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Werner Schmidt-De Wasch ist Experte für Verkehrs- und Brandfälle.

Hanau

Vom Schlosser zum Staatsanwalt

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Werner Schmidt-De Wasch geht nach 30 Jahren in Ruhestand / Immer höhere Fallzahlen.

Die Leitsätze, die Werner Schmidt-De Wasch in seinen 30 Jahren als Staatsanwalt begleitet haben, sind so formuliert wie es seine Plädoyers waren: prägnant, manchmal zuspitzend und für alle verständlich. „Gegen die Geschichten, die das Leben schreibt, ist die Fantasie nichts. Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt der 65-Jährige. Und: „Es gibt nur eine Spezies, die das Hirn ausschalten kann: der Autofahrer.“ Wobei das selbstverständlich nicht ganz ernst gemeint ist.

Schmidt-De Wasch, der Ende dieses Monats in Ruhestand geht, ist seit 1986 im Dienst und seit 1991 bei der Staatsanwaltschaft Hanau. Er blickt auf eine Reihe von spektakulären, mitunter bizarren Fällen zurück: Die brutale Hammer-Bande, die mehr als zehn Banken überfiel. Die Anwältin, die immer neue Verfahrens- und Gerichtskosten erfand und ihre Mandanten dadurch um einen sechsstelligen Betrag erleichterte. Oder der Mantafahrer, der kleine Düsen an seiner Stoßstange befestigt hatte und so Öl auf seine „Verfolger“ spritzte.

In Hanau gilt Schmidt-De Wasch als Experte für Verkehrs- und Brandfälle – was auch daran liegt, dass der Familienvater einen für einen Staatsanwalt ungewöhnlichen Weg zurückgelegt und sich dabei wertvolles technisches Wissen angeeignet hat: Nach der neunten Klasse wechselte er auf die Berufsfachschule, machte erst eine Lehre als Schlosser, dann seinen Abschluss auf der Ingenieurschule. Letzteres ermöglichte ihm das Jurastudium, obwohl er kein Abitur hatte. Für Jura entschied sich Schmidt-De Wasch, weil er weg wollte von der Technik und die Vorstellung, sich mit Gesetzen und Menschen zu befassen, spannend fand. Er sollte nicht enttäuscht werden. Gleichzeitig profitierte er beim Einschätzen von Fällen von seinem Wissen über Mechanik, Dynamik oder Baustellen.

„Meine Arbeit hat mir immer Spaß gemacht“, sagt er. Eine große psychische Belastung sei sie nicht gewesen: „Die Welt ist böse – diesen Eindruck kann man gewinnen. Aber ich weiß ja, dass es auch viele gute Menschen gibt.“ Er könne gut abschalten, so Schmidt-De Wasch. Dennoch habe ihn die Zeit bei der Staatsanwaltschaft verändert, etwas vorsichtiger gemacht, unter anderem weil er wisse, wie schnell ein Feuer ausbrechen könne. Bedroht worden sei er nie, was Schmidt-De Wasch auch darauf zurückführt, dass er immer versucht habe, Angeklagte unvoreingenommen zu behandeln und ihre Würde zu respektieren, statt sie zu erniedrigen. Und wenn die Taten besonders abscheulich waren, habe er professionelle Distanz aufgebaut.

Die Zahl der Fälle, die ein Staatsanwalt bewältigen müsse, sei im Laufe der Jahre deutlich gestiegen, sagt Schmidt-De Wasch. Er klagt nicht, macht aber darauf aufmerksam, dass die Justiz mehr Personal brauche. Mitunter würden Staatsanwälte ihre Aktenberge bis spät in den Abend hinein und am Wochenende bearbeiten, könnten seltener bei Durchsuchungen dabei sein. Sorgen um die Zukunft der Staatsanwaltschaft Hanau macht er sich aber nicht: Einige Erfahrene Kräfte gehörten schon lange zu den Besten des Landes, hinzu kämen mehrere „junge Überflieger“.

Die spannenden Prozesse werden ihm wohl fehlen, sagt der begeisterte Sportler, langweilen werde er sich jedoch nicht. Er wird die freie Zeit nutzen, um mehr Fahrrad und Motorrad zu fahren. Und ehrenamtlich als oberster Richter der Deutschen Triathlon Union arbeiten.

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