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Kriminalität

Schlüchtern: „Rassistischer Mordversuch“

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Nach der Attacke am 19. Mai meldet sich die Familie des Opfers zu Wort. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Unsere Würde ist antastbar“ – so lautet die Überschrift eines eindringlichen Briefes, mit dem sich die Familie des Opfers der rassistischen Attacke von Schlüchtern zu Wort gemeldet hat. „Mitten in der Schlüchterner Innenstadt wird mein Vater zum Opfer. Opfer von Hass, Intoleranz, purem Rassismus und skrupelloser, rauer Gewalt“, heißt es in dem von der Tochter verfassten, anonymisierten Schreiben. Es sei kein rassistischer Überfall gewesen, sondern ein Mordversuch. Wiederholt seien die Worte „Ich bring dich um“ und rassistische Beschimpfungen ausgesprochen worden, „während mein Vater hilflos und alleine im Auto um seinen Atem kämpfte“.

Er fuhr am 19. Mai nach Hause, als er von einer Gruppe junger Leute nach derzeitigen Erkenntnissen zum Anhalten gezwungen, rassistisch beleidigt, bedroht und schließlich von einem Mann auch körperlich angegriffen wurde. Gegenüber der FR hatte der Betroffene gesagt: „Ich wurde lange gewürgt, kriegte keine Luft mehr. Ich hatte Todesangst.“ Trotz der lauten Beleidigungen und Drohungen griff zunächst niemand ein; erst später half eine mutige Passantin dem Opfer.

Die Staatsanwaltschaft Hanau teilt auf Anfrage mit, dass sie drei Tatverdächtige ermittelt hat, zwei Männer im Alter von 43 und 20 Jahren und eine 44-jährige Frau aus dem Main-Kinzig-Kreis. Ihnen werden rassistische Beleidigung sowie Bedrohung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Das Geschehen habe nach aktuellem Stand „mit einer zufälligen Begegnung eines Tatverdächtigen mit dem Anzeigeerstatter“ begonnen. Der Verdächtige habe zwei weitere Personen verständigt, die dann „ebenfalls am Tatort eintrafen und gegen die sich nunmehr auch ein Tatverdacht richtet“.

Die Tochter des Betroffenen, mit der die FR telefoniert hat, schildert in ihrer Stellungnahme, wie ihr Vater vor vielen Jahren vor Verfolgung nach Deutschland flüchtete, in der Hoffnung auf Sicherheit, wie er immer hart arbeitete, anderen Geflüchtete half und stets sagte: „Wir müssen dankbar sein.“ Obwohl „wir in der Schule wegen unserem Aussehen gehänselt, von Lehrern benachteiligt wurden“ und die Familie wiederholt Diskriminierung sowie Rassismus erfahren habe.

Nach dem Angriff unterzeichneten etwa 150 Bürger:innen eine Solidaritätsbekundung. Dazu aufgerufen hatten Amöne Nowottny (Grüne) und Clas Röhl, die sich unter anderem für Asylsuchende engagieren. Doch der „Aufschrei in der Gesellschaft“ bleibt auch drei Wochen nach der Tat aus, wie die Tochter kritisiert. Kein Bürgermeister oder anderer Vertreter der Stadt habe sich gegen den Hass ausgesprochen.

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