1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Kinzig-Kreis

Vom Schafhof zum Spessarthaus

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Schafhof in Burgjoss wird derzeit renoviert.
Der Schafhof in Burgjoss wird derzeit renoviert. © Sascha Rheker/attenzione

Holzheizung und Café - eine Eigentümergemeinschaft saniert ein altes Dorfanwesen in Burgjoß.

Von Jörg Andersson

Schöner könnte das Berufsleben von Franz Bien kaum ausklingen. „Wenn alles fertig ist, gehe ich in Rente“, erzählt der Heizungstechniker und blickt auf die moderne Holzhackschnitzelanlage mit zwei Kesseln und dem fast zehn Meter hohen Pufferspeicher für 40000 Liter Wasser.

Nächsten Monat geht in Burgjoß ein ökologisches Musterprojekt ans Netz. Dann drehen die meisten der 700 Bewohner den Ölhahn zu. 146 von 180 Haushalten heizen künftig mit Biomasse aus dem umliegenden Wald. Auch Bien gehört zur Genossenschaft, die das mit dem Kreisumweltpreis ausgezeichnete Heizkraftwerk konzipiert und gestemmt hat. Die 3,1-Millionen-Euro-Anlage ist die größte Baustelle im Dorferneuerungsprogramm, aber nicht das einzige Gemeinschaftsprojekt.

Gegenüber der alten Wasserburg mausert sich ein Gebäude, dessen Ursprünge als Schäfereibetrieb rund 500 Jahre zurückliegen. Unter dem Namen Spessarthaus soll es ein örtliches und regionales Aushängeschild sein. Mit dem Landschaftspflegeverband, Spessart Regional, und dem Naturpark Hessischer Spessart haben drei Institutionen vor Jahresfrist Büros und eine Werkstatt in dem Anwesen bezogen.

„Nun kommen ein Café und Seminarräume dazu, geplant ist auch eine Arztpraxis“, sagt Rainer Schreiber. Jossgrunds Bürgermeister ist einer von elf Eigentümern, die das zuletzt unbewohnte Gebäude bei einer Zwangsversteigerung erwarben. Alle stammen sie aus Burgjoß, vereint in der Idee, auch mit Idealismus die Identität des Ortes zu erhalten. Der Schafhof, 1787 in seiner heutigen Form erstellt, hat zuletzt als Landsitz von Georg Hartmann Dorfgeschichte geschrieben. Der Frankfurter Fabrikant brachte Großstadtkultur in die Gegend und verwöhnte die Kinder.

Zuletzt war das Anwesen verwildert und zugewachsen. Alte Bilder lassen die neuen Besitzer wie Rolf Büttner (48) schwärmen. Der Bankkaufmann will das Gebäude samt 4000 Quadratmeter Grundstück stilgerecht wieder herstellen. Ein weißer Zaun und eine Rosenpergola sind in Erinnerung, im Vorhof soll der Asphalt verschwinden und die Sandsteineinfriedung möglichst geschlossen werden. Die alten Türen und Tore leuchten wieder rot.

Nur am Haupteingang sind sie einem modernen Glasentree gewichen. Im Inneren schleifen Handwerker den Parkettboden. Weiter hinten verkleidet Naturschiefer die Sanitäreinrichtungen. In Kürze wird Büttners Frau Viginia hier hausgemachten Kuchen servieren. Für die Eröffnung eines Cafés hat sie just 28000 Euro Zuschuss aus dem Leader-Programm für Regionalentwicklung erhalten. Auch die „elf Apostel“, wie die Eigentümer genannt werden, erhielten 200000 Zuschuss für die Sanierung. 165000 Euro haben sie bei der Versteigerung bezahlt, 600000 Euro wird nach ihren Schätzungen der Umbau kosten. Er erfolgt in Etappen. Nach der Renovierung des Bürotraktes soll eine Zwischendecke eingezogen werden, um im Obergeschoss noch Platz zu erhalten.

Auch das Dachgeschoss soll ausgebaut und mit Gaupen bestückt werden. Und wie immer im Jossgrund reduziert Eigenleistung den Preis beträchtlich. Der parteilose Bürgermeister Schreiber (39) ist mit Interessenten im Gespräch, die dort Gesundheitskurse und Englisch für Kinder anbieten wollen. Der Einbau eines Aufzuges ist für den Landarzt gedacht. Auch Jossgrund, vier Dörfer mit 3600 Einwohner, wird ein Bevölkerungsrückgang von bis zu 20 Prozent prognostiziert. „Das wollen wir abfedern und die Dörfer durch Infrastruktur attraktiv erhalten“, sagt Schreiber.

Auch interessant

Kommentare