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Im Einsatz: Die Sternsinger Jano Dreger, Jakob Reus, Daniel Breidenbach und Noah Reus (v.l.).

Sternsinger in Hanau

Segen für Kinder auf der Flucht

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In der St. Elisabeth-Gemeinde in Hanau ziehen mehr als 30 Sternsinger los - und es werden immer mehr.

Bevor Jakob Reus das Weihrauchfass schwenkt, fragt der 13-Jährige erst mal: „Mit oder ohne Weihrauch?“ „Mit Weihrauch natürlich. Wenn schon, denn schon“, sagt Uwe Rundensteiner und lächelt. Kurz darauf steigt der würzige Duft im Wohnzimmer der Familie Rundensteiner auf. Jakob und die anderen drei Jungen – bekleidet mit selbstgebastelten Kronen und samtenen Gewändern – fangen an zu singen: „Stern ü-ber Beth-le-hem, zeig uns den Weg, führ uns zur Krip-pe hin, zeig, wo sie steht!“ Sie sind nur ein bisschen aufgeregt, weil sie nicht zum ersten Mal im Einsatz sind.

Dann sagen sie ihre Segenssprüche auf: „Wir wollen heute Freude bringen und von Jesus Christus singen.“ Und: „Helft auch Ihr mit Euren Gaben, dass alle Kinder Zukunft haben. Gott segne Euch im neuen Jahr! Das wünscht euch die Dreikönigsschar.“ Danach erklärt Jakob: „In diesem Jahr sammeln wir für die Flüchtlingskinder in Malawi und anderen Ländern.“ Die Rundensteiners loben: „Das habt ihr gut gemacht.“ Und geben eine Spende in die Sammeldose.

Jakob Reus ist für die katholische Gemeinde St. Elisabeth als Sternsinger im Einsatz. Er ist einer von mehr als 30 Kindern und Jugendlichen. Hinzu kommen etwa 15 erwachsene Helfer und Begleiter. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden hat St. Elisabeth keine Nachwuchsprobleme bei den Sternsingern: „Vor fünf Jahren hatten wir noch vier Gruppen, jetzt sind es schon acht. Damals haben wir etwa 3000 Euro Spenden gesammelt, im vergangenen Jahr waren es schon 6000 Euro“, sagt Gemeindereferentin Margit Lavado. „Es hat sich rumgesprochen, dass Sternsingen Spaß machen kann und dass Kinder dadurch anderen Kindern helfen können“, fügt Lavado hinzu. Etwa 300 Haushalte, die sich angemeldet haben, besuchen die Kesselstädter Sternsinger in diesem Jahr, von Wachenbuchen über Mittelbuchen bis Hanau-West. Sie gehen auch zu Senioren in Heimen sowie kranken Menschen, die bettlägerig sind, und schreiben 20*C+M+B+14 („Christus Mansionem Benedicat: Christus segne diese Wohnung“) an die Tür. Zu den Rundensteiners kommen die jungen Sänger schon seit Jahren: „Wir bekommen durch sie einen Segen und können gleichzeitig etwas Gutes für Kinder in Not tun“, sagt Tochter Lisa Rundensteiner, die sich selbst schon als Leiterin von Sternsinger-Gruppen engagiert hat.

Pfarrer Andreas Weber weiß, dass seine Sternsinger in diesen Tagen auch gegen das schlechte Bild der katholischen Kirche ansingen, das so mancher nach dem Fall Tebartz-van Elst hat. Weber sagt: „Wenn etwas in unserer Kirche schiefläuft, müssen wir es wiedergutmachen. Mit der Sternsinger-Aktion wollen wir auch zeigen, was unsere Kirche ausmacht: Bedürftigen beizustehen und ihnen zu helfen.“ Weil nach Hanau immer mehr Flüchtlinge kommen, sieht Weber die Kirche in der Pflicht: „Wir bringen uns beim Runden Tisch Asyl ein und fragen in der Gemeinde nach Unterkünften für Asylsuchende.“

Die elfjährige Jacqueline Kittan macht nicht zuletzt deshalb mit bei den Sternsingern, weil sie ein Film des Reporters Willi Weitzel („Willi wills wissen“) über das Flüchtlingslager von Dzaleka bewegt hat. Dort leben 17.000 Flüchtlinge: „Den Kindern geht es sehr schlecht. Wir müssen etwas dagegen tun“, sagt sie.

Jakob Reus singt bereits zum vierten Mal mit, „weil ich viel Spaß daran habe“, sagt er. „Es gibt oft etwas zu lachen, zum Beispiel wenn in einer Wohnung der Rauchmelder angeht – wegen des Weihrauchs. Das ist schon vorgekommen.“ Der 13-Jährige, der auch Messdiener ist, findet es gut, „dass manche Leute uns unterwegs sehen und dann spontan fragen, ob wir auch zu ihnen kommen könnten“. Und „dass ich nach einem Sternsinger-Tag das Gefühl habe, etwas Gutes getan zu haben“.

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