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Wasserknappheit: Die Hochwasserschutz Kinzigtalsperre bei Ahl soll bald auch Trinkwasser für das Kreisgebiet liefern. Joachim Storch
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Wasserknappheit: Die Hochwasserschutz Kinzigtalsperre bei Ahl soll bald auch Trinkwasser für das Kreisgebiet liefern. Joachim Storch

Brachttal

Protest gegen neuen Vertrag zur Grundwasserförderung in Brachttal

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Politik und Gemeinde fordern eine kürzere Laufzeit und die Entnahme geringerer Wassermengen. Der Wasserverband Kinzig plant, in den kommenden 30 Jahren mehr Wasser aus den Brachttaler Brunnen gen Frankfurt zu pumpen.

Die Freien Wähler (FW) in Brachttal haben einen Hilferuf in Form eines offenen Briefes an alle Landtags- und Kreistagsfraktionen, an den hessischen Ministerpräsidenten, die Oberbürgermeister von Hanau und Frankfurt sowie an das Regierungspräsidium Darmstadt adressiert. Es geht um die Wasserversorgung für das Rhein-Main-Gebiet. Der Wasserverband Kinzig (WKV) hat derzeit einen Wasserrechtsantrag in der Offenlage, um für die kommenden 30 Jahren mehr Wasser aus den Brachttaler Brunnen gen Frankfurt zu pumpen als dies gegenwärtig geschieht. Und das, obwohl die Grundwasserpegel in der Vogelsbergregion seit drei Jahren fallen, so die FW mit Verweis auf Messungen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).

Man spreche sich weiterhin für eine Wasserlieferung aus. Aber, „unter den aktuellen und künftig zu erwartenden klimatischen Herausforderungen sind eine für diesen langen Zeitraum erstellte Erlaubnis und starre Gesamtmengen nicht geeignet“, heißt es in dem Brief der FW. Auch wenn bei solchen Anträgen zur Wasserentnahme ein 30-jähriger Vergleichszeitraum als Datenbasis gebildet werde, dürfe eine solche Tendenz in der Entwicklung der Grundwasserspiegel nicht unberücksichtigt bleiben, heißt es.

Die FW will eine Fortsetzung der Genehmigung mit zwölf Forderungen verknüpfen, darunter die Genehmigungsdauer auf acht Jahre zu begrenzen, die Entnahmemenge so anzupassen, dass eine Erholung der Grundwasserbestände möglich ist, und dass der Gesetzgeber den Kommunen die Auflage macht, den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren.

WASSERVERBAND KINZIG

Mit dem Wasserwirtschaftlichen Rahmenplan Kinzig 1961 wurde der Verband von den Städten Frankfurt, Hanau sowie den damaligen Landkreisen Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern zur Wasserbeschaffung gegründet.

Rund 3,4 Millionen Kubikmeter (Stand 2009) werden pro Jahr an die Verbandsmitglieder abgegeben.
Das Gros fließt nach Frankfurt (77,9 Prozent) gefolgt von Hanau (11,8) und dem Main-Kinzig-Kreis (10,3). Diese Verteilung wurde 1977 beschlossen.

Seit den 1990er Jahren warnen und protestieren das Wasserforum Brachttal und die Schutzgemeinschaft Vogelsberg vor den Folgen des ungebremsten Grundwasserverbrauchs. sun

Bürgermeister Wolfram Zimmer (CDU) äußert sich mit seiner Kritik an dem neuen Antrag des WVK nahezu deckungsgleich mit dem Brief der FW. Die hohe Wasserentnahme habe schon in den 1990er Jahren bei den Brachttalern zu Protesten geführt, weil Hausfassaden Risse und der einst fürstliche Wald Trockenschäden zeigten. Obendrein trage die Gemeinde nur die Lasten, erhalte aber keine monetäre Vergütung.

Die Pegel seien erheblich gesunken, weil es in den vergangenen Jahren mangels Schnee zu keiner nennenswerten Grundwasserneubildung gekommen sei, so Zimmer. Dabei habe der WKV wegen einer technischen Störung in einem Brunnen über zehn Jahre lediglich knapp 1,9 Millionen statt der seit 2001 erlaubten 2,6 Millionen Kubikmeter pro Jahr fördern können. Die beantragte Genehmigung sehe - bei einem neuen Brunnen - ein Maximum von 2,5 Millionen Kubikmeter vor.

Zimmer verlangt vor allem von Frankfurt nach dem Wasserhaushaltsgesetz zu handeln und ortsnahe Resourcen zu nutzen. „Es darf nicht sein, das Frankfurt wegen eines Neubaugebietes sogar Brunnen schließt“, so Zimmer. Kritik gab es auch an Hanau und Rodenbach, wo Neubaugebiete ohne Rücksicht auf künftige Verbräuche und Grundwasserneubildung entstünden.

Laut Zimmer lasse die Gemeinde von einer Fachkanzlei Einwände gegen den Genehmigungsantrag prüfen. Sollte das Regierungspräsidium den Antrag genehmigen, will sich Brachttal rechtliche Schritte vorbehalten, so Zimmer.

Der WVK erklärt in einer Stellungnahme, dass die Bedenken und Anregungen „sehr ernst“ genommen würden. Entkräftet diese aber: „Für den Schutz der Naturräume ist daher nicht die genehmigte Höchstfördermenge entscheidend, sondern die Begrenzung der Fördermengen nach der tatsächlichen, lokalen Grundwasserverfügbarkeit für die Biotope“, heißt es. Die Verfügbarkeit werde daher laufend per Pegelmessung bestimmt, so der WVK. Eine „flexible Fördermengenverlagerung“ auf andere Brunnen sorge bei Trockenzeiten für eine stabile Versorgung. Somit sei auch eine Genehmigungslaufzeit von 30 Jahren nötig, die Planungssicherheit für Investitionen biete und kostenintensive Antragsverfahren reduziere.

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