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Portraits mit Schalk im Nacken

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Jossgrund / Hanau Die Zeichnerin Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce hat ihre Leidenschaft erst spät zum Beruf gemacht

Der Mann mit dem wilden Vollbart hält in seiner prankengroßen Hand eine stattliche Knackwurst dem Betrachter entgegen und strahlt ihn an. Zwei Schritte daneben hocken eine jüngere und eine ältere Frau auf einem Treppenabsatz mit einem Teller auf ihrem Schoß und unterhalten sich angeregt. Die großformatigen Bleistiftzeichnungen von Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce versprühen Lebendigkeit, und das ist nicht allein ihrem fotorealistischem Stil zuzuschreiben. Der steht nicht für hohes handwerkliches Können oder um Irritation zu erzeugen. Die Zeichnungen beschwören eine Bildsprache, wie sie die alten Meister einst pflegten.

Fotos als Vorlage

"Ich versuche herauszufinden, was hinter einer Person steckt", sagt die Zeichnerin, die in Jossgrund lebt. Den Künstlername "Ink" hat sie von ihren Schwestern - wegen ihrer Vorliebe für Tusche. Für die Portraits bedient sich "Ink" in der Regel einer Foto-Vorlage. Die Szene mit dem "Berber" hat sie selbst aufgenommen. Das Damen-Duo bannte FR-Fotograf Rolf Oeser beim Museumsuferfest auf Film. "Als ich das Bild in der Zeitung sah, habe ich nur noch den Namen des Fotografen gelesen, um schnell die Erlaubnis einzuholen", erzählt sie. "Ink" weiß nicht nur mit Urheberrechten umzugehen, sondern auch mit den Abgebildeten. "Wenn möglich, sieht das Modell das fertige Werk zuerst."

Kanzlerin schwingt Fähnchen

Was Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu ihren Portraits sagen würden, ist zweifelhaft. Bei ihrer Arbeit - dazu platziert "Ink" eine Reihe von Fotografien des Modells an ihrem Zeichentisch - sitzt der Künstlerin gelegentlich der Schalk im Nacken. Die Kanzlerin mit winkendem Papierfähnchen als Gegenbild zur Fahne schwenkenden Jeanne d'Arc. Bei Sarkozy nimmt "Ink" dessen Eitelkeit aufs Korn: "Der hat sich auf Fotos schon Fettpolster wegretuschieren lassen. Jetzt kriegt er von mir wieder welche verpasst", sagt sie mit einem schelmischen Lachen.

Malerin wollte sie immer werden, das habe schon im Kindesalter festgestanden. Ihre Eltern fanden jedoch, "die Malerei ist ein brotloser Beruf". Statt des Kunststudiums absolvierte "Ink" deshalb eine Lehre zur Bankkauffrau. Neben Beruf und Familie mit zwei Kindern zeichnete sie immer nur spontan. Zu ihrem 40. Geburtstag vor drei Jahren packte ihr Mann die Bilder schließlich ins Auto, um sie einem Frankfurter Galeristen vorzustellen. "Sie müssen weitermachen", hieß es nicht nur von ihm. "Inks" Kindertraum wurde nach drei Jahrzehnten wahr. Das Zeichnen ist mittlerweile ihr Beruf.

Seit 2006 hatte sie 16 Gemeinschafts- und Einzelausstellungen. 2008 erhielt sie den Kunstpreis der Bernd-Rosenheim-Stiftung Offenbach und den Internationalen Kunstpreis der Sparkasse Karlsruhe. Für ihr Portrait eines Trampers sprach der renommierte Kunsthistoriker Götz Adriani der Künstlerin eine besondere Würdigung aus - quasi ein Ritterschlag.

Es muss daher auch nicht weiter verwundern, dass "Ink" im Hanauer Kunstverein und in der Frankfurter Kunstgesellschaft aufgenommen wurde. Oft findet sich in ihren Bildern auch ein Stück der Mainmetropole wieder. Brezel, Geripptes oder die Frankfurter Rundschau werden dann zum Teil einer Szene, eines Stilllebens.

In der Gemeinschaftsausstellung "Acht Frauen" zeigt Ingrid Sonntag-

Ramirez Ponce ("Ink") ab Samstag, 7. März, einige ihrer Arbeiten in der

Remisengalerie des Hanauer Schloss

Philippsruhe. Weitere Informationen und Bilder der Künstlerin im Internet unter www.ink-malerei.de

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