Chemieraum in der Otto-Hahn-Schule
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Chemieraum in der Otto-Hahn-Schule

Otto-Hahn-Schule

Rückkehr zu G9

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Motto heißt "Entschleunigung": Die Otto-Hahn-Schule will ihren Schülern wieder neun Jahre Zeit zum Abitur geben. Die endgültige Entscheidung trifft die Schulkonferenz.

Vor zwei Jahren hätte ich in der Rückkehr zu G9 ein Imageproblem für die Schule gesehen“, sagt Wolfgang Schröder. Heute stellt sich für den Schulleiter das Abitur in neun Jahren als ein Gewinn für die Kooperative Schule dar. „G9 bedeutet eine Entschleunigung – die Schüler kommen wieder in ein ruhigeres Fahrwasser“, erklärt er. Noch ist es nicht so weit. Anfang 2011 wird darüber in der Schulkonferenz mit Schüler- und Elternvertretern entschieden. Die Zeichen stehen jedoch deutlich auf G9.

Ein Vorhaben, das nicht angegangen wurde, weil die Sitzenbleiberquote ungeahnte Höhen erreicht hat. „Die Gespräche zur Schulentwicklung standen immer vor der Frage, G8 beizubehalten oder die Option der Kooperativen Schule zu nutzen, um zu G9 zurückzukehren“, sagt Thomas Hirt vom Elternbeirat. Jetzt sollte Klarheit geschaffen werden – jedoch nicht aus einem Bauchgefühl heraus.

Die Eltern zweier großen Grundschulen, deren Namen nicht genannt werden sollen, wurden nach ihrer Meinung gefragt. 105 Antworten kamen zurück. Das Ergebnis war eindeutig: 13 Elternteile würden ihr Kind auf eine G8-Schule schicken, 88 auf eine G9-Schule. Vier konnten sich nicht entscheiden. Auch an der Otto-Hahn-Schule holte der Schulelternbeirat ein Meinungsbild ein. Vor drei Jahren sagten noch 20 Prozent Ja zu G8. Diese Quote ist inzwischen auf neun Prozent geschrumpft.

Die Schülervertretung fragte unter den Jugendlichen. In den Schuljahrgängen 5 bis 9 sagten 70 Prozent der Befragten, dass sie mit ihrer Leistung nicht zufrieden seien. Ebenso viele beklagten den drastischen Verlust von Freizeit und Vereinsaktivitäten aufgrund von G8, stellen Leonie Rebentisch und Fabian Golle von der Schülervertretung fest.

Mit diesen Ergebnissen im Rücken bekräftigte sich nach Sitzungen der Arbeitsgruppe zur Schulentwicklung der Wunsch für einen Wechsel. „Unter den Pädagogen ist die Stimmungslage nicht so eindeutig“, berichtet Wolfram Hanreich, Vorsitzender des Personalrats, von der Lehrerkonferenz kurz vor den Weihnachtsferien. Das Thema werde nach wie vor sehr stark diskutiert. Nicht zuletzt bestehe auch eine Mehrbelastung für die Lehrkräfte wegen des Nachmittagsunterrichts – bis zu 34 Wochenstunden können anfallen. Das Lehrerkollegium will das Thema nicht in der Schulkonferenz im Januar auf die Tagesordnung setzen, wie es der Elternbeirat wünscht, sondern erst im Februar.

Keine Lizenz für Faulheit

Schulleiter Schröder sieht bei einem Wechsel keine besonderen organisatorischen Schwierigkeiten. Schröder und Hirt sind sich sicher, dass die Otto-Hahn-Schule mit G9 einen verstärkten Zulauf erhalten werde. Ein Jahr mehr bis zum Abi bedeute freilich nicht, dass sich Schüler einen faulen Lenz machen könnten.

„Wir dürfen uns mit G9 nicht in eine Transferschule für Leistungsschwache verwandeln“, betont Schröder. Auch soll die Entscheidung pro G9 nicht für immer fallen. „Wenn sich die Bedingungen für den Unterricht unter G8 bessern sollten, ist eine Rückkehr vorstellbar“, so Hirt.

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