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Mit 21 Messerstichen hat ein 43-Jähriger seine 38-jährige Frau am 29. Januar in der Schlüchterner Wohnung traktiert. Mehr als ein halbes Dutzend davon waren potenziell lebensbedrohlich, schildert die Gerichtsmedizinerin beim Prozess vor dem Landgericht Hanau. "Kein Affekt", versichert der Psychologe. Naheliegend sei, dass er sie, die sich trennen wollte und um das Sorgerecht für die Kinder stritt, in die Wohnung gelockt und abgestraft habe.

Landgericht Hanau

"Unbedingter Vernichtungswille"

Eine 38 Jahre alte Afghanin musste vor den Augen der Kinder sterben, weil sie sich von ihrem Mann trennen wollte. Dieser könnte selbst für die eigene Tochter eine Gefahr darstellen, glaubt der Gutachter.

Von Jörg Andersson

Farid N. hat seine Frau bei "besonders klarem Bewusstsein" vor den Augen der drei eigenen Kinder getötet und sie dabei noch belehrt. Gepaart mit einer düsteren Prognose beschreibt Gutachter Lothar Staud den 43-jährigen Angeklagten als einen "von unbedingtem Vernichtungswillen" getriebenen Mörder.

Mit seinem Starrsinn und seiner Reuelosigkeit könne er selbst für seine Tochter noch eine Gefahr sein, sagt der Psychologe am Dienstagmittag nach viertägiger Beweisaufnahme am Landgericht Hanau.

Konsequent plädiert Staatsanwalt Mathias Pleuser auf lebenslänglich mit Hinweis auf die besondere Schwere der Schuld. Folgt die 1. Große Strafkammer diesem Antrag, dann würde das Urteil, das Richter Peter Grasmück am Freitag verkündet, auch nach 15 Jahren Haft kaum eine Bewährungschance eröffnen.

Mit 21 Messerstichen hat der Angeklagte seine 38-jährige Frau am 29. Januar in der Schlüchterner Wohnung traktiert. Mehr als ein halbes Dutzend davon waren potenziell lebensbedrohlich, schildert die Gerichtsmedizinerin.

"Kein Affekt", versichert der Psychologe. Naheliegend sei, dass er sie, die sich trennen wollte und um das Sorgerecht für die Kinder stritt, in die Wohnung gelockt und abgestraft habe. "Ich bin befreit worden von einem Monstrum", nannte es der Angeklagte, der unmittelbar nach der Tat "erleichtert" wirkte und sich der Polizei stellte.

Täter und Opfer stammen aus Afghanistan, wo die Eltern eine Ehe arrangierten, die nie funktionierte. Über Russland werden sie 2000 nach Deutschland geschleust, leben seit Jahren als Asylbewerber in Steinau und Schlüchtern. Farid N. wirkt ruhig, ist gut gebildet, ein "autoritärer Charakter" mit "stark ausgeprägtem Ordnungssinn", sagt Staudt.

Plötzlich zugänglich geworden

Das Familienleben war gekennzeichnet von Streit und Angst, schilderte die älteste Tochter (15) dem Gericht am zweiten Verhandlungstag. Rücksichtslos demütigte und verachtete Fahrid N. seine Frau über Jahre. Am Ende flüchtete sie vor seinen Schlägen ins Frauenhaus.

Danach verbot er ihr den Kontakt zu den Kindern, die ihre Mutter "Dreckstück" nennen sollten, bei schlechten Noten oder missliebigem Verhalten vom Vater auch angespuckt wurden. Zwei Wochen vor der Tat änderte sich das Klima. Farid wurde zugänglich.

"Es war sein Plan, sie umzubringen", sagte die Tochter. Wiederholt erinnern sich Zeugen an Bemerkungen des Angeklagten, der offenbar erwog, seiner Schwester die Erziehung der Kinder zu übertragen. Eine Freundin des Opfers berichtete, N. habe recherchiert, dass für Totschlag nur sieben Jahre Gefängnis drohten.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft der "strategisch geplante Mord" eines Patriarchen, der sein "übersteigertes Selbstwertgefühl bedroht sieht" - durch eine Frau, die ihm und seiner Vorstellung von Werten und Kindererziehung im Weg steht.

Verteidiger Martin Dittmar, dem der Angeklagte das Vertrauen entzogen hat, plädiert am Donnerstag. Zeugenaussagen für seinen Mandanten gab es nicht, die Schwester wollte nicht sprechen.

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