der Lesewoche „Hanau liest ein Buch“ im August.

Ein Familiendrama, das bei einem noblen Abendessen im Spitzenrestaurant aufbricht – darum dreht sich der preisgekrönte Bestseller „angerichtet“ des niederländischen Schriftstellers Herman Koch. Der im August 2010 in Deutschland beim Verlag „Kiepenheuer & Witsch“ erschienene Roman wird 2011 im Mittelpunkt von „Hanau liest ein Buch“ stehen. Bei dieser Lesewoche wird traditionell von verschiedenen Leuten an verschiedenen Orten in der Stadt ein literarisches Werk vorgestellt und diskutiert.

Einen ersten Vorgeschmack auf die diesjährige Lektüre gibt am Donnerstag, 3. Februar, um 19 Uhr Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) beim „Anlesen“ im Congress Park. Bei diesem Termin können sich auch Vorleser oder Veranstalter melden, die an der eigentlichen Lesewoche vom 19. bis 28. August teilnehmen wollen.

Um den passenden Stoff für „Hanau liest ein Buch“ zu finden, hatte die Stadtbibliothek die Hanauerinnen und Hanauer aufgerufen, ihre Lieblingswerke vorzuschlagen. Insgesamt 60 Titel wurden genannt, sagt Büchereileiterin Beate Schwartz-Simon, „ergänzt mit zum Teil sehr engagierten und ausführlichen Begründungen“. Die Entscheidung, welches Buch im Sommer in der Stadt gelesen werden soll, traf dann eine Jury, der sie angehörte. Ihr zur Seite saßen die Schulleiterin und SPD-Stadtverordnete Claudia Borowski, Initiatorin der Reihe in Hanau sowie die Buchhändler Doris Hartmann und Dieter Duasien.

Vorschlag von Elisabeth Huhn

Sie prüften sämtliche Vorschläge und wählten mit „angerichtet“ schließlich den Wunsch von Elisabeth Huhn von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus. Die Mitglieder der MS-Gruppe Hanau und Umgebung beteiligen sich seit 2005 regelmäßig an der öffentlichen Leseaktion, die in diesem Jahr zum vierten Mal veranstaltet wird.

Kochs Roman „angerichtet“ zeichnet sich nach Ansicht der Jury durch „eine besondere literarische Qualität aus“ und sei „ gleichzeitig spannend zu lesen“. Eine kurze Inhaltsangabe: Zwei Brüder treffen sich zusammen mit ihren Frauen in einem teuren Restaurant. Bei Ziegenkäse und Lammbries halten sie zunächst Small Talk, reden über Urlaubspläne, Filme und Biofleisch – und vermeiden dabei peinlich das eigentlich drängende Thema, die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Denn die beiden Halbwüchsigen haben etwas Furchtbares getan, das ihre Zukunft für immer ruinieren kann: Sie haben eine Obdachlose ermordet. Das Video steht jetzt im Internet, die beiden Täter sind wohl nicht darauf zu erkennen. Sehr gut aber ist zu sehen, dass sie einen Heidenspaß bei ihrer grauenhaften Tat hatten. Paul Lohmann, der Erzähler und Vater von Michel, wäre bereit, sehr weit zu gehen, um seinem Sohn zu helfen.

Während des Essens brechen schwelende Konflikte zwischen den beiden Vätern auf, Abgründe werden hinter der Fassade gut situierten Bildungsbürgertums sichtbar. „Das Thema bietet Diskussionsstoff. In die Gedanken und Schwierigkeiten der Figuren werden sich viele Leserinnen und Leser hineinversetzten können“, sagt Beate Schwartz-Simon, „wichtige Kriterien für ein Buch, das eine ganze Stadt lesen soll“.

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