Sam Tho Duong aus Pforzheim zeigt seine eindrucksvollen Werke im Goldschmiedehaus.
+
Sam Tho Duong aus Pforzheim zeigt seine eindrucksvollen Werke im Goldschmiedehaus.

Hanau

Schmuck, eines Prinzen würdig

  • Elena Müller
    vonElena Müller
    schließen

Sam Tho Duong ist der 6. Hanauer Stadtgoldschmied und ab sofort mit einer Einzelausstellung im Deutschen Goldschmiedehaus zu sehen. Bei ihm werden Tausende Perlen zu Kunst.

Bestehendes mit anderen Augen sehen, das ist wohl eine von Sam Tho Duongs größten Stärken als Künstler. Aus seiner Überlegung, die feinen Eiskristallformen an Baumrinden und Früchten in seine Schmuckarbeiten einzubinden, sind Einzelstücke entstanden, die die Schönheit der natürlichen Vorgabe in museale Kunstobjekte umzuwandeln vermögen.

Sam Tho Duong ist der 6. Hanauer Stadtgoldschmied und ab sofort mit einer Einzelausstellung im Deutschen Goldschmiedehaus zu sehen. Abgesehen von seinem Auge für das Detail und einer großen handwerklichen Fähigkeit ist die schiere Unermüdlichkeit Tho Duongs beeindruckend. Seine Werke bestehen meist aus hunderten und tausenden kleinen Einzelteilen. Wie die unzähligen Kegel aus Toilettenpapier, die gerollt und fixiert an einem Band zu einer Kette werden, die an voluminösen Muschelschmuck erinnert. Und aus hunderten alter Kleidungsetiketten mit roten Fädchen schnürt der gebürtige Vietnamese ein prächtiges elfenbeinfarbenes Collier.

Der Hanauer Stadtgoldschmied wird von der Stadt seit 2004 alle zwei Jahre ernannt. Das Stipendium umfasst ein sechswöchiges Engagement des ausgewählten Künstlers in der Gesellschaft für Goldschmiedekunst inklusive Unterbringung, Verpflegung und einem Honorar von 2500 Euro. Den Arbeitsplatz stellt die Staatliche Zeichenakademie zur Verfügung, dort gibt die Stipendiatin oder der Stipendiat auch einen einwöchigen Workshop für Studenten.

Beharrlichkeit des Künstlers

Die Arbeiten unter dem Titel „Schritte der Achtsamkeit“, die in diesem Rahmen entstanden sind, sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. An ihnen sieht man, wie sich die Beharrlichkeit des Künstlers, mit seinen Vorlagen und dem Material zu arbeiten und das beste Ergebnis erzielen zu wollen, übertragen hat. „Ich bin wirklich stolz auf die Workshop-Teilnehmer, die in einer kurzen Zeit solch eindrucksvollen Stücke geschaffen haben“, sagt der renommierte Künstler über seine Schüler.

Tho Duong wurde unter anderem letztens mit dem Friedrich Becker Preis 2014 ausgezeichnet. Für seine Serie, die neben seinen neuesten Werken auch im Goldsaal ausgestellt sind. Die Stücke sind zurückhaltend, wie der Künstler und deshalb umso eindrucksvoller: Für die Serie „lemitcA““ hat der 46-Jährige weiße Actimel-Flaschen (daher der Name der Reihe) aus Kunststoff gesammelt und zu großen Girlanden verarbeitet, die als Halsschmuck getragen oder Raumobjekte dekoriert werden können. Die einzelnen Teile der Kunststoffflaschen hat Tho Duong durchlöchert und mit kleinen Süßwasserperlen versehen, was dem Material das Plastikhafte nimmt. Unter den 130 Ausstellungsstücken gibt es aber auch ein Hanau-Kunstwerk.

Denn in der Stadt kommt man an den Brüdern Grimm nicht vorbei und das ist auch Tho Duong nicht gelungen. Er erzählt, dass er sich mit den Märchen der Grimms beschäftigt habe und in einem alten Geschichtenbuch eine Illustration zu „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ fand, auf dem zwei Zwerge keine Mützen trugen. Und so stellte er sie ihnen eben her: Auf einer Form aus Silber hat er pro Hut 4500 winzige Süßwasserreiskornperlen befestigt. Das Ergebnis: Eine Kopfbedeckung, die eines Märchenprinzen würdig wäre. Zugleich erinnern die Hüte aus den vielen Perlen an etwas Organisches, an eine mit kleinen Pilzen bewachsene Struktur – und sind damit wieder eine Hommage an die Natur und ihre Inspiration, die Tho Duong so gekonnt in Kunst umsetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare