Zunächst wird die künftige Linie X19 nur bis zum Hanauer Hauptbahnhof fahren.
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Zunächst wird die künftige Linie X19 nur bis zum Hanauer Hauptbahnhof fahren.

Hanau

Im Schnellbus fährt man länger

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Die neue Schnellbuslinie X19 soll Hanau mit dem Flughafen verbinden. Der Harken an der Sache: Die S-Bahn ist flotter am Ziel.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember soll von Hanau aus eine neue Schnellbuslinie zum Rhein-Main-Flughafen den Betrieb aufnehmen, berichtet der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Doch der Titel des künftigen „X19“ suggeriert nur eine flotte Fahrt zum Airport. Denn beim RMV heißt es auf Nachfrage der FR, dass der Bus keineswegs als Expresszubringer zu verstehen sei.

Hanaus Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) fordert vom RMV eine echte schnelle Verbindung zum Flughafen, nicht allein wegen der Flugreisenden und Beschäftigten. Neben dem X19 wird Hanau einen zweiten Schnellbus erhalten, den X57 nach Fechenheim, dessen Linienführung jedoch der des heutigen 560er entsprechen soll

Zurzeit ist der Flughafen mit der S-Bahn S9 von Hanau in rund 41 Minuten und nach 16 Haltestellen zu erreichen. Eine Fahrt, die gefühlt Stunden dauert. Allein mit dem Regionalexpress 55 kommt der ÖPNV-Nutzer in 27 Minuten und wenigen Stopps am Airport-Regionalbahnhof an. Allerdings handelt es sich um eine Verbindung für Frühaufsteher. Der Zug fährt vom Hanauer Hauptbahnhof nur um 6.23 Uhr und um 8.23 Uhr ab.

Für Pendler aus dem Rodgau

Der X19 ist zum gegenwärtigen ÖPNV-Angebot mit der S9 zeitlich keine Alternative zum Flughafen. „Die Fahrzeit von Hanau zum Flughafen wird ungefähr eineinhalb Stunden dauern“, heißt es von RMV-Pressesprecherin Petra Eschweiler. Mit seiner Linienführung Flughafen–Neu-Isenburg–Obertshausen–Hanau solle er Pendlern aus dem Rodgau die Fahrt nach Hanau verkürzen. Damit entfalle für diese Fahrgäste ein Umsteigen in Frankfurt oder Offenbach, um nach Hanau zu kommen. Aber auch aus einem anderen Grund ist der X19 nur bedingt für Flugreisende ab Hanau tauglich. Es handele sich bei den X-Linien um reguläre Omnibusse, die sich für viele Fahrgäste mit großem Gepäck, wie es etwa Urlauber mitnehmen, weniger eignen, so der RMV.

Laut Eschweiler sollen die künftigen Schnellbusse Ringverkehre bilden, während die S-Bahnlinien sternförmig auf Frankfurt zulaufen. Darum gelten bei der Nutzung der X-Busse die üblichen RMV-Tarife.

Bislang fährt ein Expressbus zwischen Königstein und Karben, der ob des Erfolgs demnächst bis Nidderau weitergeführt werden soll. Auch der X19 soll Ausbaupotential besitzen, sagt Eschweiler. Auf dem Linienplan könnten einmal die Endhaltestellen Flughafen–Erlensee stehen. „Aber das ist noch Zukunftsmusik“, so Eschweiler. Sollte sich nach einem Jahr der X19er etablieren, steht zunächst eine Fortführung bis zum Zentralen Omnibusbahnhof am Freiheitsplatz in Aussicht. In der ersten Betriebsphase wird der Bus am Hauptbahnhof enden.

Hanau und Umland profitieren

„Die zentrale Forderung aus Hanauer Sicht lautet: Wir brauchen eine deutlich schnellere Verbindung auf der Schiene zum Flughafen“, sagt Stadtrat Kowol. Die Stadt Hanau habe sich beim regionalen ÖPNV neben dem Bau der Nordmainischen S-Bahn das Ziel einer schnellen Erreichbarkeit des Flughafens gesetzt, der immerhin der größte Arbeitgeber Deutschlands sei, so Kowol. Mehr als 40 Minuten Fahrtzeit für rund 30 Kilometer seien zu viel.

Nicht nur Hanauer würden von einer kürzeren Fahrt profitieren. „Der Hanauer Hauptbahnhof hat eine starke Sammelfunktion für die Menschen aus dem Umland“, sagt Kowol. Zudem gebe es unter den Reisenden keineswegs nur Flugpassagiere. „Der Fernbahnhof am Flughafen hat sich mittlerweile zu einem wichtigen ICE-Knoten entwickelt“, sagt Kowol. Er sieht mit der Nordmainischen S-Bahn eine Chance, in deutlich weniger als 40 Minuten das Flughafenterminal zu erreichen. Die dann entfallende Regionalbahn könnte Streckenkapazität für einen Airport-Express schaffen.

Aus Sicht des RMV steht ein Engpass auf dem Abschnitt „Sportfeld“ bei Niederrad, der mittelfristig nicht zu beseitigen sei, dem entgegen. Und außerhalb der Spitzenzeiten jede zweite S9 an Haltestellen mit geringem Fahrgastaufkommen vorbeirauschen oder dort nur bei Bedarf halten zu lassen, um Fahrtzeit zu gewinnen, sieht Eschweiler aus betriebstechnischen Gründen skeptisch.

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