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Katja Simon geht als Hexe Rosina Apfelmus und wie hier als Wildparkführerin mit Besuchern durch die Alte Fasanerie.

Hanau

Mit Rosina Apfelmus durch den Wald

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Katja Simon gehört im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau zu den Naturpädagogen der ersten Stunde. Laut Simon ist die Nachfrage in Sachen Waldpädagogik hoch. Im Winter wird sie nur durch die Witterung gedämpft.

Katja Simon zählt zu den wenigen studierten Hexen hierzulande – wenn sie nicht sogar die einzige ist. Als Rosina Apfelmus führt Simon durch den Fasaneriewald bei Klein-Auheim, erzählt Kindern von den Tieren, die dort leben, und dem, was dort wächst. An die 15 Jahre arbeitet Simon als Naturführerin im Wildpark Alte Fasanerie. Ihr Wissen erhält die Diplom-Geografin mit Fachrichtung Geobotanik nicht erst im Studium.

„Schon als Kind besuchte ich oft die Alte Fasanerie“, erzählt Simon. Die Leidenschaft, „viel draußen in der Natur unterwegs zu sein“, hat sich bei ihr auch in der Studiumswahl und in der Diplom-Arbeit zur Biotop-Verbundplanung niedergeschlagen. Nach der Universität muss Katja Simon jedoch einen Mittelweg zwischen Beruf und Familie wählen. Ihr erster Job: Gästeführerin bei der Landesgartenschau 2002 in Hanau. „Das passte zum Familienleben“, sagt die Mutter von Kinder im Alter von zwölf, 15 und 19 Jahren. Familienkompatibel geht es danach weiter.

Noch bevor die Gartenschau sich zu Ende geht, wird Simon von der pädagogischen Leiterin des Wildparks, Sabine Scholl, zur Fortsetzung der Tätigkeit in der Alten Fasanerie engagiert. Nach dem Wechsel erarbeiteten Scholl und Simon ein breites Konzept, dass das dazu beitragen soll, vor allem jungen Kinder die Natur näher zu bringen und erlebbarer zu machen. Schon früh entwickelte sich daraus die Figur der Kleinen Wildparkhexe Rosina Apfelmus für Besucher im Alter von fünf bis zehn Jahren.

„Die Figur der kleinen Hexe wird von Kindern in dieser Altersgruppe gut angenommen, weil sie mit Rosina ihre Phantasie zu Tieren und Wald ausleben können“, sagt die 44-Jährige Hanauerin. Und natürlich ist Rosina nicht nur eine Person, die viel weiß, sondern die auch mit einer guten Portion Humor gesegnet ist. Das fängt bereits mit der Kostümierung an. „Ich trage einen großen Hut und einen weiten Umhang mit einem Frosch daran, mein verzauberter Liebhaber“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Ihr Lieblingstier ist die Amphibie nicht. Dieses Privileg fällt dem Uhu zu. Von einem toten Tier führt sie als Hexe den Fuß samt Krallen mit sich – natürlich nur als Anschauungsobjekt. In den Husten- oder Kräutertee, den sie mit ihren jungen Gästen zubereitet, kommt hingegen nur frisches Grünzeug.

Kinder, die den Wildpark mehrmals besuchen, bemerken schon, wenn Tiere wegen Verkauf oder Tod fehlen, sagt Simon. Sie redet dann nicht um den heißen Brei herum, sondern sagt, wie die Dinge stehen. „Diese Offenheit nehmen Kinder sehr gut auf“, sagt sie. Trotz Smartphone- und Computergeneration, sind Grundschüler laut Simon immer noch für die Natur zu begeistern, wenn sie spielerisch erklärt wird. Simon erzählt von einer Nachtführung, bei der eine Gruppe Jungs sich anfangs ziemlich bockig angestellt hatte. „Im Lauf der Wanderungen haben wir sie dann doch gekriegt und sie waren dann genauso interessiert wie die anderen Teilnehmer“, so Simon.

Kinder aus anderen Ländern fürchten sich nicht selten im Wildpark und dem Wald allgemein, weil für sie eine solche Umgebung völlig fremd sei. In Spielen werden dann Ängste abgebaut. Spiele und Aktionen sind für Simon gelegentlich auch eine gute Überbrückung, wenn sich die Tiere trotz ihres Aufenthalts in Gehegen und Gattern nicht wie auf Bestellung zeigen.

Die Waldpädagogik besteht für Katja Simon nicht nur aus Themenführungen als Wildparkhexe. Hierzu gehört auch etwa das Survival-Training für Kinder im Wald, wie man dort ohne technisches Geräte herausfindet und was man dort essen und trinken kann, um zu überleben. Laut Simon ist die Nachfrage in Sachen Waldpädagogik hoch. Im Winter wird sie nur durch die Witterung gedämpft, „im Sommer dagegen habe ich das Gefühl, ich könnte gleich in den Wildpark ziehen“, sagt Katja Simon.

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