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Justizia wacht am Römer in Frankfurt. (Symbolbild)

Hanau

Staatsanwalt fordert hohe Haftstrafe

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Ein Mann sticht auf seine geschiedene Ehefrau ein. Als er ein noch größeres Messer holen will, kann die Frau fliehen. Im Prozess vor dem Hanauer Landgericht fordert der Staatsanwalt achteinhalb Jahre Gefängnis für den Täter

Tränen flossen beim Angeklagten, auch die späte Entschuldigung beim Opfer brachte keine Milde. Achteinhalb Jahre Gefängnis fordert Staatsanwalt Matthias Pleuser für den Mann, der seine ehemalige Frau am Abend des 26. Juli 2015 mit einem Messer schwer verletzt haben soll. Der Anklagevorwurf lautet auf Totschlag.

Am Dienstag wurde bereits am zweiten von vier angesetzten Verhandlungstagen vor der Schwurgerichtskammer am Hanauer Landgericht plädiert. Ein psychologischer Gutachter attestiert dem Angeklagten „volle Schuldfähigkeit“, aber auch ein „hohes Potenzial“ an Aggression und rascher Kränkung. Die Frau hatte ihm kurz vor der Tat gesagt, dass sie einen anderen Mann hat.

Der Angeklagte hatte sich am Tatabend Zugang in die Wohnung verschafft und sich bis zum Eintreffen der 27-Jährigen in der Toilette versteckt. Als sie abends in ihr Zimmer in einer Wohngemeinschaft trat, stand der 25- Jährige plötzlich hinter ihr und wollte Sex mit ihr. Trotz der Scheidung soll es bei Treffen immer wieder dazu gekommen sein, sagt die Frau aus.

Der Angeklagte macht bislang keine Aussage. Als die Geschädigte sich diesmal verweigert, kommt es zu der gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der der Mann der Frau mit einem Kartoffelmesser neun Stich- und Schnittverletzungen zufügt. Laut Gutachten eines Rechtsmediziners waren die Schnitte und Stiche jedoch nicht tief genug, um lebensbedrohlich zu wirken.

Als die Frau blutend auf dem Boden liegt, soll der Angeklagte sie gewürgt und gerufen haben „Bist Du immer noch nicht tot?“. Dann geht er in die Küche um ein anderes Messer zu holen, mittlerweile ist die Frau in das Zimmer ihrer WG-Mitbewohnerin geflüchtet, die die Polizei alarmiert. Der Mann verlässt daraufhin die Wohnung und wird später bei sich zu Hause von der Polizei festgenommen.

In dem Tatverhalten des Mannes sieht Staatsanwalt Pleuser keinen strafmildernden freiwilligen Rücktritt von der Tat. Dass der Angeklagte wegen eines anderes Messers in die Küche ging, sei als erneuter Versuch zu werten. Dass zweite Messer hatte eine deutlich längere Klinge als das erste.

Der Angeklagte soll eine schwierige Persönlichkeit haben und auch geistig eingeschränkt sein. Das gemeinsame Kind aus der Ehe mit der Geschädigten war wegen prekärer Verhältnisse aus der Familie heraus geholt und zu Pflegeeltern gegeben worden. Die Mutter des Angeklagten zeichnete von ihrem Sohn dagegen ein anderes Bild. „In meinen Augen ist er ein lieber Junge. Er ist wie ein Lamm“.

Der psychologische Gutachter schloss sexuelles Verlangen als Tatmotiv weitgehend aus. Bereits ein Jahr zuvor hatte der Mann versucht, sich umzubringen, weil seine Ex-Frau ihm damals per SMS mitteilte, dass sie einen anderen Mann kennengelernt habe. Nach dem Suizidversuch sei versäumt worden, dass „enorme Erkrankungspotenzial“ zu behandeln. Am 26. Juli 2015 sei der Angeklagte „sehr, sehr eifersüchtig“ gewesen, so der Gutachter.

Die beiden Verteidiger plädieren für eine Gefängnisstrafe von nicht mehr als fünf beziehungsweise vier Jahren. Letzteres, weil ein Anwalt die Schuldfähigkeit des Mandanten in Frage stellt und von einer Tat in einer Ausnahmesituation ausgeht. Die Vertretung der Nebenklägerin forderte dagegen zehn Jahre Haft und 10 000 Euro Schmerzensgeld.

Das Urteil wird am morgigen Donnerstag erwartet.

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