Wenn sie malt, dann Ratten: Karikaturistin Uschi Heusel.
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Wenn sie malt, dann Ratten: Karikaturistin Uschi Heusel.

Hessisches Puppenmuseum

Schneewittchen mit Nagezähnen

Das Hessische Puppenmuseum präsentiert Uschi Heusels Märchenbilder - rattenscharf. Die Karikaturistin verschönt Grimms Helden mit langen Schnauzen und großen Ohren. Immerhin sind Ratten Heusels Lieblingstiere.

Uschi Heusel mag Dinge, die nicht ins Bild gehören. Wenn sie Menschen malt, sehen sie aus wie Ratten – mit langer Schnauze und großen Ohren. Nun hat sich die Karikaturistin den Figuren der Brüder Grimm gewidmet, zum 200-jährigen Jubiläum der Haus- und Kindermärchen. Zwanzig ihrer Gemälde werden noch bis Jahresende im Hessischen Puppenmuseum gezeigt, unter dem Titel „Ein rattenscharfer Märchenprinz“.

In Heusels Märchenwelt darf die Ratte Schneewittchen Fernseh-Kommissarin werden. Und die Ratte Napoleon inszeniert ein Marionetten-Theater mit Rotkäppchen und dem bösen Wolf. „Es macht mir Spaß, wenn Leute in eine Ausstellung gehen und lachen“, sagt Heusel. „Und wenn sie ein wenig rätseln.“

„Meine Texte sind plemplem“

Besonders rätselhaft sind die kleinen Texte, die Heusel zu ihren Bildern verfasst hat. So schreibt sie, Napoleon wolle Rotkäppchen ein Krokodil vorsetzen – weil er mit dem Märchen, so wie es war, nicht zufrieden sei. Tatsächlich schaut aus Napoleons Jacke auf dem Gemälde ein winziger Krokodilsschwanz hervor. „Meine Texte sind plemplem“, erklärt Heusel. „Aber ohne Text ist ein Bild nicht fertig. Die Ideen dazu kommen spontan.“

Wie sie ihr Lieblingstier gefunden hat, weiß Heusel noch genau: Mitte der 1990er Jahre arbeitete sie in einer Lackiererei und sprühte ihre erste Ratte auf eine Harley Davidson. Die Ratte war eine Auftragsarbeit. „Sie hat böse geschaut und eine Zigarre geraucht“, sagt Heusel.

Seitdem wolle sie nichts anderes mehr zeichnen als die Ratten. „Ich kann nicht erklären, warum“, sagt sie heute. Einige Zeit hätte sie Schweine gemalt, aber das sei irgendwie nicht das Richtige gewesen.

Die gelernte Kauffrau aus Dietzenbach fasste den Wunsch, Malerin zu werden. Sie begann ein Fernstudium, skizzierte Cartoons und malte auf Acryl. Sie illustrierte Sachbücher, und sie veröffentlichte ihre Bilder und Texte in den vergangenen Jahren auch in Kinderbüchern und als Kalender. Mittlerweile zeichnet Heusel regelmäßig für eine Zeitung und zeigt ihre Werke in Galerien. „Seit einigen Jahren können mich meine Ratten sogar ernähren“, scherzt sie.

„Ich habe immer noch tausende Einfälle“

Für ihre Acryl-Gemälde nimmt sich Heusel berühmte Werke der Kunstgeschichte zum Vorbild. So sieht die Ratte Napoleon einem Gemälde von Robert Lefèvre aus dem frühen 19. Jahrhundert verdächtig ähnlich. Zur Ratte gemacht hat Heusel auch Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ oder Rigauds Porträt des Sonnenkönigs Ludwig XIV. im Hermelin-Mantel.

Heusels Cartoons hingegen sind bodenständiger als ihre Gemälde, die jetzt im Puppenmuseum zu sehen sind. Dort steht die Ratte Ludwig im Mittelpunkt, die in hessischer Mundart spricht. „Eigentlich ist Ludwig ein fieser Egoist“, sagt Heusel. „Aber ich kann ihn als Medium benutzen, um zu stänkern.“ Ihre Enkel seien von ihm begeistert. „Wenn sie mich im Atelier besuchen, wollen sie den Ludwig schon selbst zeichnen.“

Seit fast zwei Jahrzehnten malt und zeichnet Uschi Heusel ihre Ratten. „Ich habe immer noch tausende Einfälle“, sagt sie. Sie könnte sich zum Beispiel gut vorstellen, im nächsten Jahr die Reihe mit den Märchenfiguren fortzusetzen. Denn einige Märchenbilder seien schon verkauft. „Und dann ist wieder Platz für neue“, sagt sie.

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