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Schwere Zeiten überstanden

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Die Mainlust-Familie im Apfelweinfass (von links): Erich, Maria, Jochen und Karina Fischer sowie Rudolf Trumpfheller.
Die Mainlust-Familie im Apfelweinfass (von links): Erich, Maria, Jochen und Karina Fischer sowie Rudolf Trumpfheller. © Rolf Oeser

Das Hotel-Restaurant „Zur Mainlust“ feiert sein 150-jähriges Bestehen.

Von Sebastian Meineck

Das Hotel-Restaurant „Zur Mainlust“ feiert sein 150-jähriges Bestehen.

Die blaue Fähre tuckert über den Main nach Dörnigheim, am Ufer rupfen Enten Gras. Die Sonne scheint auf die gelbe Fassade des Hotel-Restaurants „Zur Mainlust“, wo vor 150 Jahren das erste Mal Wein ausgeschenkt wurde. Seit 1863 ist die „Mainlust“ in Familienbesitz, vorher ruhten sich hier Rinder und Pferde aus, die Kähne den Main hinauf schleppen mussten.

Innen leuchten Bleiglasfenster. „Schauen Sie nach oben“, sagt Inhaber Erich Fischer aus der fünften Generation der Familie. An der Decke des Restaurants wölben sich Dauben, Längshölzer aus Apfelweinfässern. „Die sind aus unserem Keller“, sagt er.

Arbeiten im Weinfass

Karina Fischer steht in einem Apfelweinfass, das 1992 zu einer Rezeption umgebaut wurde. Sie gehört zur sechsten Generation. „Vor drei, vier Jahren, zur Finanzkrise, haben die Leute genau auf den Preis geguckt“, erzählt sie, doch das habe sich wieder gebessert. Viele Radfahrer kämen ins Hotel, Geschäftsleute und Messebesucher. „Auch immer mehr junge Leute wollen wieder Tradition und gute deutsche Küche“, sagt Karina Fischer. Besonders voll ist das Haus jeden März in der Ungarischen Woche, dann gibt es landestypische Küche und Musik.

Die Hotelfachfrau Karina Fischer kümmert sich um das Kaufmännische, ihr Bruder Jochen um die Küche. Gerade fährt er singend ein Wägelchen über den Hof: Er bereitet das Büfett für den Festakt zum 150-Jährigen vor.

Auf demselben Hof ereignete sich eine dunkle Episode der Familiengeschichte: Jochen Fischers Ur-Ur-Ur-Großvater Jakob-Ernst Fischer hatte beschlossen, hier seinen Sohn zu erschießen. Seit 1863 schenkte er Bier und Branntwein aus, seine Kunden waren Handwerker und fahrendes Volk. Aber zwischen seinen Erben – einem Sohn und einer Tochter – brach ein Konkurrenz-Kampf aus.

Die Tochter hatte den benachbarten „Frankfurter Hof“ übernommen. Aber sie warf ihrem Bruder Ernst vor, ihr die Kundschaft zu stehlen. Das war der Anfang eines Streites, den Mainlust-Gründer Jakob-Ernst Fischer mit dem Gewehr beenden wollte. „An diesem Fenster hat er auf den Ernst gewartet“, sagt Erich Fischer und zeigt auf das Fenster zum Hof, unter dem sein Sohn Jochen gerade singend vorbei gelaufen ist. „Weil Ernst aber nicht durch die Tür kam, hat er sich selbst erschossen“, sagt er. Seitdem habe die Familie nie mehr versucht, ein zweites Lokal zu eröffnen. „Das ist auch nicht nötig, bei all den Zubauten, die es zu pflegen gibt“, sagt Fischer.

Auch während der Weltkriege hat es schwere Zeiten gegeben: Mehrere Fischer-Söhne sind gefallen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwandelte Wilhelm Fischer den großen Saal des Restaurants in ein Kino, um Besucher anzulocken. Erst 1964 kamen die ersten sechs Hotelzimmer.

Der Jüngste will Koch werden

Der heutigen Generation gehe es gut, sagt Karina Fischer: „Wir entscheiden alles gemeinsam.“ Und Erich Fischer fügt hinzu, dass auch der Küchenchef und der Oberkellner zur Familie gehörten: Die kenne er schon seit mehr als 20 Jahren. Jochen Fischers zehnjähriger Sohn Jonas muss am Jubiläums-Tag in die Schule. „Er sagt seit zwei Jahren, dass er Koch werden will – wie der Papa“, erzählt Karina Fischer.

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