Hanau

Revision gegen Urteil nach Verstümmelung

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Staatsanwaltschaft Hanau hält Strafmaß von neuneinhalb Jahren Haft für falsch.

Die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen das Urteil im Prozess um die Gesichtsverstümmelung in Schlüchtern eingelegt. Das teilte der Hanauer Oberstaatsanwalt Dominik Mies auf FR-Anfrage mit. Zu den Gründen konnte er keine Angaben machen, weil der Staatsanwaltschaft die schriftliche Urteilsbegründung des Landgerichts noch nicht vorlag.

Ende Juni hatte das Gericht den Geflüchteten Dawit W. aus Somalia zu neuneinhalb Jahren Haft wegen versuchten Totschlags sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass W. im Oktober 2016 dem Asylsuchenden Mustafa H. nach einem Streit zwei lebensgefährliche Stiche in den Hals zugefügt, zwei Augenlider sowie Teile der Ohren abgeschnitten und anschließend die Augäpfel des Somaliers malträtiert hat. Das Opfer ist fast blind.

Staatsanwalt hatte lebenslange Haft gefordert

Staatsanwalt Alexander Voigt hatte lebenslange Haft wegen versuchten Mordes und der Körperverletzung gefordert: W. habe die Tat nur deshalb nicht zu Ende geführt, weil die Polizei die Wohnung stürmte. Das Mordmerkmal Grausamkeit sei „übererfüllt“. Richterin Susanne Wetzel begründete die Entscheidung unter anderem damit, dass die Verstümmelung äußerst brutal gewesen sei, jedoch nicht „zur Tötung geeignet“ und somit kein Mordmerkmal vorliege.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich schon kurz nach dem Prozess überrascht über das Urteil und deutete an, dass sie es nicht für angemessen hält.

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