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Opfer häuslicher Gewalt können in der Hanauer Hilfe Rat und Beistand bekommen.

Sexualstraftaten

Mehr Opfer brechen Schweigen

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Die Beratungsstelle Hanauer Hilfe legt ihren Jahresbericht vor: Im vergangenen Jahr waren die Ratsuchenden häufiger als 2012 von Sexualstraftaten betroffen sowie von Straftaten gegen die persönliche Freiheit, was in fast allen Fällen Stalking und Bedrohung bedeutete.

Die Beratungsstelle Hanauer Hilfe legt ihren Jahresbericht vor: Im vergangenen Jahr waren die Ratsuchenden häufiger als 2012 von Sexualstraftaten betroffen sowie von Straftaten gegen die persönliche Freiheit, was in fast allen Fällen Stalking und Bedrohung bedeutete.

Das Schweigen brechen. Sich Hilfe holen und eine Anzeige machen. Vor Gericht aussagen – und dabei dem Peiniger wiederbegegnen, seine Blicke spüren. Edith Domokosch-Jeske, Sozialpädagogin der Hanauer Hilfe weiß, wie „unfassbar schwierig“ diese Schritte für Opfer von Gewalt sind, vor allem, wenn Kinder im Spiel sind“. Dann würden viele Betroffene noch stärker mit sich ringen, bevor sie den Ausweg suchen. Und müssten später mehrere lange Termine vor dem Familiengericht überstehen.

Mehr Betroffene von Stalking

Die Hanauer Hilfe unterstützt Opfer und Zeugen von Straftaten bereits seit 30 Jahren. Sie arbeitet mit ihnen ihre Traumata auf, hilft bei der Bewältigung des Alltags, begleitet sie vor Gericht, berät Angehörige und vermittelt weitere Hilfsangebote. Im vergangenen Jahr waren die Ratsuchenden häufiger als 2012 von Sexualstraftaten betroffen sowie von Straftaten gegen die persönliche Freiheit, was in fast allen Fällen Stalking und Bedrohung bedeutete. Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, sind die Fallzahlen in diesen Bereichen von 72 auf 85 sowie von 39 auf 45 gestiegen. Die Zahl der Gewaltfälle (vor allem Körperverletzung) ist von 160 auf 148 gesunken, 2009 waren es 123.

„Wir gehen nicht davon aus, dass es viel mehr Sexualstraftaten, Bedrohung oder andere Delikte gibt“, sagt Domokosch-Jeske. „Es ist wohl vielmehr so, dass mehr Betroffene bereit sind, sich zeitnah helfen zu lassen und eine Anzeige zu machen.“ Das sei eine positive Entwicklung, sagt die Sozialpädagogin.

Insgesamt kümmerte sich die Einrichtung 2013 um 303 neue Fälle, 2012 waren es 309, 2009 noch 252. Auffällig ist, dass der Männeranteil unter den 441 Hilfsbedürftigen in 2013 mit 28 Prozent nach wie vor relativ gering ist. Die Beratungsstelle führt dies auch darauf zurück, dass es Männern schwerer falle, sich als Opfer zu erleben und Hilfe zu holen, obwohl auch sie häufig Gewalt erfahren.
Das Angebot im Zeugenzimmer, das 2010 im Gericht eingerichtetet wurde, sei schleppend angelaufen, werde inzwischen aber gut angenommen. 2012 verzeichnete die Hanauer Hilfe dort 264 Kontakte, 213 waren es 315. Wegen der steigenden Nachfrage weitet die Hanauer Hilfe ihre Präsenz ab Herbst aus.

Personalmangel bei Polizei

Ein Problem für Opfer seien personelle Einschnitte bei der Polizei. Die Polizisten würden ihr Bestes geben, hätten aber so viel zu tun, dass sie sich häufig nicht intensiv um Opfer kümmern könnten, sagt Domokosch-Jeske. Grundsätzlich gelte: „Behörden müssten noch sensibler mit Opfern und Zeugen umgehen und sie besser über ihre Rechte aufklären“, sagt die Sozialpädagogin und fügt hinzu: „Zudem müssten die Hilfsangebote noch bekannter sein.“ Viele würden die Hanauer Hilfe nicht kennen. Das liege auch daran, dass sich kaum jemand mit dem Thema befassen wolle – bis er selbst betroffen sei.
Dann komme es oft auf vermeintliche Kleinigkeiten an: „Wer eine Anzeige macht, muss seine Adresse angeben. Diese steht dann in der Regel in der Akte – und kann somit auch vom Täter herausgefunden werden“, kritisiert die Beraterin. Sie fordert, die Adresse grundsätzlich gesondert zu erfassen. „Wer Opfer und Zeugen schützen will, muss auf solche Sachen achten.“

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