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Ringen um Bereitschaftsdienst

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Von: Gregor Haschnik

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Ärztlicher Notdienst auf dem Prüfstand.
Ärztlicher Notdienst auf dem Prüfstand. © dpa

In Langenselbold ist eine Diskussion über den ärztlichen Bereitschaftsdienst entbrannt: Während sich der Fachausschuss für den Erhalt ausspricht, fürchtet die Stadt die hohen Kosten.

Der Langenselbolder Sozial-, Kultur- und Vereinsausschuss hat sich dafür ausgesprochen, den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu erhalten. Jetzt müsse geprüft werden, „welche Kosten auf die Stadt zukämen, wenn sie den Dienst allein fortführen würde, und ob sich die Nachbarkommunen daran beteiligen könnten“, sagt Verena Lenz, Leiterin des Amtes für Soziales und Kultur. Nach der Kostenprüfung sollen die Stadtverordneten wahrscheinlich im April über den Dienst entscheiden.

Kosten steigen immer weiter

Der Notdienst steht Bürgern an Samstagen, Sonntagen, Feier- und Brückentagen von 10 bis 14 Uhr zur Verfügung. Nach Angaben der Stadt nehmen nur noch vier bis fünf Patienten pro Tag das Angebot in Anspruch, und nicht alle kämen aus Langenselbold. Deshalb will die CDU-geführte Stadtspitze um Bürgermeister Jörg Muth den Dienst einstellen. Langenselbold trägt die ungedeckten Kosten mit und musste dafür bislang etwa 10000 Euro pro Jahr ausgeben. In den vergangenen Monaten sei es für die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die den Dienst organisiert, immer schwieriger gewesen, Ärzte dafür zu gewinnen, so Verena Lenz. Etwa 20 Euro Verdienst pro Patient seien nicht lukrativ. Die KV steigt spätestens Ende Juni aus, will aber schon Ende März aus ihrem Vertrag heraus. Sollte sich die KV bis Juni beteiligen, könnten aufgrund höherer Ärzte-Honorare Mehrkosten von bis zu 15000 Euro auf die Stadt zukommen. Für den Fall, dass Langenselbold den Dienst in Eigenregie weiterführt, schätzt Lenz die Kosten auf mehr als 40000 Euro.

Der Entscheidung des Ausschusses, den Erhalt des Dienstes zu fordern, ging eine lange Diskussion voraus. „Eine Kommune muss einen Bereitschaftsdienst anbieten, vor allem wegen der vielen älteren Menschen, die nicht so mobil sind“, sagt Armin Heck (SPD). Er zweifelt die niedrigen Patientenzahlen und die hohe Kostenkalkulation an. „Ein Bereitschaftsdienst lässt sich günstiger führen.“ Arzt Willi Heinrich von der Grünen Alternative Langenselbold (GAL), der auch die KV vertritt, hält Hecks Aussagen für „reinen Populismus“. „Wir haben hier ein gutes Ärztenetz und einen Bereitschaftsdienst im nahe gelegenen Bruchköbel.“ Langenselbold brauche keinen Dienst und könne ihn sich in Zeiten des Kommunalen Rettungsschirms auch nicht leisten, sagt Heinrich.

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