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Viele Militaria werden gezeigt, aber nicht in einen gesellschaftspolitischen Zusammenhang gestellt, kritisiert die Friedensplattform.

Ausstellung Schloss Philippsruhe Hanau

"Skandalöse" Weltkriegsausstellung

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Auch die Friedensplattform kritisiert die Darstellung der Novemberrevolution im Historischen Museum Schloss Philippsruhe in Hanau. Der Kurator weist die Vorwürfe zurück.

Die Kritik an der Ausstellung „Hanau in feldgrauer Zeit – Zusammenbruch und Revolution 1918“ in Schloss Philippsruhe nimmt zu. Die Hanauer Friedensplattform bezeichnet die Darstellung der Ereignisse als Skandal. Die Präsentation sei alles andere als differenziert, erklären Doris Werder, Erich Ehmes und Heinz Leipold. Ihre 2001 gegründete Initiative setzt sich für Abrüstung und gegen Rüstungsexporte ein.

Am schärfsten kritisieren sie den Abschnitt über die Novemberrevolution 1918: Die Freikorps, die Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordeten, würden auf den Tafeln „verharmlosend als ,teilweise reaktionär‘“ charakterisiert. Dabei seien sie Vorläufer faschistischer Organisationen. Die Korps hätten auch in Hanau die Revolution niedergeschlagen – wozu die Ausstellungsmacher schrieben, „Ruhe und Ordnung“ seien wiederhergestellt worden.

Die Ziele und Errungenschaften der Revolutionäre würden in der Schau nicht erwähnt. Stattdessen sei nur von einem Mob die Rede, der auf der Straße gewütet hätte. Doch Hanau sei eine Bastion der revolutionären Bewegung gewesen. Das gehe etwa aus Werken der Historiker Judit Pákh und Hartfried Krause hervor. Die große Mehrheit der Soldaten und Arbeiter habe 1918 ein sofortiges Kriegsende, die Abschaffung des für den Krieg verantwortlichen Kaiserreiches und demokratische Strukturen gefordert.

Die Schau – ein Kooperationsprojekt des städtischen Historischen Museums und des Geschichtsvereins – präsentiert unter anderem Fotos, Waffen sowie Lebensläufe von Militärs und ist noch bis 27. Januar zu sehen. Sie ist der dritte und letzte Teil einer Reihe, die sich vor allem mit der Zeit von 1914 bis 1918 beschäftigt. Die FR hatte bereits von kritischen Stimmen dazu berichtet, auch die Autorin und frühere FR-Redakteurin Ilse Werder sieht die Revolutionäre diskreditiert.

Während etwa das Lippische Landesmuseum Detmold mit der Ausstellung „Revolution! Lippe 1918“ den demokratischen Aufbruch feiere, leiste sich Hanau eine „zutiefst provinzielle, rückwärtsgewandte, den Militarismus verherrlichende Ausstellung“. Statt hervorzuheben, was die Revolution hervorgebracht habe, etwa eine parlamentarischen Republik und das Frauenwahlrecht, bemängelt die Friedensplattform.

Zudem würden Bataillone gelobt. So ist zu lesen, es sei den Reserve-88ern gelungen, „allen schweren Angriffen der Franzosen zu trotzen“ und ihre eigene Stellung auszubauen. Ein Plakat zeige ohne kritische Einordnung einen 17-Jährigen in Uniform.

Eine am Freitag gestellte Anfrage zu der Kritik hat die Stadt Hanau noch nicht beantwortet. Der auf Militär spezialisierte Lokalhistoriker und Kurator Jens Arndt hatte Vorwürfe bereits zurückgewiesen: Weder wolle er das Militär verherrlichen noch die Leistungen der Revolution verunglimpfen. Aus Platzgründen habe er einige positive Aspekte kaum unterbringen könne, thematisiere sie aber in seinen Führungen. Zudem gebe es ein großes Rahmenprogramm mit Vorträgen dazu. In der Phase, die in der Ausstellung vorkommt, hätten aber tatsächlich Randalierer die Lage geprägt. Weil die Texte auf den Tafeln gekürzt seien, könne es bei der Interpretation zu Missverständnissen kommen. Doch schon der Raum, der sich den vielen Gefallenen widme, zeige, dass die Schau Krieg ganz und gar nicht verharmlose.

Die Friedensplattform fordert von der Stadt, dass „sie diese einseitige Darstellung nicht so stehen lässt“, sondern die Geschichte der Hanauer Arbeiter- und Friedensbewegung würdigt. Das Museum habe einen „reichen Schatz“ an entsprechendem Material und sollte ihn „endlich öffentlich zeigen“. Das Dokumentationszentrum Hanauer Militärgeschichte, das in Wolfgang entstehen soll, lehnt die Plattform ab – weil sie auch hier eine Verzerrung der Historie befürchtet. Die Stadt dürfe dafür nicht wieder wie bei der Ausstellung Geld und Räume zur Verfügung stellen.

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