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Maintal

Reifenprofil-Gravur für Biker

  • VonFrank Sommer
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Seit 150 Jahren ist die Firma Wörner auf die Trauring-Herstellung spezialisiert. Noch heute handelt es sich bei dem Betrieb um ein Familienunternehmen.

Wie Zuckerperlen schauen sie aus, die kleinen Goldkügelchen. Zbigniew Scharmach füllt sie in einen Tiegel ein, auch Silber und Kupfer schüttet er hinzu. „Je nachdem, welches Metall wir hinzugeben, verändern wir die Farbe des Goldes“, sagt er. Durch Zugabe von Kupfer wird das Gold rötlicher, durch Palladium es weißer. Den Tiegel und eine am Boden verschließbare Gussform setzt Scharmach in einen Induktionsschmelzofen ein, rasch erhitzt der das Metall auf über 1000 Grad Celsius.

„1064 Grad sind der Schmelzpunkt für Gelbgold“, sagt Scharmach, durch eine Scheibe blickt er auf das blubbernde flüssige Goldes. Dann streift er dicke Handschuhe über und nimmt eine Zange. Er löst damit die Verriegelung am Gussformboden, durch zwei Walzen, die das Gold auf 90 Grad abkühlen, zieht er langsam einen flachen Stab des Edelmetalls aus der Maschine.

Nach Gold schaut der Stab aber nicht aus, bläulich schimmert das Metall. „Läge es so auf dem Boden“, sagt Albert Wörner, „wohl keiner würde sich danach bücken: Jeder hielte es für Abfall.“ Wörner ist Geschäftsführer des nach ihm benannten Maintaler Unternehmens, das sich auf die Herstellung von Trauringen spezialisiert hat. Die Goldstangen sind Teil des Erfolgs.

Ringherstellung revolutioniert

Bis 1979 war es als die in Hanau 1864 gegründete Firma Wilhelm Schwahn bekannt, noch heute ist ein Schwan das Symbol der Schmuckhersteller. Die Familien Schwahn und Wörner führten einst die Geschäfte gemeinsam. Wie vor 150 Jahren ist es ein Familienunternehmen: Neben Albert Wörner arbeiten seine Frau Margot und Sohn Andreas in der Firma, die 23 Angestellte beschäftigt. Seit vergangenem Jahr ist Andreas Wörner ebenfalls Geschäftsführer.

„Im Jahr 1897 ließ Konrad Schwahn ein Verfahren patentieren, das die Ringherstellung revolutionierte“, sagt Wörner. Aus den Goldstäben werden Ringe herausgestanzt, die Seiten hochgestülpt – und nicht wie zuvor aus einem dünnen Goldband gerundet und gelötet. „Mit diesem Verfahren entstand der nahtlose Trauring“, sagt Wörner, „eine Hanauer Erfindung.“ Dabei sah es 1979 so aus, als würde die Firma verschwinden. „Die alte Firma war pleite, mein Mann kaufte die Goldabteilung vom Konkursverwalter“, sagt Margot Wörner. Eine schwere Zeit sei es gewesen, erinnert sie sich, denn die Banken wollten keinen Kredit geben. Ein Verwandter half schließlich, mit fünf Angestellten fingen beide wieder an. „Wir hatten für das Büro nur eine Halbtagskraft, wenn die ging, habe ich dann für sie übernommen“, sagt die promovierte Ärztin.

Bis in die Abendstunden haben sie Goldpreise abgeglichen und Musterkoffer erstellt. „Als mein Sohn dann geboren wurde, nahm ich ihn mit in die Firma“, sagt Margot Wörner. Auf Spaziergängen mit ihm im Kinderwagen lieferte sie in Hanau Ringe aus. „Aber heute ist die Firma gut aufgestellt“, sagt ihr Sohn. Juweliere in ganz Europa werden von Wörner beliefert.

Individuelle Bearbeitung

Die Ringrohlinge werden nach Kundenwunsch individuell bearbeitet. Etwa von Goldschmiedin Petra Reitzenstein. „Mit einem Spezialsauger werden jeden Abend die Späne eingesammelt“, sagt Andreas Wörner. Die Reste kommen zu einer Scheideanstalt und werden in die Ursprungsmetalle geschieden. „Wir arbeiten ressourcenschonend“, sagt der 33-Jährige, nur Recycling-Gold wird verarbeitet. „Auch die Diamanten stammen aus konfliktfreien Quellen“, sagt er, den Kunden sei das heute wichtig.

Zwar können einfache Ringe auch maschinell gefertigt werden, doch sind Goldschmiede unentbehrlich. „Ringe mit mehreren Metallschichten oder mit künstlerischer Verzierung sind nur von Menschenhand machbar“, sagt Andreas Wörner. Etwa, wenn der Fingerabdruck des Partners eingraviert oder Diamanten von einem bestimmten Muster eingesetzt werden sollen. „Heute soll jeder Ring ein Unikat sein.“

Einen der aufwendigsten Ringe zeigt seine Mutter Margot: Es ist ein dicker Trauring, der wie ein Reifen gemustert ist. „Der war für eine Bikerhochzeit“, sagt sie. Einen halben Tag habe es gedauert, Reifenprofil einzugravieren. Für einen normalen Ring braucht es sonst rund eine halbe Stunde. „Oft bekommen wir von Juwelieren auch Anrufe, dass wir noch für den gleichen Tag Ringe anfertigen sollen, die direkt aufs Standesamt gebracht werden müssen“, lacht sie.

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