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Sekt mit Bouffier

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Eine launige Rede hält der CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier.
Eine launige Rede hält der CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier. © Jan-Christoph Hartung

Die CDU Main-Kinzig stimmt sich beim Neujahrsempfang in Gelnhausen auf das Wahljahr ein. Ministerpräsident Volker Bouffier steht als prominenter Gastredner im Mittelpunkt.

Von Jörg Andersson

Einige Minuten Blasmusik zur Einstimmung, dann fast anderthalb Stunden klare politische Botschaften. Ein paar Etiketten, wie die Sektgläser oder eine Schornsteinfegerin, die Glückscent verteilt, deuten am Sonntagmittag in der Gelnhäuser Stadthalle darauf hin, dass die CDU Main-Kinzig zum Neujahrsempfang geladen hat. Dem Charakter nach ist die Veranstaltung ihrer Zeit voraus. Ministerpräsident Volker Bouffier steht als prominenter Gastredner im Mittelpunkt und spricht deutliche Worte, wie man sie von einer politischen Aschermittwochsrunde kennt.

Der Auftakt ist förmlich: Der Kreisvorsitzende Tom Zeller und der Erste Kreisbeigeordnete Günter Frenz begrüßen die Gäste persönlich. Vor dem Eingang bildet sich eine Schlange. Sie löst sich auf, als die beiden aus dem Foyer eilen, um den Mann aus Wiesbaden zu flankieren.

CDU will Landrat stellen

30 Minuten müssen die 400 Gäste auf dessen Rede aber noch warten. Zunächst spricht Zeller, lobt das „German Wunder“ der Wirtschaftskrisenbewältigung und unterstreicht der Anspruch der Union, nach dem 27. März stärkste Fraktion im Kreistag bleiben und künftig den Landrat stellen zu wollen. Dem Kandidaten Frenz erscheint die Gelegenheit günstig, sein Wahlprogramm zu skizzieren und von Erfolgen aus Dezernaten wie Gesundheit und Bildung zu referieren, die in seine Zuständigkeit fallen.

Schließlich übernimmt der groß gewachsene Bouffier, von Zeller als „menschlicher, sympathischer, langjähriger Baskettballspieler“ vorgestellt, das Wort.

45 Minuten nimmt der lockere und redegewandte Bouffier kein Blatt vor den Mund und erhält vielfach Applaus aus dem Publikum. Er bekennt sich zum Industriestandort Deutschland, das mit seinem produzierenden Gewerbe besser dastehe als jedes andere Land in der EU. Die Politik habe mit verlängertem Kurzarbeitergeld, der Abwrackprämie und dem 2,3 Milliarden Euro teuren Konjunkturprogramm auch in Hessen Anschub geleistet.

Werbung für Schuldenbremse

Seitenhiebe richtet er an an politische Kontrahenten, die Kommunismus oder Sozialismus nicht verteufelten, dafür aber von Ökonomie-Terror sprächen. Der Ministerpräsident schwärmt von sozialer Marktwirtschaft, dem dreigliedrigen Schulsystem und dem Ehrenamt. Zur Erheiterung lobt er zwischendurch Günter Frenz, als dieser ihm ein Wasser reicht: „Der Mann ist nicht nur intellektuell sondern auch praktisch zu gebrauchen.“

Später wirbt Bouffier für die Schuldenbremse. Ab 2020 nicht mehr Geld auszugeben, als eingenommen wird, dürfe nicht als Sozialabbau gegeißelt werden, sondern erfordere Entscheidungsfreudigkeit und Prioritäten. Eine klare Absage erteilt er den „vermummten Parkwächtern“ von Stuttgart. Wer eine zu geringe Beteiligung der Bürger beklagt, den konfrontiert Bouffier mit seinem „Lieblingsthema“. Es gebe bereits so viel Beteiligung, dass sich schon die Planung eines Radweges über Jahre hinziehe.

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