Das Comoedienhaus Wilhelmsbad wurde 1781 in nur sechs Monaten eigentlich als reines Sommertheater erbaut.
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Das Comoedienhaus Wilhelmsbad wurde 1781 in nur sechs Monaten eigentlich als reines Sommertheater erbaut.

Comoedienhaus Hanau

Risse in den Balustraden

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Das Comoedienhaus Wilhelmsbad müsste eigentlich unbedingt energetisch saniert werden. Doch der Stadt fehlt das Geld dazu.

Das Comoedienhaus Wilhelmsbad müsste eigentlich unbedingt energetisch saniert werden. Doch der Stadt fehlt das Geld dazu.

Erbprinz Wilhelm höchstselbst dilettierte einst als Schauspieler auf der Bühne des Comoedienhauses. Von technischen Finessen der Neuzeit einmal abgesehen, dürfte er das kleine Theater fast genauso erlebt haben wie heutige Künstler und Zuschauer. Denn auch 232 Jahre nach seiner Eröffnung präsentiert sich das Comoedienhaus Wilhelmsbad nahezu unverändert: Den Zweiten Weltkrieg überstand es weitgehend unbeschadet, und bei seiner Restaurierung 1969 wurde streng auf Originaltreue geachtet.

Allerdings waren das die letzten großen Arbeiten an diesem entzückenden historischen Theater im Staatspark Wilhelmsbad – entsprechend hoch ist mittlerweile der Sanierungsbedarf. Die beiden Geschäftsführer der städtischen Comoedienhaus GmbH, Klaus-Dieter Stork und Matthias Wickert, gehen von einer „beträchtlichen siebenstelligen Summe“, also einem Millionenbetrag, aus. Indes: Angesichts der Finanzsituation der Kommune und des aktuellen Sparzwangs durch den Beitritt der Stadt Hanaus zum Schutzschirm des Landes ist dafür kein Geld da. Ein Dilemma, denn auf Dauer werden die bestehenden Mängel das Comoedienhaus nachhaltig schädigen.

So benötigt das 1781 eröffnete Theater dringend eine energetische Sanierung. „Wir haben sehr hohe Strom- und Heizungskosten von 6000 bis 7000 Euro im Monat“, sagt Matthias Wickert und erzählt, dass es bei den aktuellen Minustemperaturen selbst bei voll laufender Heizung nicht richtig warm wird, wenn der Zuschauerraum mit seinen 200 Plätzen nicht gut gefüllt ist. Auch der Einbau einer neuen Heizung vor einem Jahr änderte daran wenig.

Als Sommertheater konzipiert

Diese Probleme haben nicht allein mit dem Alter des Gebäudes, sondern auch damit zu tun, dass das Comoedienhaus einst als reines Sommertheater zur Belustigung der Kurgäste errichtet wurde; auf winterliche Außentemperaturen war man nicht eingestellt. Das Theater bräuchte deshalb im Dachgeschoss eine moderne Wärmedämmung und für das Parkett eine neue Zuluft-Technik.

Die aktuelle Situation lässt aber nicht nur die monatlichen Kosten in die Höhe schnellen, sie schadet auch der Bausubstanz. Das Heizsystem produziert sehr trockene Luft, die das im Comoedienhaus verbaute Holz spröde werden lässt. So sind an vielen Balustraden im Zuschauerraum schon starke Risse zu erkennen.

Die Comoedienhaus GmbH habe bereits ein Gutachten über die nötigsten Sanierungsarbeiten anfertigen lassen, sagt Wickert. Es sieht vier Bauabschnitte vor, die 2016 abgeschlossen wären, „würden wir gleich loslegen“. Doch daran ist nicht zu denken. „Vielleicht werden wir ja 2019, zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Comoedienhauses, fertig.“

Auch für die Räume im Obergeschoss des Kavaliersbaus über dem Theaterfoyer gibt es eine Expertise. Dort hatte einst das Kulturamt Büros. Die Mitarbeiter mussten allerdings 2002 wegen starken Schimmelpilz-Befalls ausziehen. Damals wurde alles rausgerissen: Wände, Fußböden – und dabei blieb es. Seither hat sich nichts mehr getan, das Geschoss steht leer. Kulturmanager und Geschäftsführer Stork hätte sich dort gut eine kleine Bühne für experimentelles Theater vorstellen können. Allein: „Ein Umbau ist aber finanziell nicht darstellbar“, sagt er. Derzeit investiere die GmbH immer gerade so viel, um den Betrieb am Laufen zu halten. So wurden 2008 die Zuschauersitze für 30000 Euro erneuert. Zwar gehört die Comoedienhaus GmbH zu jenen kommunalen Gesellschaften, die nicht defizitär arbeiten, doch für die großen Investitionen reicht es ohne zusätzlichen Zuschuss aus der Stadtkasse eben doch nicht.

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