Kranke oder schwache Igel werden bei den Maintaler Wildtierfreunden wieder gesundgepflegt und über den Winter gebracht.
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Kranke oder schwache Igel werden bei den Maintaler Wildtierfreunden wieder gesundgepflegt und über den Winter gebracht.

Maintal

Keine Angst vor Stacheln

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Der Maintaler Verein Wildtierfreunde kümmert sich liebevoll um Igel, Schwan und Ente - ehrenamtlich, natürlich. Detlef Sundermann hat sich das Hotel für die Stacheltiere angesehen.

In der Igelstation im Keller herrscht Ruhe. Nur hin und wieder kommt aus einer der Boxen ein Schnarchen, Schmatzen oder Husten. "Einige Igel haben Lungenwürmer", sagt Anja Rückeshäuser.

Keine schlimme Sache, bemerkt die Tierfreundin: Die Parasiten sind mit Medikamenten leicht in den Griff zu kriegen. In einem Schuppen warten Wasservögel auf den Frühling, darunter junge Stockenten, die als Küken in einem Becken der Frankfurter Kläranlage gefunden wurden.

"Die meisten Tiere bekommen wir von der Polizei und der Feuerwehr gebracht, oder es gibt einen Anruf und wir holen sie nach Feierabend ab", sagt Sonja Niebergall, Gründerin und Vorsitzende des Vereins Wildtierfreunde. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 2000 Schützlinge aufgepäppelt oder tierärztlich versorgt und wieder ausgewildert oder an einen Zoo vermittelt.

Niebergalls Stellvertreterin Rückeshäuser dröselt die Zahl noch ein wenig auf: "Beispielsweise hatten wir 2008 sieben Rehkitze und 50 Schwäne." Bei Letzteren ist der Grund für den Aufenthalt oft ein Angelhaken im Hals. Einige Pfleglinge werden dem Verein auch aus falsch verstandener Tierliebe gebracht. "Die Leute sehen im Wald oder am Feld ein Jungtier alleine und glauben, es sei verwaist, dabei beäugt die Mutter aus der Ferne das Geschehen", sagt Rückeshäuser.

Den Verein Wildtierfreunde gibt es seit 2005. Die Gründungsmitglieder waren ehrenamtliche Helfer der Wildtierstation des Maintalers Günter Röll, der 2004 verstarb. Die Tierschützer nutzen weiterhin das Röllsche Gelände in der Nähe des Höllsees bei Dörnigheim.

Rund 70 Personen zählt der Verein, davon sind 18 bei der Versorgung der Tiere aktiv. Es gibt allerdings auch Helfer, die keine bissigen Waschbären oder anderes störrisches Getier anfassen, wie etwa ein Ehepaar, das sich um die viele Wäsche kümmert, die in der Station anfällt. Ein-Euro-Jobber helfen, Räume und Boxen zu fegen und aufzuräumen.

Für den unmittelbaren Umgang mit den Pfleglingen braucht es Erfahrung, etwa als Falknerin, wie sie Sonja Niebergall hat, die eigentlich Gärtnerin ist. Rückeshäuser bezeichnet sich als Autodidaktin, die ihren ersten Kontakt mit Wildtieren als Ehrenamtliche im Tierheim hatte.

Hilfe dient dem Artenschutz

Derzeit verfügt der Verein noch über eine zweite Station auf dem Gelände der ehemaligen Frankfurter Baumschule im westlichen Zipfel von Bischofsheim. "Dort haben wir mit 5000 Quadratmetern noch einmal die doppelte Fläche, aber voraussichtlich nicht mehr lange", sagt Niebergall.

Das Angebot eines Maintaler Geflügelzuchtvereins, auf deren großzügiges Areal zu ziehen, darf der Verein nicht annehmen. "Die Stadt hat der Mitnutzung nicht zugestimmt", erzählt Niebergall. Leider, denn Infrastruktur wie Gebäude und Volieren seien dort vorhanden, bedauert sie. Ein Mitglied der Wildtierfreunde will nun sein Gartengelände zur Verfügung stellen. Der Bauantrag ist eingereicht.

Für manche Schützlinge, die rund um die Uhr betreut werden müssen, liegt das Kranken- oder Aufzuchtrevier aber nicht auf dem Vereinsgelände, sondern in der Wohnung einer Helferin. So versorgte Rückeshäuser etwa schon einen Wurf Waschbärwelpen - tagsüber auch an ihrem Arbeitsplatz in einem Sozialzentrum. Der Chef hatte es erlaubt.

"Nicht immer wird unserer Arbeit so viel Verständnis entgegengebracht", sagt Niegall. Häufig bekomme sie zu hören, man solle Wildtiere ihrem Schicksal überlassen. Die Leute übersähen hierbei, dass es auch um Artenschutz gehe, und die Patienten oft durch den Menschen zu Schaden gekommen seien, zunehmend wegen Tierquälerei.

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