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„Die Bremer Stadtmusikanten“ waren bereits 2011 bei den Festspielen zu sehen, aber nicht mit einer Katze als Operndiva.

Hanau

Rappender Hahn, rockender Esel

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Die Festspiele in Hanau wollen mit Variationen von Klassikern wie den Bremer Stadtmusikanten und einem Musical über die Brüder Grimm überzeugen.

Eines haben sie gemeinsam: Es blieb ihnen nur die Flucht, der Aufbruch in ein neues Leben, weil niemand sie mehr haben wollte. Das schweißt zusammen, eigentlich. Doch der Hahn ist ein lässiger Rapper, die Katze eine Operndiva, der Esel Rock’n’Roller durch und durch und der Hund ein eher gemütlicher Volks- und Schlagermusiker. Wie sollen sie bei den krassen Differenzen eine Band bilden, die „Bremer Stadtmusikanten“? Und wie die vielen Abenteuer bestehen?

Die für Familien geeignete neue Interpretation des Märchenklassikers gehört zu den insgesamt fünf Stücken bei den 35. Brüder-Grimm-Festspielen und soll dazu beitragen, dass die Spiele ein Publikumserfolg werden. Intendant Frank-Lorenz Engel, von dem das Buch für die Stadtmusikanten stammt, verspricht eine witzige, abenteuerreiche Variante über Zusammenhalt. „Neu und facettenreich“ – das ist Lorenz’ Anspruch für diese und die anderen Uraufführungen.

Mit dem Vorverkauf sind die Macher mehr als zufrieden. Nach Angaben von OB und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD) wurden im Vorverkauf so viele Karten wie noch nie abgesetzt: 39 100. Das entspreche einem Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr, als der bisherige Bestwert erzielt wurde.

Kaminsky wertet dies als Vertrauensvorschuss und Beleg für die gute Entwicklung der Spiele. Sie seien das Aushängeschild Hanaus bei der Vermarktung als Brüder-Grimm-Stadt. Ein weiterer Baustein ist das neue Mitmachmuseum „GrimmsMärchenReich“, das in den ersten zwei Wochen 5000 Besucher zählte.

Der Etat der Festspiele liegt bei etwa 1,2 Millionen Euro. Davon steuert die Stadt 375 000 Euro bei, der Kulturfonds 95 000 Euro. Der Rest kommt überwiegend von Sponsoren oder muss selbst erwirtschaftet werden.

Die Brüder Grimm werden zu Musical-Stars.

Ein Höhepunkt in diesem Jahr soll „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“ werden, der Auftakt. Das Musical mit Liveband lässt die Brüder „leibhaftig“ erscheinen, ist aber kein biografisches Werk, sondern eher eine „wilde Abenteuerreise“ durch die Märchenwelt, sagt Regisseur Jan Radermacher. In diese bunte Welt tauchen die zumeist in einem grauen Studierzimmer hockenden Wissenschaftler ein, nachdem sich Jacob an einer Spindel gestochen hat. Es kommt zu Begegnungen mit Märchenfiguren wie Rapunzel und dem bösen Wolf – und einer gefährlichen Urhexe Tredecima, die sie in die „wirkliche Welt“ verfolgt. Entsprechend kontrastreich sind die Bühnenbilder gestaltet. Während die Umgebung der Wissenschaftler schwarz-weiß und grau ist, wirkt das farbige Märchenuniversum im Vergleich dazu psychedelisch.

In dem „Schneewittchen“ von Stephan Lack, der den Autorenwettbewerb des Festivals gewonnen hat, sind die Zwerge Rebellen. Sie wollen zum Beispiel nicht auf ihre geringe Größe reduziert, sondern als „Bergmänner“ bezeichnet werden. Sie erzählen ihre eigene Geschichte, wobei die kleinen Männer verschiedene Rollen einnehmen und Figuren aus anderen Märchen erscheinen.

In der Reihe „Grimms Zeitgenossen“ schließlich führt Intendant Engel Regie bei Schillers klassischem Drama „Maria Stuart“. Ein Grund für die Wahl: Jacob Grimm schrieb einst, das tragische Talent in Schiller sei „entschiedener und größer als in Goethe“. Madeleine Niesche als Elisabeth I. wird eine Königin von England zeigen, die immer wieder schwankt zwischen Machtanspruch und Mitgefühl. Soll sie das Todesurteil für ihre Verwandte Maria Stuart, Königin von Schottland, unterzeichnen? Engel sieht in dem Drama einen zeitlosen Politthriller um Leben und Tod, der die Zerrissenheit des Menschen zeige.

Im Amphitheater in Schloss Philippsruhe werden „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“, „Maria Stuart“, „Die Bremer Stadtmusikanten“, sowie „Schneewittchen“ aufgeführt, in der Ruine der Wallonisch-Niederländischen Kirche wird wie 2018 „Die Leiden des jungen Werther“ gezeigt. Die Spiele beginnen am 10. Mai und enden am 28. Juli.

An diesem Wochenende findet ein Märchenfest statt, zu dem die Stadt und der „Hanauer Anzeiger“ einladen. Am Samstag und Sonntag gibt es in Schloss Philippsruhe jeweils von 11 bis 18 Uhr Mitmachangebote, Lesungen, Musik sowie freien Eintritt ins Museum „GrimmsMärchenReich“ und zehn Prozent Rabatt auf Festspielkarten. (gha)

www.festpiele.hanau.de

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