Einbrecher sind oft organisierte Profis.
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Einbrecher sind oft organisierte Profis.

Hanau

Professionelle Diebesbande

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Ermittlungen gegen professionelle Einbrecher- und Autoknackerbaden sind schwierig. Doch zuweilen sind sie auch von Erfolg gekrönt. In Hanau ist nun das 31-jährige Mitglied einer Einbrecherbande zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Immer wenn sie nach Hause zurückkehren, schwirren ihnen dieselben Fragen im Kopf herum: Ist wieder jemand eingebrochen? Wo hat er gesucht, was hat er mitgenommen? Ist er noch da? „Meine Frau belasten die Einbrüche bis heute sehr“, sagt der Klein-Auheimer Helmut P. Durch den Prozess seien die quälenden Erinnerungen stärker geworden. „Haben Sie das verstanden?“, fragt Richter Peter Graßmück den Angeklagten Dani K. scharf, der daraufhin noch kleiner wird.

Monika B. aus Langenselbold spricht von einer „tiefen Angst“, die sie umtreibt. „Man fühlt sich beobachtet“, sagt B. Sie und ihr Lebensgefährte haben Kinder, die Tochter wohnt im Dachgeschoss. „Was wäre passiert, wenn sie auf die Einbrecher getroffen wäre?“, fragt sich Monika B.

Sie, Helmut P. und ihre Nächsten sind Opfer einer Einbrecherbande, die 2014 im Raum Hanau und Gelnhausen Diebstähle begangen hat, bevorzugt in Häusern, die in der Nähe der Autobahn liegen. Am Donnerstag hat das Landgericht den 31-jährigen Dani K. wegen schweren Bandendiebstahls in zwei Fällen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. K. hatte die Taten bereits bei der Vernehmung durch die Polizei zugegeben und sein Geständnis vor Gericht wiederholt. Die Aussagen der Bestohlenen sowie einer Polizistin bestätigten ebenfalls die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

In beiden Fällen hebelte K. mit einem Schraubendreher ein Fenster auf, um ins Haus zu gelangen. In Klein-Auheim stahl er mit einem Komplizen Uhren, Geld und Schmuck im Wert von mehreren hundert Euro, in Langenselbold Schmuck und Geld im Wert von etwa 9000 Euro. K.s Anteil an der Beute: 300 Euro.

Mitte 2015 hatte das Landgericht die Urteile gegen fünf Mittäter gesprochen, darunter der Bruder und der Cousin des 31-Jährigen. Den Männern konnten teilweise weitere Einbrüche nachgewiesen werden, so dass der Haupttäter für viereinhalb Jahre ins Gefängnis musste. Gericht und Staatsanwaltschaft sehen es als erwiesen an, dass die Bande organisiert und arbeitsteilig vorging. Von Serbien aus sollen sie gezielt nach Deutschland eingereist sein, um Wohnungseinbrüche zu begehen. In wenigen Tagen suchten sie lohnenswerte und risikoarme Objekte aus, beobachteten sie und schlugen in den dunklen Morgen- oder Abendstunden zu, wenn die Bewohner nicht da waren. Ein Täter aus Gelnhausen ließ die anderen bei sich wohnen und stellte ein Auto. Nach Hinweisen wurde die Bande observiert und schließlich verhaftet.

Rückfällig nach Straferlass

K. setzte sich nach Belgien ab und wurde erst vor ein paar Monaten gefasst. Er kommt offenbar aus ärmsten Verhältnissen, wie die allermeisten Sinti und Roma in Serbien. Er habe nicht zur Schule gehen können, höchstens Gelegenheitsjobs bekommen und mit seinen Eltern sowie mehreren Geschwistern in zwei Zimmern leben müssen, ohne Bad und Toilette. K.s erwerbsloser Vater habe für die Kinder monatlich nur etwa 80 Euro vom Staat bekommen. „Sie können alles prüfen“, sagt K. zu Richter Graßmück. In seinen letzten Worten vor dem Urteil erklärt K.: „Ich möchte mich beim Gericht und bei den Menschen, denen ich das angetan habe, entschuldigen.“

Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädierten für eine Bewährungsstrafe. Strafmildernd sei, dass Dani K. schnell gestanden habe, an der zweiten Einbruchserie der Bande nicht mitwirkte und seit mehreren Monaten in U-Haft sitzt. Andererseits, sagt Staatsanwalt Hans-Walter Jung, seien die „massiven“ Folgen für die Geschädigten zu berücksichtigen. Und die Tatsache, dass K. 2009 wegen Einbruchs und Diebstahls in Deutschland schon zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Dennoch kam er – nur ein paar Tage nach dem Erlass der Strafe und trotz Einreiseverbot – zurück und schloss sich der Bande an.

Im Register steht die Vorstrafe nicht unter Dani K., weil er mehrfach den Namen wechselte. Ein gängiges Mittel in der organisierten Kriminalität, um Ermittlungen zu erschweren. K. weist den Vorwurf zurück. Er habe seinen Namen geändert, um nicht mehr an seinen brutalen Vater erinnert zu werden.

Nach Ansicht der ersten großen Strafkammer um Richter Graßmück muss K. für die Taten in Langenselbold und Klein-Auheim mit Gefängnis bestraft werden. Bei allen mildernden Umständen – die Vorstrafe, die kurz darauf folgenden Wiederholungstaten und die Ängste, unter denen die Betroffenen leiden, wiegen schwer.

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