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Hochwasser-Warnung
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Hochwasser-Warnung

Hochwasser in Hanau

Seenplatte am Main

Sandsäcke schaufeln und die Pumpe aus dem Keller holen - die Fluss-Anwohner in Hanau kämpfen gegen das Hochwasser des Mains. Das Regierungspräsidium prognostiziert weiter steigende Pegel.

Von Andreas Zitzmann

"Das Wasser sucht sich halt seinen Weg“, sagt der Mann, der unterhalb des Steinheimer Schlosses einen Schwan fotografiert, dessen Revier derzeit viel größer als sonst ist. Der Weg, den das Wasser momentan nimmt, ist schon bemerkenswert, allerdings nicht überraschend.

Unter der Hellerbrücke in der Philippsruher Allee strömt die breit gewordene Kinzig in den Main, der sich ebenfalls seenartig ausgedehnt hat. Auf dem kleinen Parkplatz neben der Brücke steht ein orangefarbener Container der Stadt mit Sand, viel ist nicht mehr davon da. Mehmet Yildirim schaufelt ihn in Plastiksäcke. Seit zwei Jahren hat er einen Kleingarten jenseits des Schlossparks, unweit des Mains: „Es fehlen nur noch zehn Zentimeter, bis das Hochwasser die Hütte erreicht hat.“ Er hofft, seine paar Säcke, die er im Baumarkt gekauft hat, reichen aus. „Nicht ganz vollmachen“, rät ihm Kurt Wagner, der Plastikwannen mit Sand füllt. Säcke hat er zu Hause genug. Wagner ist im Gegensatz zu Yildirim Hochwasser-Profi. Sein Haus steht direkt an der Philipsruher Allee, 1866 gebaut, aus Vogelsberger Basalt, der Feuchtigkeit ganz gut abkann.

Bereits seit zwei Tagen hat Wagner einen nassen Keller, das Wasser drückt einfach durch das Mauerwerk. Er kennt sich aus: eigene Pumpe, in den Regalen im Keller lässt sich alles nach oben räumen. „Eine spezielle Versicherung ist viel zu teuer.“

Pumpe und Eisenplatte

Der Nachbar Michael Goebler nebenan ermöglicht einen Blick in den Keller. Die ebenfalls über 100 Jahre alte Villa ist aus Sandstein erbaut. Der verträgt sich mit Wasser nicht so gut. Auf dem Kellerboden steht Wasser, eine Tauchpumpe befördert es nach draußen. Neben dem Haus verläuft ein Flutgraben, der zum ausgedehnten See geworden ist. Das Wasser steht fast bis zur Oberkante der kleinen Bogenbrücke zum Main. In der Mauer zum Grundstück hin ist in einem Durchgang eine Eisenplatte eingefügt, „extra angefertigt“, sagt Goebler.

Die Wassergefahr droht aber auch von der Rückseite. Die Gärten zur „Milch“ hin gemahnen mit ihren alten Bäumen an ein unendliches Sumpfgelände. Hinter einem ehemaligen Stallgebäude sind massenhaft Sandsäcke gestapelt, um gegebenenfalls zum Hof hin eine Barriere errichten zu können. Ob’s reicht?

Der Polizeibeamte Peter Jüngling schaut vorbei, „ich mache meine Runde an den hochwasser-gefährdeten Gebieten“. Noch ein Experte, im doppelten Sinn: Jüngling ist auch Mitglied des Hanauer Geschichtsvereins und er weiß, wann es schlimm kommt: „Jetzt“ (das war Mittwochmittag) „haben wir 4,40 Meter, 1995 waren es 5,20 Meter“. Da wurde sogar die Philippsruher Allee überflutet.

Aber früher war es noch viel schlimmer, seinerzeit, im Jahre des Herren 1342, stand ganz Hanau unter Wasser. Nur der höher gelegene Marktplatz und der Altstädter Markt blieben trocken.

Kaum glaubhaft, dass das heute noch passieren kann. „Doch, schon“, meint Jüngling, „ab einem Wasserstand von 5,40 Meter kann es auch für Teile der Innenstadt gefährlich werden“. Dafür braucht es noch eine Menge Wasser mehr im Main. Allerdings prognostizierte das Regierungspräsidium Darmstadt am Mittwoch einen weiterhin steigenden Pegel, mindestens um 40 Zentimeter.

Abgesoffene Kleingärten

Eine Seenplatte auch im „Hinterland“. „Als ich das Haus vor 15 Jahren gekauft habe, habe ich nie damit gerechnet, dass es hochwassergefährdet ist“, sagt ein Anwohner in der Kleiststraße. Auf der einen Seite hübsche Häuser, auf der anderen bereits abgesoffene Kleingärten. Auch in der Adalbert-Stifter-Straße stehen Gärten schon unter Wasser.

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