Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Oliver Sauer, Kai Daxenbichler und das liebe Federvieh.
+
Oliver Sauer, Kai Daxenbichler und das liebe Federvieh.

Steinau

Prämierte Miethuhn-Experten

  • Gesa Coordes
    VonGesa Coordes
    schließen

Das Öko-Hofgut Marjoß des Behinderten-Werks Main-Kinzig ist bei Menschen mit Behinderung und bei Verbrauchern begehrt. Es ist jetzt mit dem hessischen Ökolandbaupreis 2013 ausgezeichnet worden.

Das Öko-Hofgut Marjoß des Behinderten-Werks Main-Kinzig ist bei Menschen mit Behinderung und bei Verbrauchern begehrt. Es ist jetzt mit dem hessischen Ökolandbaupreis 2013 ausgezeichnet worden.

Ich bin der Eierholer“, sagt Kai Daxenbichler. Beherzt zieht der junge Mitarbeiter ein Huhn am Schwanz vom Gelege. „Ruhig Blut. Seid brave Hühner“, sagt er zu dem laut gackernden Federvieh. Vorsichtig holt er die Eier aus dem Nest, legt sie in Paletten

Sein Kollege Oliver Sauer hat ein besonders sanftes Huhn auf dem Arm. Er krault es am Hals. „Das ist schön weich“, meint der 41-Jährige. In dem mobilen Stall des Hofguts Marjoß (Steinau, Main-Kinzig-Kreis) wechselt er die Batterie für die automatische Hühnerklappe, füllt die Futterbox mit Körnern und den Tank mit Wasser. Und er prüft, ob vielleicht noch an anderen Stellen des Stalles Eier versteckt wurden: „Manchmal schimpfen sie, wenn man die Eier rausholt“, sagt er.

Das Bioland-Hofgut des Behinderten-Werks Main-Kinzig ist Sieger des Wettbewerbs um den hessischen Ökolandbaupreis 2013 des Landwirtschaftsministeriums. Die Jury überzeugte die Kombination aus sozialem Engagement, Einsatz für den ökologischen Landbau und Umweltschutz. 45 Menschen mit Behinderung arbeiten in dem malerisch gelegenen Weiler. Mit 35 Kühen, 80 Schweinen, neun Ziegen, zwei Pferden, zwei Eseln, Kaninchen, Gänsen und Hühnern bewirtschaften sie den 110 Hektar großen Hof, zu dem Äcker, Streuobstwiesen, Naturschutzflächen, eine Imkerei und ein Laden gehören.

Beeindruckt war die Jury vom Miethuhn-Projekt: Die Kunden „mieten“ ein Huhn. Dafür erhalten sie an einer der 25 Abholstellen im Kreis jede Woche sechs frische Eier. Durch die Abonnements können sich Käufer sicher sein, dass sie Eier vom Hofgut bekommen. Die Hühnerprodukte sind so gefragt, dass die Regale in den Einkaufsmärkten oft leer sind, berichtet der Leiter des Hofguts, Dietrich Hunsmann. Auf 880 wurde die Zahl der Legehennen erhöht, die auf den Wiesen im Jossatal picken. „Wichtig ist, dass Menschen mit Behinderungen 80 Prozent der Arbeit übernehmen können“, sagt der Agraringenieur.

Die Mitarbeiter lieben ihre Arbeit

Im Eiersortierraum sitzen sich Sabine Wagner und Claus Frank gegenüber. Die 37-Jährige wiegt die Eier vorsichtig ab: „Das war M“, sagt sie und legt es in die passende Stiege. Es gibt sogar XL. „Da sind zwei Dotter drin“, wissen die Mitarbeiter und deuten auf außergewöhnlich große Eier. Unterdessen hat Claus Frank die Eier gestempelt. Die Entwicklung des 46-Jährigen ist eine „tolle Erfolgsgeschichte“, erzählt Hunsmann. Frank war bereits in vielen Werkstätten, ließ sich jedoch fast nie zum Arbeiten bewegen und ertrug die Nähe anderer Menschen kaum. Bis er die Eiersortierung für sich entdeckte. Jetzt stempelt er täglich 700 Eier, hält es mit vier Menschen in einem Raum aus und spricht sogar mit ihnen.

Die geistig, seelisch, manchmal auch körperlich behinderten Mitarbeiter sind so angetan von der Arbeit auf dem Gut, dass sie mit Kleinbussen aus dem gesamten Landkreis kommen. Oliver Sauer etwa macht sich jeden Morgen auf den Weg aus dem 70 Kilometer entfernten Nidderau. „Es ist schön hier“, sagt er mit Blick auf die malerisch unter einem Apfelbaum laufenden Hühner.

Tiere haben guten Einfluss auf die Mitarbeiter. „Sich um lebende Wesen zu kümmern, lehrt sie, dass sie ihre Aufgaben sorgfältig erfüllen müssen, damit es den Tieren gut geht“, erklärt Hunsmann. Es gibt aber auch Mitarbeiter, denen die Landwirtschaft draußen zu unübersichtlich oder zu schwer ist. Sie arbeiten lieber in der Gruppe der Kartoffelschäler. In weißen Kitteln und blauen Hauben sitzen sie am Picktisch, wo sie von einer Maschine vorgeschälte Kartoffeln von Augen und Schalenresten befreien.

Einige Mitarbeiter sind so begeistert von ihrer Arbeit, dass sie sich in der Freizeit sogar noch für den Umweltschutz einsetzen. Gemeinsam mit der Naturschutzgruppe von Steinau bauen sie Krötenzäune, tragen Frösche über die Straße, schneiden Obstbäume und kontrollieren Wasseramselkästen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare