Am ungefährlichsten ist Feuwerk auf freien Plätzen.
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Am ungefährlichsten ist Feuwerk auf freien Plätzen.

Böllerverbot an Silvester

Gesetz ohne Kontrolle

Feuerwerk und historische Gebäude vertragen sich nicht. Und wer sich nicht dran hält, wird bestraft. Doch dazu müsste das erst mal jemand kontrollieren - zum Beispiel in Hanau.

Von Andreas Zitzmann

Es gibt Gesetze, die nur auf den ersten Blick einen Sinn machen. Dazu gehört der § 23, Absatz 1 der Sprengstoffverordnung: „Das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern ist verboten.“ Der Passus „sowie Reet- und Fachwerkhäuser“ ist erst im vergangenen Jahr hinzugefügt worden.

Im Klartext dürfte das für die heutige Nacht bedeuten: keine Knaller und Raketen in den engen Gassen Mittelbuchens und Steinheims, wo noch Fachwerkhäuser stehen (Reetdächer sind in unseren Breiten eher weniger verbreitet). Auch auf dem Altstädter Markt (Goldschmiedhaus!) muss dem Gesetz nach feuerlose Ruhe herrschen, übrigens auch rund um Schloss Philippsruhe. Wer aber kontrolliert die Einhaltung des Paragrafen? Die Polizei?

Deren Sprecher im Präsidium in Offenbach sagt ganz klar: „Es gibt keine gezielten Kontrollen.“ Zwar seien mehr Beamte als sonst im Dienst, die aber hätten sich um andere Dinge zu kümmern, „Alkoholmissbrauch und Handgreiflichkeiten“. Auch die Hanauer Ordnungspolizei wird potenziellen Brandstiftern nicht auf die Finger schauen, die hat in der Nacht nur Bereitschaft, heißt es bei der Stadt. Auch hat Hanau keine speziellen Sperrgebiete für pyrotechnische Lustbarkeiten ausgewiesen – wobei sich eben auch die Frage stellt: Was heißt „unmittelbare Nähe“? Das lässt das Gesetz offen.

Timo Ross, bei der Hanauer Feuerwehr zuständig für den vorbeugenden Brandschutz, weiß ebenfalls: „Das ist nicht zu kontrollieren.“ Bleibt also nur die Hoffnung, dass ab Mitternacht die Feierfreudigen ein bisschen Vernunft walten lassen.

Das war bislang auch in aller Regel der Fall. Ross erinnert sich nur an einen Brand in den vergangenen Jahren, den – im Sommer – ein irregeleiteter Feuerwerkskörper entfacht hat: „Beim deutsch-amerikanischen Freundschaftsfest in der Pioneer-Kaserne.“ Ein Dachstuhl stand in Flammen. In der Silvesternacht brennen, statistisch gesehen, am liebsten Balkone, Kellerschächte, Mülltonnen und Autos.

Fachwerkhäuser, so der Brandschützer, sind im Übrigen nicht grundsätzlich leichter „entflammbar“ als Gebäude aus Ziegeln oder Beton. Aber wenn sie mal in Brand geraten, ist oft nicht mehr viel zu retten. Das liegt naturgemäß an den Materialien, mit denen die Häuser mitunter vor einigen hundert Jahren gebaut wurden: Die Zwischendecken sind eine Konstruktion aus Holzbalken und Dielen, Wände und Fassade bestehen möglicherweise noch aus einem Stroh-Lehm-Gemisch.

Das Gesetz, sagt Ross, ist durch den Fachwerk-Abschnitt deswegen ergänzt worden, weil Brände in historischen Altstädten in der Vergangenheit enorme finanzielle, aber auch kulturhistorische Schäden angerichtet haben. Es ist eben etwas anderes, ob ein Haus aus dem 17. Jahrhundert mit geschnitztem Balkenwerk zerstört wird oder ein Betonklotz aus den vergangenen Jahrzehnten.

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