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Ein Schwanennest zum Schlafen und Spielen

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"Schwanennest" soll die künftige Kurzzeitbetreuung für behinderte Kinder in Hanau heißen.
"Schwanennest" soll die künftige Kurzzeitbetreuung für behinderte Kinder in Hanau heißen. © ddp

Das Behindertenwerk Main-Kinzig baut ein Haus zur Kurzzeitbetreuung von Kindern. In ganz Hessen und den benachbarten Regionen stehen bisher nur acht Kurzzeit-Plätze zur Verfügung.

Von Rebekka Sambale

Beschäftigung für behinderte Kinder und damit gleichzeitig eine Auszeit für die Eltern plant das Behindertenwerk Main-Kinzig (BWMK) mit einem Haus zur Kurzzeitunterbringung von Kindern und Jugendlichen anzubieten. Ab Anfang 2011 können Behinderte zwischen drei und 18 Jahren im „Schwanennest“ aufgenommen werden.

Damit entsteht in Hanau eine Neuheit für den gesamten Main-Kinzig-Kreis. Bislang mussten Eltern behinderter Kinder auf Angebote in Frankfurt oder Marburg ausweichen. In ganz Hessen und den benachbarten Regionen stehen aktuell insgesamt nur acht Plätze zur Kurzzeitbetreuung zur Verfügung, wie Dorothee Müller, Pressesprecherin des BWMK, sagt. Das Behindertenwerk rechnet daher sogar mit Anfragen aus angrenzenden Regionen in Thüringen und Bayern.

In der Feuerbachstraße rollen schon jetzt die Bagger um das Fundament zu errichten, auch wenn das offizielle Richtfest erst für Oktober geplant ist, wie Müller sagt und ergänzt: „In den vergangenen Jahren ist der Bedarf an Betreuungsplätzen enorm gestiegen.“ Immer wieder seien Anfragen von Förderschulen oder Eltern gekommen. Für die Baukosten in Höhe von rund 900.000 Euro fand das BWMK keine öffentliche Förderung. Knapp die Hälfte des Betrags kann der Verein selbst stemmen. Der Rest muss durch Stiftungsarbeit und Spenden finanziert werden.

Auf drei Stockwerken können 14 junge Besucher zukünftig in sechs Doppelzimmern und zwei Apartments wohnen. Ein Gemeinschaftsraum im Obergeschoss soll auch von Bewohnern der angrenzenden Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung genutzt werden.

Dass hier später mal ein fröhliches und lebendiges Haus entstehen soll, ist angesichts der kahlen Baustelle nur schwer vorstellbar. Doch Dorothee Müller denkt schon jetzt an Themenwochen, bei denen gebastelt, gespielt und gekocht wird. „Natürlich auf die jeweiligen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet“, wie sie sagt. Wichtig sei dem BWMK dabei die Verknüpfung zur Brüder-Grimm-Stadt. Märchenthemen könnten dabei spielerisch kreativ aufbereitet werden.

Auch bei der Namensfindung zeigte sich das Behindertenwerk äußerst originell. Von den Gebrüdern Grimm über ihr Märchen „Die sechs Schwäne“ kam es letztendlich zum „Schwanennest“. Das beziehe sich einerseits auf das Wappen der Stadt, in dem der weiße Vogel einen zentralen Platz einnimmt. Dazu seien Schwäne für einen besonders treuen und liebevollen Umgang mit ihrem Nachwuchs bekannt, so Müller.

In seinem neuen Haus bietet das Behindertenwerk die Betreuung sowohl tage- als auch wochenweise an. Dabei sichern laut Müller fachlich hoch qualifizierte Kräfte eine Beobachtung rund um die Uhr.

Intensivpflege, wie sie beispielsweise bei Beatmungs-Patienten notwendig ist, könne jedoch nicht übernommen werden. Interessierte Eltern können auf finanzielle Unterstützung durch die sozialgesetzlichen Regelungen zur Kurzzeit- und Verhinderungspflege hoffen.

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