Hanau

Spenden türmen sich

Der Kultur- und Sportvereins Bosnien und Herzegowina Hanau 1994 (KSV) sammelt seit Wochen für die Flutopfer in Bosnien.

Jeder Zentimeter im Clubheim des Kultur- und Sportvereins Bosnien und Herzegowina Hanau 1994 (KSV) wird benötigt. An den Wänden stapelt sich Bettwäsche, nebenan türmen sich kistenweise Reinigungsmittel. „Bis an die Decke stand alles voll mit Hilfsgütern“, sagt Vereinsvorsitzender Edin Halilovic. Denn der KSV sammelt für die Opfer der Flutkatastrophe in Bosnien.

„Mit dieser gewaltigen Hilfsbereitschaft haben wir nicht gerechnet“, sagt Halilovic. Als die ersten Nachrichten von der Überschwemmung bekannt wurden, rief der KSV über soziale Netzwerke zu Spenden auf. „Die Resonanz war unglaublich“, sagt Halilovic: Täglich brachten Privatleute und Firmen Sachspenden zum Vereinsheim in der Hafenstraße. Allerdings stieß der Verein an seine Grenzen: „Wochenlang wurde hier jeden Abend sortiert, verpackt und Kisten geschleppt, das geht an die Substanz.“ Die Menge der Hilfsgüter wurde zur Herausforderung. Daher bittet der Verein nur noch um Geldspenden. „Über 12 000 Euro haben wir schon erhalten“, sagt der 50-Jährige.

Vor dem Vereinsheim sortieren Helfer die Materialien, auch Suanita Muhic und Sabina Arnautovic. „Viele, die anpacken, sind Kriegsflüchtlinge, die in den 90er Jahren nach Deutschland kamen“, sagt Arnautovic. „Ich habe die Zerstörungen im Fernsehen gesehen und mich an den Krieg erinnert: Damals sah das Elend genauso aus“, sagt Muhic.

Helfer fährt spontan los

Ein Auto fährt vor, zwei Männer steigen aus und stellen Kisten mit Konserven und Babynahrung ab. „Das war der Vater eines Schulfreundes“, sagt Ervin Cirken. Der Neunjährige schreibt mit Permanent-Stift auf jede einzelne Packung, ob Schokoladentafel, Haferflockenpackung oder Reinigungsflasche, ein „H“. „Das steht für humanitäre Hilfe und soll verhindern, dass Geschäftemacher die Sachen verkaufen“, sagt Muhic.

„Die Hilfe kommt bei den Menschen an“, betont Halilovic. Die Waren werden an Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder Merhamet geliefert, die die Waren vor Ort verteilen. „Wir haben aber auch selbst in einigen Dörfer Waren verteilt“, sagt Arnautovic. Die Dankbarkeit, die sie dort erlebte, sei kaum in Worte zu fassen. Auf sozialen Netzwerken und der Internetseite zeigt der Verein Fotos und Videos. „So kann jeder sehen, dass die Hilfe auch ankommt“, sagt Halilovic.

Einer, der noch während der Flut im Katastrophengebiet eintraf, ist Ajdin Talic. Der Hanauer war auf dem Weg in den Urlaub, als er von der Flut erfuhr. Spontan brachte der 35-Jährige Hilfsgüter in das Gebiet der Städte um Sanski Most und Doboj am Fluss Sana. „Die Zerstörung können wir uns kaum vorstellen: Das Wasser stand teils 2,86 Meter hoch in den Häusern – und das in Gebieten, die fünf Kilometer vom Fluss entfernt sind“, erinnert sich Talic. Schulen, Apotheken, Krankenhäuser, Kirchen, Moscheen, die ganze Infrastruktur sei zerstört. „Und das sind arme Gebiete, die Menschen leiden noch unter den Folgen des Krieges.“

„Das Schlimmste steht den Menschen dort aber noch bevor“, sagt Halilovic. Die gesamte Ernte sei zerstört, der Boden mit Tierkadavern und Abfällen verseucht: „Es wird Jahre brauchen, bis man dort neu säen kann.“ Aber gleichzeitig habe die Not die Menschen auch zusammen gebracht. „In Gebieten, die sonst durch die Politik verfeindet sind, redet man wieder miteinander und packt gemeinsam an“, sagt Talic, „da konnten die Menschen zeigen, dass sie Menschen sind.“

Spenden an den KSV BIH Hanau, IBAN: DE38 5065 0023 0010 2868 05, BIC: HELADEF1HAN, Flutkatastrophe Bosnien. (som)

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