Mathias Laufer, Leiter des Bürgerservices, übergibt den Schlüssel an Fahrer Frank Reitmaier (Mitte) und Seniorenbeirat Christian Schenk. 
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Mathias Laufer, Leiter des Bürgerservices, übergibt den Schlüssel an Fahrer Frank Reitmaier (Mitte) und Seniorenbeirat Christian Schenk. 

Schöneck

Bürger fahren Bürger in Schöneck

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Als notwendige Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr fährt in Schöneck ab Januar 2020 ein Bürgerbus. 15 Ehrenamtliche engagieren sich.

Frank Reitmaier geht demnächst in Ruhestand. Zuhause herumsitzen will er auf keinen Fall: „Ich möchte unter Leute und mich engagieren“, sagt Reitmaier. Deshalb wird er sich ehrenamtlich für den Schönecker Bürgerbus einsetzen, ihn fahren und sich um auch um die Wartung kümmern. Als gelernter Kfz-Mechaniker und langjähriger Inhaber eines Kurierdienstes, der mehr als eine Million Kilometer zurückgelegt hat, ist Reitmaier prädestiniert für diese Aufgaben. Er lebt zwar in Nidderau, stammt aber aus Büdesheim und ist Schöneck immer verbunden geblieben, auch wegen seines Hobbys Fußball.

Reitmaier ist einer von 15, zu einem großen Teil aus Vereinen kommenden Freiwilligen, die in Kooperation mit der Gemeinde dafür sorgen wollen, dass Bürger – besonders ältere, weniger mobile – besser an ihre Ziele in den drei Ortsteilen sowie in den Nachbarort Niederdorfelden gelangen. Das Land Hessen hat dem Antrag der Gemeinde stattgegeben und ihr im Rahmen des Förderprogramms „Land hat Zukunft – Heimat Hessen“ den Bus, einen Opel Vivaro mit neun Sitzen, gestellt.

Im Main-Kinzig-Kreis wird ansonsten nur noch das am Vogelsberg liegende Birstein gefördert, das 16 Ortsteile hat. Am Montag, 13. Januar, starten die festen Touren in Schöneck (siehe Info). Eine Voraussetzung für die Aufnahme ins Programm: Der Bürgerbus darf keine Konkurrenz zum bestehenden öffentlichen Nahverkehr sein, sondern lediglich eine Gratis-Ergänzung zu diesem. Die Ergänzung ist angesichts des beschränkten Angebots der Linie MKK-32 und der Niddertalbahn aber notwendig.

Der Bürgerbus Das Projektstartet am 13. Januar 2020. Wer mitfahren möchte, muss sich telefonisch unter 0157/80 67 44 00 anmelden, montags von 14 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 12 Uhr. Eine Anmeldung ist ab Freitag, 10. Januar, möglich.

Der Busfährt montags, mittwochs, donnerstags und freitags einmal monatlich feste Touren. Er startet stets am Rathaus in Kilianstädten (Herrnhofstraße 8) und steuert zum Beispiel am Mittwoch die Simdornhalle, den Sportplatz Waldstraße und den Bahnhof in Oberdorfelden an.

Weitere Infosgibt es im Fachbereich Bürgerservice der Gemeinde unter der Nummer 06187 / 9 56 22 00 oder -202 oder auf www.schoeneck.de. gha

Bereits seit Mai 2018 habe sich die Gemeinde um die Förderung bemüht, dafür ein Konzept entwickelt und beim Land eingereicht, sagt Bürgermeisterin Conny Rück (SPD). Wegen der bergigen Topografie in Kilianstädten oder der Tatsache, dass es in Oberdorfelden keinen Hausarzt und keine Bank mehr gibt, sei der in und zwischen den Ortsteilen sowie Niederdorfelden verkehrende Bus vor allem für ältere Menschen wichtig. Die größte Herausforderung sei gewesen, genug Ehrenamtliche für den Betrieb zu finden. „Unser Respekt gilt den Freiwilligen, die sich einsetzen und Verantwortung übernehmen“, betont Rück.

Ziel des Landes ist, dass Bürger auch die Trägerschaft des Busprojekts übernehmen. Dazu war in Schöneck bislang niemand bereit, auch kein Verein. Träger ist die Gemeinde: Sie organisiert zum Beispiel die Schulung der Fahrer, deren Training, Prüfung, Versicherung und bezahlt zumindest vorerst die laufenden Kosten, etwa für Sprit. Insgesamt kalkuliert das Rathaus hier mit etwa 4000 Euro pro Jahr. Früher oder später soll sich der Bürgerbus selbst tragen. Die Fahrten sind gratis, die Nutzer können jedoch spenden. Zudem werden Werbeflächen auf dem Bus vermarktet, Vereine und Organisationen können ihn gegen Gebühr mieten.

Den Verantwortlichen ist klar, dass das Projekt Durchhaltevermögen braucht und sich herumsprechen muss. In manchen Gemeinden wird das Angebot kaum angenommen.

Der Seniorenbeirat habe am Fahrplan mitgewirkt, beispielsweise geschaut, wo die längsten, schwierigsten Wege sind, erzählt Veronika Kielmann-Heine, die in der Gemeinde unter anderem für Seniorenarbeit zuständig ist. Womöglich werden die Touren – zu denen eine Fahrt zur „Essensbank“, der Schönecker Tafel, gehört – angepasst. Kielmann-Heine und Mathias Laufer vom Bürgerservice sehen den Start als Testphase, in der sie und die Ehrenamtlichen Erkenntnisse über die Nachfrage gewinnen wollen.

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