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Die Chance, einen Eisvogel zu beobachten, ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen.

Steinau

Reviere für den Eisvogel

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Seit 40 Jahren setzt sich ein Arbeitskreis des Nabu Main-Kinzig für sichere Habitate ein. Mit Monitoring will er nun für mehr Gewissheit um den Bestand des seltenen Vogels sorgen.

Über viele Jahre war der Eisvogel zumeist nur noch in der Bierwerbung zu sehen. In der Natur machte er sich geschickte Fischer mit Schwebeflugeigenschaften wegen der Landschaftszerstörung durch den Menschen immer rarer. Seit wenigen Jahren scheint sich die Entwicklung etwas umzukehren. An Gewässern im Main-Kinzig-Kreis ist wieder häufiger der scharf klingende Ruf des handgroßen, überwiegend eisblau gefiederten Vogels zu hören, sogar in Hanau. Die Erholung der Bestände ist auch dem vor 40 Jahren gegründeten Arbeitskreis Eisvogel im Naturschutzbund (Nabu) Main-Kinzig zu verdanken.

Monitoring verbessern

In einer Dokumentation wird nun ausführlich über die Entwicklung der Brutreviere und den Maßnahmen zum Erhalt berichtet. Als Basis für die Betrachtung werden etwa Beobachtungen und die Masterarbeit von Florian Winter genommen, der 2015 an der Goethe-Universität Frankfurt über die Population des Eisvogels im Main-Kinzig-Kreis forschte. Er entdeckte 28 Brutpaare im Kreisgebiet und in Hanau, etwa in der Schifflache.

Ein Fazit des AK lautet, dass die von Winter festgestellten Brutreviere überwiegend besetzt seien, das ergaben die Beobachtungsjahre 2017 bis 2019. Mehrere Jahre ohne drastische Winterverluste hätten mit zu diesem Ergebnis geführt, heißt es. Der Nabu schließt nicht aus, dass weitere Reviere entstanden sind, etwa im Bereich des Stausees bei Steinau einschließlich des Bereich des Ulmbachs und der Kinzig sowie des Fallbachs, des Graf-Dietrichs-Weihers sowie des Steinaubaches und der Sinn. Unklar sei jedoch die Situation im Bereich der Mittleren Kinzig zwischen Langenselbold und Wächtersbach. Dort gibt es mutmaßlich keinen Eisvogel.

Um Gewissheit über die dortige Situation zu erhalten, soll nunmehr das Monitoring verbessert werden. Dabei werde der Arbeitskreis auch die neuen Beobachtungsplattformen nutzen, heißt es. Ausschau soll aber auch nach den neuen Fressfeinden des Eisvogels gehalten werden, die wegen des Klimawandels sich seit einigen Jahren rasch ausbreiten Neozoen wie der Mink oder Waschbär.

Wie in den vergangenen 40 Jahren sieht der Arbeitskreis auch künftig seinen Schwerpunkt darin, die Habitate des Eisvogels zu verbessern. Laut Arbeitskreis geschehe dies „bereits sehr erfolgreich an den Teichen“, die im Eigentum des Nabu sind oder von ihm betreut werden. Im vergangenen Spätherbst etwa wurde entsprechend eines Pflege- und Entwicklungsplans der adulte Fischbestand im Klesberger Weiher von Mitgliedern des AK abgefischt, um Platz für Amphibienlarven und Jungfische zu machen, die auf dem Speiseplan des Eisvogel stehen.

Vor drei Jahren wurde begonnen die Biberteiche bei Bellings zu einem potenziellen Eisvogelhabitat zu gestalten. Am Ahlersbach wurden überdies Gefahrenquellen entfernt wie Plastik- und Asbestverbauungen oder über Kleingewässer gezogene Weidezäune, die auch für Schwarzstorch und Graureiher zum Verhängnis werden können, teilt der AK mit.

Der Eisvogel im Kreisgebiet bevorzugt offenbar die natürliche Kinderstube für seinen Nachwuchs – Versuche mit vier Brutboxen seien ins Leere gelaufen. Der Arbeitskreis fordert als Konsequenz, „Schutzmaßnahmen in den amtlichen Maßnahmenplänen der FFH- und Vogelschutzgebiete im Kreis zu verankern und für deren Umsetzung zu sorgen“. NABU-Schutzgebiete wie die Biberteiche bei Bellings können dabei Vorbildcharakter entwickeln, heißt es.

Der Eisvogel - ein schillernder Flugakrobat

Der Eisvogelist in Europa, Asien, Nordafrika und Australien heimisch. An die 90 Arten soll es weltweit geben. 

In Mitteleuropaist nur der Alcedo Atthis bekannt, der mit eisblauen Rücken- und Flügelgefieder auffällt, das zu seiner Namensgebung beitrug. 

Gewässersind sein Habitat, wo er mit seinem langen Schnabel im Sturzflug kleine Fische oder Amphibien fängt. 

Seine Beuteschlägt er mit dem Kopf so lange gegen einen Ast, bis sie aufhört zu zappeln, um sie dann zu schlucken. 

Besondere Flugeigenschaftenzeichnet ihn aus, etwa pfeilschnelles Fliegen über Gewässer oder der Schwebeflug. 

Die Zahl der Brutpaarein Mitteleuropa liegt bei bis 20 000, ein Drittel davon in Deutschland. Laut Nabu Main-Kinzig gibt es in Hessen 200 bis 600 Brutpaare, im Main-Kinzig-Kreis knapp 30. 

In Deutschlandist der Eisvogel streng geschützt. sun 

www.nabu-mkk.de

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