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Enkh-Amar Altangerel beim Aufbau der Jurte im Campo Pond.

Hanau Campo Pond

Schafgeruch inklusive

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Besuchergruppen bei den Urwildpferden bietet ab sofort eine Jurte im Naturschutzgebiet Campo Pond Schutz vor Sonne und Regen. Der deutsch-mongolische Kulturverein hat in ehrenamtlicher Arbeit das Zelt errichtet. Alle Teile wurden eigens in der Mongolei gefertigt.

Die Tür ist in leuchtendem Orange gehalten, darauf sind farbenfrohe Muster zu sehen. „Das sind natürlich alles original mongolische Muster“, sagt Werner Kleemann, Vorsitzender des deutsch-mongolischen Kulturvereins mit Sitz im Rheingau. Mit sechs Helfern ist er in das Naturschutzgebiet Campo Pond gekommen, um hier eine original mongolische Jurte aufzubauen.

Dem Umweltzentrum Hanau wird die Jurte künftig als Info-Zelt bei Führungen zu den Przewalski-Urwildpferden dienen. Für rund 30 Personen bietet das kreisrunde Zelt Platz. „Außerdem ist es wetterfest und sturmerprobt“, sagt Gabriele Schaar-von Römer, Leiterin des Umweltzentrums. Da die Urwildpferde aus der Mongolei stammen, passe die Jurte ganz ausgezeichnet nach Campo Pond.

Schon vor Ostern wurde der Boden für die Jurte vorbereitet. „Zwei Tage hat es gedauert, die Holzkonstruktion aufzubauen“, sagt Kleemann. Und klärt gleich auf, dass die Jurte in der Mongolei „Ger“ genannt wird. Alle Bestandteile wurden in der Mongolei angefertigt. Und die sind für ein Zelt von sechs Metern Durchmesser überschaubar: Die Wand besteht aus einem Scherengitter, dazu kommen noch Streben. Alles besteht aus Lärchenholz. „Das ist nämlich sowohl fest wie biegsam“, sagt Kleemann.

Kein einziger Nagel

Kein einziger Nagel wird beim Aufbau verwendet, nur aus Ziegenleder gefertigte Riemen halten das Holz. Um das Scherengitter wird eine aus drei Lagen Tuch bestehende Stoffbahn gelegt. Das Dach decken die Helfer mit Schaffell. „Für ein Zelt braucht es die Wolle von 400 Schafen“, sagt Kleemann. Zwar rieche es anfangs leicht nach Schaf, doch würde mit der Zeit der Geruch geringer. Schaffell eigne sich besonders gut als Dämmstoff, da das Wollfett Wasser gut abhalte.

Eigentlich müsste das ganze Zelt mit Fell und Filz bedeckt werden, sagt Kleemann, doch da es sonst im Sommer zu warm drinnen würde, verzichten sie darauf. Erst im Winter wird es die Fellverkleidung an der Seite erhalten, denn die Jurte soll ganzjährig genutzt werden. Selbst ein Ofen hat im Inneren Platz, das Ofenrohr führt zum Dachkranz. Der kann geöffnet werden, so dass immer viel Licht ins Innere falle.

Den Aufbau überwacht Enkh Amar Altangerel, der selbst in der Mongolei in einer Jurte aufgewachsen ist. Da man vom Dachkranz aus den Lauf der Sonne verfolgen kann, wirke die Jurte wie eine riesige Sonnenuhr. Beindruckt ist Schaar-von Römer, als er ihr erzählt, wie er sich als Junge mit Geschwistern stritt, wer zuerst in den Sonnenstrahlen im Zelt stehen dürfe.

Rund 60 Jahre halte eine solche Ger, sagt Kleemann. „So haben wir trotz Rettungsschirm doch noch preisgünstig einen trockenen Unterstand für unsere Besucher bekommen“, sagt Schaar-von Römer. Die Helfer haben das Zelt in ehrenamtlicher Arbeit aufgebaut, die Materialkosten belaufen sich samt Bodenkonstruktion auf rund 5000 Euro.

Das Umweltzentrum bietet regelmäßig Führungen zu den Pferden an. Einen Workshop zum Verhalten von Wildpferden gibt es vom 23. bis 25. Mai. Weitere Infos und Anmeldung unter 0 61 81 / 30 49 148 oder per E-Mail an umweltzentrum@hanau.de.

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