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Schubkarren im Sauseschritt

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Das traditionelle Schubkarrenrennen am Kerbmontag in Bruchköbel-Roßdorf.
Das traditionelle Schubkarrenrennen am Kerbmontag in Bruchköbel-Roßdorf. © Sascha Rheker

Traditionspflege beim 84. Straßenrennen in Roßdorf: Der 26-jährige Christian Dreuth, als Leichtathletik-Sprinter in Diensten der LAZ Bruchköbel, setzt erneut eine Bestmarke.

Von Jörg Andersson

Traditionspflege und sportliches Spektakel zugleich – das Roßdorfer Schubkarrenrennen wird seit 2008 von einem Seriensieger dominiert: Christian Dreuth, als Leichtathletik-Sprinter in Diensten der LAZ Bruchköbel, hat am Montagnachmittag erneut eine Bestmarke gesetzt. In 54,88 Sekunden katapultierte der 26-jährige Lokalmatador das altertümliche Transportmittel über die knapp 400 Meter lange Strecke rund um das örtliche Feuerwehrgerätehaus.

Es war die 84. Auflage eines Wettkampfs, den die Dorfbewohner 1927 aus einer Bierlaune heraus im historischen Gasthaus Zum Löwen ins Leben riefen und seiher regelmäßig zelebrieren.

Rund 500 Besucher verfolgten das Rennen, den Höhepunkt der Roßdorfer Kerb, die so früh wie keine Kirchweih in Südhessen im Kalender steht. Der Nebel, der sich rund um die überfluteten Auen zäh festsetzte, dürfte das bunte Treiben mit karnevalistischem Anstrich bei Partymusik in den Gassen wohl kaum beeinflusst haben. Und dennoch könnte das Brauchtum in absehbarer Zeit vielleicht doch eine Terminverschiebung auf den Sonntag erfahren, um den Stellenwert zu erhöhen. „Das wird kommen“, prophezeit Wehrführer Hans-Peter Bach.

140 Mitglieder zählen die Schubkarren-Rennfreunde Roßdorf, die das Startgeld unter anderem für Pflege und Nachbau der alten Arbeitsgeräte verwenden, die früher in kaum einem Haushalt fehlten. Ein Dutzend original Holz-Schubkarren mit ihren eisenbeschlagenen Rädern werden nach dem Tod eines Handwerksmeister aus dem nahen Erlensee mittlerweile von einer Wagnerei im Odenwald restauriert.

45 Kilo bringen die historischen Transportmittel auf die Waage, etwa die Hälfte jene, die eigens für die jugendlichen Läufer nachgebaut wurden. Alleine die Kleinsten in Kindergartenalter und Kostümen schieben rote Plastikvariante über den 50-Meter-Kurzparcours.

26 Mal stürmten Teilnehmer aller Altersklassen durch den Ort. Einige, wie die Keweler-Ren(n)tiere mit roten Nasen und Weihnachtsdeko, das örtliche Männerballett im Seemannsdress. Während Kinder und Jungendliche auf leichtem Gefälle laufen, wird die komplette Runde im Verlauf der Oberdorfstraße schnell zur Qual – auch für geübte Läufer und Marathonabsolventen. „Beim Anstieg bekommst du hinter den Griffen plötzlich kaum noch Luft und die Beine werden sauer“, beschreibt es Monika Flor, die als „Sahnehäubchen“ verkleidet diesmal gegen einen Mann antreten musste. Ihre Pokale und Sachpreise, überwiegend gestiftet von örtlichen Geschäften, hat sie vor einigen Jahren im Mixed-Team mit Sohn Max und Tochter Franzi gesammelt. Die mussten diesmal wegen Studium und Abi-Stress absagen.

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