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Der Schlossplatz wird vom Kanzleigebäude (r.) dominiert, in dem früher die Bibliothek war. 

Hanau

Ringen um Schlossplatz in Hanau

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Für den Entwurf von Baugesellschaft und Terramag zeichnet sich eine klare Mehrheit ab. Befürworter einer historisierenden Bebauung prüfen derweil ein Bürgerbegehren.

Am Montag werden im Hanauer Parlament die Weichen für das letzte Großprojekt des Stadtumbaus – die Umgestaltung des Schlossplatzes in der Altstadt – gestellt. Doch die Debatte um die Zukunft von Kanzleigebäude, Fronhof und Haus des Handwerks dürfte intensiv weitergehen.

Zwar zeichnet sich eine breite Mehrheit für den vom Magistrat favorisierten Entwurf des Planungsbüros Terramag und der städtischen Baugesellschaft Hanau (BGH) ab: Nachdem die CDU erst angekündigt hatte, die historisierende Bebauung der Frankfurter Gruppe KCI zu bevorzugen, stimmte sie jetzt im Ortsbeirat Innenstadt, wie SPD und BfH, doch für Terramag und BGH. Die CDU begründet ihre Kehrtwende vor allem mit einem größeren Vertrauen gegenüber den heimischen Bietern. Die Grünen, die mit SPD, BfH und FDP koalieren, enthielten sich, auch die ALL und Marion Oberesch (FDP). Letztere ist in ihrer Fraktion jedoch offenbar die einzige, die für die KCI-Pläne ist.

Die Entwürfe
Der favorisierte Entwurf der Baugesellschaft und des Planungsbüros Terramag sieht anstelle des Hauses des Handwerks, das abgerissen wird, einen Neubau mit Wohnungen, Gastronomie und Tanzschule vor. Im Erdgeschoss des Kanzleigebäudes sind Räume für Vereine und Firmen geplant, im Obergeschoss Büros von Terramag.

Das Konzept des Projektentwicklers 3W umfasst ein Hotel mit 120 Betten, wo derzeit das Haus des Handwerks steht. Die Kanzlei soll unten Platz für Gastronomie bieten, oben für Tagungs- sowie Konferenzräume. 3W setzt hier auf eine Kooperation mit dem Congress Park.

Die Frankfurter Gruppe KCI orientiert sich an den historischen Grundrissen der Altstadt und will die Erbsengasse wiederherstellen. Im Neubau soll es eine Brauereigastronomie, ein Café und Platz für Wohnungen sowie Hotelzimmer geben, im Kanzleigebäude für Event- und Seminarräume.

Die folgende Abstimmung dürfte also klar ausfallen. Allerdings prüft Reinhard Hühn, Vorsitzender des Ortsverbandes des Vereins Stadtbild Deutschland und Förderer der historischen Variante, ob sich dafür ein Bürgerbegehren in Gang setzen ließe. Er hält die Entscheidung des Magistrats um OB Claus Kaminsky (SPD) für nicht nachvollziehbar und unfair. Bei vielen Hanauern sei der Unmut über das Ergebnis der sogenannten Konzeptvergabe groß, sagt Hühn. Am Wochenende will er bei einer „Bürgerwerkstatt“ Unterstützer gewinnen.

Kaminsky & Co. indes weisen die Kritik zurück, sprechen von einem gerechten und transparenten Verfahren mit klaren Siegern. In der Vorlage für die Stadtverordneten werden dafür diverse Gründe genannt: Im Gegensatz zu den Favoriten müsste bei KCI etwa der Vertrag mit einer Projektgesellschaft geschlossen werden, deren Haftung auf ihr Kapital begrenzt ist. Während BGH und Terramag den Schlossplatz, wie im städtebaulichen Leitbild gefordert, als „großzügigen Stadtplatz mit eigener Prägung“ erhalten wollen, würde der KCI-Entwurf – der die frühere Erbsengasse wiederherstellen will – den Platz verkleinern und „erheblich beeinträchtigen“. Zudem sehe das Fassadenleitbild der Stadt hier gar keine historisierenden Bauten vor, sondern solche, die sich ins denkmalgeschützte Ensemble der Altstadt einfügen. Die Baugesellschaft und ihr Partner punkteten hier ebenfalls, darüber hinaus spreche für sie der unterzeichneten Letter of Intent mit der Tanzschule Berné als Hauptnutzerin des Neubaus. Die festen Zusagen fehlten bei KCI.

Beim Wiesbadener Bieter 3W wiederum werden Architektur und Hotel-Konzept gelobt, aber eine längere Dauer der Realisierung und ein eingeschränktes Veto-Recht der Stadt bei Betreiberwechseln bemängelt. KCI widerspricht der Kritik, auch in einem Brief an den Ortsbeirat, der der FR vorliegt. Darin heißt es unter anderem, KCI habe mehrere Absichtserklärungen namenhafter Firmen vorgelegt. Die Gründung einer haftungsbeschränkten Projektgesellschaft sei im Verfahren erlaubt und üblich, die Finanzierung nachweislich gesichert. Die historische Wiederherstellung hätten Vertreter der Stadt nie als Ausschlussgrund genannt, sonst hätte KCI den Entwurf nicht eingereicht.

Friedrich Doré von 3W macht derweil darauf aufmerksam, dass der bauliche Zustand des Kanzleigebäudes unklar sei und man hier mehr Zeit brauche. Und dass sie als einzige ein echtes Hotel-Konzept und bereits einen Betreiber hätten. Das Haus mit 120 Betten würde die Altstadt beleben und dem städtischen Congress Park gegenüber zu vielen mehrtägigen Veranstaltungen verhelfen.

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