Trennlinie, gefährlicher Begegnungsverkehr auf dem Geh- und Radweg am Steinheimer Main-Ufer (Archivfoto 2009).
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Trennlinie, gefährlicher Begegnungsverkehr auf dem Geh- und Radweg am Steinheimer Main-Ufer (Archivfoto 2009).

Radfahren in Hanau

Radler geben Hanau keine Traumnoten

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Trotz Verbesserung beim Fahrradklimatest sieht der Fahrradclub ADFC in Hanau noch Nachholbedarf. Hauptkritikpunkt ist der Zustand der Radwege.

Aus dem bundesweiten Fahrradklimatest 2016 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ist die Stadt Hanau als zweitbester Aufholer hervorgegangen. Im Vergleich zum Test von 2014 verbesserte sich die (Schul-)Note um rund 0,3 Punkte auf 3,6. Aber bei einer „vier plus“ bleibt es weiterhin und der ADFC befindet: „Die Note ist noch zu schlecht.“ Die am Klimatest teilnehmenden Radler kritisierten besonders etwa die Enge und den Zustand der Radwege. Der Ende Juni zum Stadtrat gewählte Thomas Morlock, der von der FDP nominiert worden ist, will die Verkehrspolitik pro Fahrrad seines Amtsvorgängers Andreas Kowol (Grüne) fortsetzen. Zu den frühen Amtshandlungen von Morlock zählt, dass er mit Vertretern des ADFC ein Gespräch plant.

„Der Fahrradclub besitzt ein großes Fachwissen, das muss genutzt werden“, sagt Morlock der FR auf Anfrage. Er misst dem Velo eine wachsende Bedeutung für den innerstädtischen Verkehr bei. „Ich sehe das weniger ideologisch, denn in Hanau wird der Platz für Autos immer weniger“, sagt Morlock, dem die politische Konkurrenz vor der Stadtratwahl nachsagte, er kenne die Stadt nur aus der Autositzperspektive. Eine Behauptung, die Morlock nur zum Teil gelten lässt.

Weitgehend auf dem harten Fahrradsattel hatte Amtsvorgänger Kowol, der als Stadtrat nach Wiesbaden gegangen ist, die Hanauer City kennengelernt, indem er meist das Velo statt den Dienstwagen bevorzugte. „Dass Hanau nun zu den besten Aufholern zählt, ist Kowol zu verdanken“, sagt ADFC-Pressesprecher Jörg Brauns. Zwar hätten sich auch andere Verkehrsdezernenten immer wieder um eine Verbesserung der Situation für Radfahrer bemüht, Kowol habe jedoch nicht allein auf teure bauliche Änderungen gesetzt, sondern auf schnell umsetzbare. In der Innenstadt darf nun mit dem Velo in den meisten Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung gefahren werden, so Brauns. Überdies sei an vielen Straßen die Radwegepflicht aufgehoben worden. Radler dürfen auf diesen Abschnitten auch die Fahrbahn nutzen.

Grund ist die vielerorts geringe Breite der Radwege, was in dem Klimatest denn auch mit der Note 4,4 bewertet wurde. So gibt es etwa entlang der vierspurigen Nussallee pro Richtung nur einen schmalen Streifen für Radler auf den Gehwegen. Der Pedaltreter muss hierbei Verkehrszeichen- und Ampelmasten oder Werbeständer umkurven. Kaum anders die Situation an der Philippsruher Allee, die stark von Fahrradnutzern frequentiert wird. Dort wird mit 1,25 Meter Breite den Radler weniger Platz zugemessen als dem Straßenbegleitgrün. Die Freiheit nun auf einer Verkehrsfläche mit den Autos „mitzuschwimmen“ findet laut Brauns nur begrenzt Akzeptanz. „Ängstliche Radfahrer werden weiterhin auf den Gehwegen fahren, was je nach baulicher Situation eine juristische Grauzone darstellen kann.“ Der ADFC fordert, die Stadt soll Fahrrad-Zeichen auf den Asphalt malen, um die gleichberechtigte Nutzung der Straße zu verdeutlichen.

Was der neue Verkehrsdezernent bewirken wird, darüber äußert sich der ADFC zurückhaltend. „Wir wollen nicht von vornherein Kritik an ihm üben“, heißt es. Dass Morlock, der über Jahre als Vorsitzender der nicht gerade als Radlerlobby bekannten FDP-Fraktion im Hanauer Stadtparlament tätig war, den ADFC zu einem Gespräch eingeladen hat, wird vom Fahrradclub allerdings schon mal als positiv bewertet.

Realisierung einer Velogarage noch offen

Mit dem Ergebnis des Klimatests wird sich kein Arbeitskreis beschäftigen. Morlock kann sich jedoch vorstellen, dass sich die künftige Stabsstelle Nachhaltigkeit des Klimatests annehmen werde. Er selbst werde die Arbeit des Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS) in Sachen Radverbindungsbau politisch unterstützen. Die gefassten Beschlüsse der Stadtverordneten werden weiter umgesetzt, so Morlock. Hierzu zählen Lückenschlüsse entlang des Innenstadtrings etwa im Bereich der Vorstadt, Steinheimer Straße bis Friedrich-Ebert-Anlage.

„Die Maßnahmen, die bereits auf den Weg gebracht worden sind, werden Hanau in der Bewertung des nächsten ADFC-Fahrradklimatests mit Sicherheit nicht zurückfallen lassen“, sagt Morlock. Frühere Ideen wie ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof und in der Innenstadt, die Hanau im Ranking weiter nach vorne bringen und damit letztlich das umweltfreundliche Verkehrsmittel fördern könnten, sollen nicht forciert angegangen werden. Die Realisierung eines solchen Parkhauses am Bahnhof sei noch offen, sagt Morlock. In der Innenstadt etwa am Marktplatz oder Freiheitsplatz sieht er hingegen keine Fläche für eine Velogarage.

„Fahrraddiebstahl ist ein grundsätzliches Problem, auch in Städten, die beim Klimatest ansonsten gute Noten erhielten“, sagt Brauns. Laut Klimatest hat sich diese Sachlage in Hanau verschlechtert (Note 4,2, vorher 4). Als wenig attraktiv bezeichnet der ADFC das Unterwegssein mit einem leichten Velo, wenn zu dessen Sicherung ein zwei Kilogramm schweres Kettenschloss mitzunehmen ist.

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