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Razzia bei der TÜV-Niederlassung in Hanau im November 2013.

Korruption beim TÜV

Polizei überprüft Wagen beim TÜV

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Rund 40 Fahrzeughalter bekommen überraschenden Besuch von der Polizei. Die Beamten fordern sie auf, ihre Wagen sofort zur TÜV-Niederlassung Hanau zu bringen. Die Aktion steht im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen gegen TÜV-Mitarbeiter.

Dreieinhalb Wochen nach der groß angelegten Durchsuchung waren am Montag und Dienstag wieder Polizisten auf dem Gelände des TÜV Hanau unterwegs. Diesmal ging es darum, Autos zu überprüfen, die möglicherweise fälschlich die TÜV-Plakette bekommen hatten.

Untersucht wurden die rund 40 Autos, Kleinbusse und Lastwagen von einem Mitarbeiter der Polizei und einem Vertreter des Regierungspräsidiums Darmstadt, das die Aufsichtsbehörde für den TÜV ist. Genaue Ergebnisse wollte der RP-Vertreter nicht preisgeben. Es seien aber durchaus Wagen darunter, die größere Mängel hätten, sagte er gegenüber der Frankfurter Rundschau. Auf den Prüfstand kamen überwiegend ältere Fahrzeuge.

Mit Werkstätten zusammengearbeitet

Hintergrund für die Aktion sind Ermittlungen wegen des Verdachts auf Korruption und Falschbeurkundung. Zwei Mitarbeiter der Hanauer Niederlassung sollen über mehrere Jahre hinweg Prüfplaketten auf Autos geklebt haben, die diese nicht hätten bekommen dürfen. Dafür sollen sie mit einigen Werkstätten und Zulassungsstellen aus der Region zusammengearbeitet und Geld angenommen haben. Der TÜV hatte im Vorfeld nach eigenen Angaben mit der Polizei zusammengearbeitet. Zudem sei den betreffenden Mitarbeitern fristlos gekündigt worden, hatte ein TÜV-Sprecher in der vergangenen Woche gesagt.

Unabhängig von den polizeilichen Ermittlungen ist der TÜV in diesen Wochen dabei, die Halter der Wagen zu ermitteln, deren Autos von den betreffenden Mitarbeitern geprüft wurden.

Die Aktion am Montag und Dienstag hingegen lief auf Betreiben von Polizei und Staatsanwaltschaft. Zwar wollte Einsatzleiter Volker Kamm, Chef der auf Korruption spezialisierten Arbeitsgruppe Pentagon im Polizeipräsidium Südosthessen, „keine weiteren Auskünfte“ geben. Auch von der Hanauer Staatsanwaltschaft war nichts zu erfahren. Deutlich wurde aber, dass Polizisten nicht nur die Fahrzeuge überprüften, sondern auf dem TÜV-Gelände auch die Halter befragten.

Polizei droht, Wagen abschleppen zu lassen

Eine Ankündigung gab es vorher nicht. „Die Polizei stand kurz vor acht vor der Tür“, sagte ein junger Mann, der auf seine Befragung wartete.

Ein anderer Mann wurde noch deutlicher. Ohne jede Ankündigung habe die Polizei am Dienstagmorgen bei seiner Nachbarin geklingelt und sie aufgefordert, sofort ihren Wagen beim TÜV vorzuführen, erzählte er, während die Frau in den TÜV-Räumen von der Polizei befragt wurde. Wenn sie das nicht tue, berichtete der Mann weiter, hätte die Polizei den Wagen abschleppen lassen – auf Kosten der Halterin. Dabei habe niemand danach gefragt, „ob mer schaffe muss“, ärgerte er sich. Und die Frage sei ja auch, sagte er: „Wer bezahlt den Verdienstausfall?“

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