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Der Reiz der Unparteilichkeit

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Von: Pamela Dörhöfer

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Susanne Franke an ihrem neuen Arbeitsplaz in Hanau.
Susanne Franke an ihrem neuen Arbeitsplaz in Hanau. © Rheker

Susanne Franke ist die neue Präsidentin des Landgerichts Hanau, wird aber auch weiterhin selbst Urteile sprechen.

Die Möglichkeit, entscheiden zu können – das ist eine Seite ihres Berufs, den Richterin Susanne Franke besonders schätzt: „Und ich muss mich für keine Partei entscheiden, muss nicht subjektiv sein wie ein Anwalt.“ Seit Montag ist die 49-Jährige die neue Präsidentin des Landgerichts Hanau, sie tritt die Nachfolge von Rainer Mößinger an, der in den Ruhestand gegangen ist.

Der abwägende, zuweilen auch ausgleichende Charakter dieser so verantwortungsvollen Tätigkeit könnte ein Grund sein, warum immer mehr Frauen Richterinnen werden wollen: „Bei Neueinstellungen sind mittlerweile mehr als 50 Prozent weiblich“, sagt Susanne Franke. Sie sieht aber noch ein anderes Motiv im Vordergrund: „Der Richterberuf ist für Frauen interessant, weil sich Beruf und Familie im öffentlichen Dienst besser vereinbaren lassen als in einer großen Anwaltskanzlei – auch wenn die finanziellen Entwicklungsmöglichkeiten dort besser sind. Aber eine Richterin ist flexibler, sie kann jederzeit ihren Dienst reduzieren.“

Allerdings sagt Susanne Franke, selbst Mutter eines siebenjährigen Sohnes, auch: „In Führungspositionen sind Richterinnen nach wie vor selten. Ich bin erst die dritte Landgerichtspräsidentin, die es in Hessen jemals gegeben hat.“ Sie selbst hat ihre Karriere nach dem zweiten juristischen Staatsexamen an der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität als Rechtsanwältin begonnen – blieb aber nicht einmal ein Jahr in dieser Anstellung: Im Winter 1990 wechselte die Juristin an das Landgericht Frankfurt, neun Jahre später wurde sie zur Richterin am dortigen Oberlandesgericht ernannt.

Zuletzt war Susanne Franke Vizepräsidentin des Landgerichts Frankfurt, wo sie sich unter anderem um dessen Modernisierung kümmerte und Vorsitzende der Großen Strafkammer war. In Hanau übernimmt die Richterin von ihrem Vorgänger die Zuständigkeit für Zivil-Berufungsprozesse. Das klingt erst einmal weniger prickelnd als der Vorsitz einer Strafkammer – hat aber seinen eigenen Reiz, findet Susanne Franke: Beim Strafrecht sei es „spannend, die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens durchzusetzen“. Am Zivilrecht hingegen schätze sie es, „dauerhaft für Ruhe“ zwischen Streithähnen sorgen zu können.

Die richterliche Tätigkeit macht indes nur die Hälfte ihres künftigen Alltags aus: Gleichzeitig hat Susanne Franke auch die Verantwortung für die Bezirke Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern und deren 300 Beschäftigte. Sie sei gerne Chefin, sagt die gebürtige Frankfurterin, die heute in Seligenstadt lebt. Ihren Führungsstil bezeichnet sie als „kooperativ, nicht hierarchisch“: „Gleichwohl kann ich entscheiden.“

Sehr freundlich sei sie von den Kollegen in Hanau aufgenommen worden, sagt die neue Präsidentin. Nur mit einem konnte sie sich bislang noch nicht recht anfreunden: ihrem Arbeitszimmer, dessen Einrichtung sich als hoffnungslos geschmackloses Sammelsurium der 50er bis 80er Jahre darstellt. Sie sei keineswegs „aufgeschlagen“, um gleich alles nach ihren Vorstellungen zu verbessern, erklärt Franke: „Aber das hier muss sich ändern.“

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